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Wie Profis den Sport zum Beruf machen

Von SPOX Österreich
Laufen ist ein Sport, den viele Menschen betreiben
© fotolia.de ©Thaut Images

Wer ein echtes Hobby sein eigen nennen und davon sogar leben kann, darf sich glücklich schätzen. Die meisten Menschen träumen ihr Leben lang vergeblich davon, eines ihrer Hobbys zum Beruf zu machen und geben sich mit dem Kompromiss zufrieden, den Beruf zum Überleben auszuführen und das Hobby als Ausgleich in der Freizeit zu betreiben.

Bei Sportlern ist es oft besonders kritisch. In vielen Fällen gibt es den einen Zeitpunkt im Leben, an dem die Entscheidung fallen muss, es zu riskieren, den Sport zum Beruf zu machen, oder auf Nummer sicher zu gehen und eine "gewöhnlichere" Karriere anzustreben. Wer mit vollem Ehrgeiz bei der Sache ist und von Trainern und Freunden den Rat bekommt, es tatsächlich mit Sport zu versuchen, hat einen harten Weg vor sich. Und selbst, wenn viel Talent in einem Sportler steckt, hat er es nicht immer leicht. Denn die Sportbranche ist hart: Nicht nur fordert sie nicht selten in Form von körperlichen Beschwerden ihren Tribut, selbst Profisportler verdienen mit dem reinen Sport oftmals kaum genug, um davon leben zu können.

Der deutsche Läufer Philipp Pflieger jedoch ist eine der wenigen Ausnahmen - er hat es, trotz schwieriger Bedingungen, geschafft: Der junge Sportprofi lebt von seinem einstigen Hobby und verdient als Läufer sein Geld. Mit einer Marathon-Bestzeit von 2:12:50 Stunden gehört er zu den besten deutschen Läufern; weltweit dagegen schafft er es mit dieser Zeit nicht einmal unter die besten 250 Läufer. Und dennoch kann Pflieger ganz ohne Unterstützung von Polizei oder Bundeswehr davon leben.

Wie genau das Leben vom Sport funktioniert, wovon es abhängt und welche Voraussetzungen gegeben sein müssen, soll im Folgenden erläutert werden.

Geld verdienen mit Sport - wie geht das genau?

Profisportler und ihr mageres Einkommen

Profisportler haben alles, könnte man meinen: sie halten sich gezwungenermaßen fit und sehen dadurch meistens gut aus, werden angefeuert und bejubelt und haben häufig auf der ganzen Welt eine Menge Fans, die sie unterstützen. Außerdem verdienen sie auch noch einen Haufen Geld.

Abgesehen von wenigen Ausnahmen, wie Fußballstars, einigen Basketballern und den besten Boxern der Welt, trifft der letzte Punkt auf Spitzensportler aber ganz und gar nicht zu. Profi-Athleten verdienen im Schnitt sogar weniger als 2000€ Brutto. Die Medaillen und Blumen und der kurzzeitige Ruhm mögen also noch so schön glänzen, zum Leben reichen sie nicht und bringen den meisten Profisportlern somit auch kein vollkommen erfülltes Leben.

Um den Sport weiterhin betreiben zu können, nehmen viele Profisportler sogar noch einen Nebenjob an oder führen diverse Tätigkeiten für oftmals schlechte Bezahlung aus. Ganze 40% des Lebensunterhaltes speisen sich durchschnittlich aus den Nebenjobs. Unterstützung gibt es weiterhin häufig von Bekannten oder der Familie; Werbeverträge und Sponsorenverträge folgen auf Platz 3 der häufigsten Nebeneinkünfte.

Anlässlich des mageren Einkommens der Profisportler scheint es vernünftig, den Hochleistungssport mittels Fördersystemen zu unterstützen. Diese geraten aber auch immer wieder in die Kritik.

Fördersysteme

Der größte direkte Förderer des deutschen Hochleistungssports ist der Staat. Das Bundesministerium für Inneres und Sport kümmert sich darum, dass deutsche Sportler regelmäßig unterstützt werden - und das auch nicht zu knapp. Nicht selten werden Beträge bis zu 200 Millionen Euro jährlich beigesteuert. Politiker klopfen sich dafür gerne auf die Schulter, Sportlern dagegen ist die Unterstützung noch deutlich zu wenig und Wissenschaftler stellen das ganze Fördersystem infrage.

So hält Bundesinnenminister Thomas de Maizière aus ganz eigenen Gründen an der Sportförderung fest: "Der Spitzensport - trotz aller Globalisierung und trotz aller Marketingverträge und trotz allem - ist auch ein Stück Patriotismus. Und den kann und darf ein Staat, auch ein demokratischer Staat, fördern. Natürlich hat das Grenzen."

Diese Grenzen werden scheinbar nach dem Ermessen des staatlichen Nutzens der Förderung gezogen, was Sportler und Trainer, wie Markus Weise, den ehemaligen deutschen Bundestrainer der Hockey-Frauen und -Herren, ärgert. Seiner Meinung nach müssten Milliarden beigesteuert werden, wenn man es konsequent und systemisch aufstellen wolle. Es dürfe allerdings "nicht nur um Leistungssport gehen [...], sondern um die gesamte Pyramide. Also auch Breitensport, Vereinssport et cetera."

Professor Doktor Arne Güllich, der zwölf Jahre lang für den Deutschen Olympischen Sportbund arbeitete und jetzt Direktor im Institut für Angewandte Sportwissenschaft an der Technischen Universität Kaiserslautern ist, geht mit seiner Kritik deutlich weiter. Er stellt die Förderung im Allgemeinen infrage. Die Art, wie der Staat fördere, bringe keine nachweisliche Garantie für eine bessere Erfolgsentwicklung der geförderten Athleten.

Die Stiftung Deutsche Sporthilfe, der zweitgrößte direkte Förderer des deutschen Hochleistungssports, scheint die staatliche Förderung ähnlich kritisch zu sehen und fördert neben Top-Athleten deshalb auch junge Athleten. Die Stiftung erhält dabei nahezu keine staatliche Unterstützung, sondern finanziert sich durch unternehmerisches Handeln im Fundraising. Mit Spenden, Zuwendungen von Kuratoren und Förderern, sowie mit Erlösen von Event- und Benefizprogrammen werden von der Stiftung Deutsche Sporthilfe rund 3800 Athleten unterstützt (Stand: 2009).

Geld verdienen mit Sport und Werbung

Da Profisportler häufig nicht nur sportliche Vorbilder, sondern allgemeine Idole für mitunter eine ganze Nation sein können, bietet es sich an, sie als Werbegesichter zu verwenden. Man denke nur einmal an Nutella-Werbungen mit deutschen Fußballern oder Fitnessstudio-Werbung mit berühmten Box-Brüdern. Die Werbung mit den Sportlern prägt sich ein.

Wer keine moralischen Bedenken hat, mitunter beispielsweise für häufig in der Kritik stehende Unternehmen, wie Nestlé & Co., zu werben und damit den Vertrieb deren Produkte anzutreiben, kann als Sportler durch die richtigen Werbeverträge durchaus eine Menge Geld machen. Das Praktische dabei ist, dass es nicht viel Talent im Modeln braucht: Die zuständigen Werbeagenturen setzen auch noch das ungeschickteste Gesicht so gekonnt in Szene, dass am Ende eine gelungene Anzeige oder ein Werbeclip dabei herauskommt.

In Zeiten des Digitalen nimmt außerdem auch die Möglichkeit des Selbstmarketings über soziale Plattformen eine immer wichtigere Rolle ein. Neben Instagram, Facebook und Ähnlichem, kann vor allem auch die Videoplattform YouTube gerade vielen Sportlern aus dem Fitness- und Bodybuildingbereich dazu dienen, Tipps und Tutorials für Fans zu erstellen und unter anderem durch Product-Placement oder Affiliate Links in den Videobeschreibungen einen Nebenverdienst aufzubauen.

Der große Traum: Bei den Olympischen Spielen gewinnen

Das Highlight einer jeden sportlichen Karriere dürfte die Teilnahme bei den Olympischen Spielen sein. Eine Medaille zu gewinnen und im besten Fall auf dem Siegertreppchen zu stehen, ist ohne Frage eine unbezahlbare Ehre. Auch hierfür winkt allerdings nicht das große Geld. Im Gegenteil: Ohne die bereits erwähnte Deutsche Sporthilfe gäbe es gar nichts. Und selbst diese kann nur begrenzt unterstützen: Bis zum 8. Platz werden Sportler prämiert. Jener 8. Platz erhält 1.500€, für den 1. Platz gibt es immerhin 20.000€.

Philipp Pflieger: der junge Profi und sein Leben als Läufer

Mut haben und ein Wagnis eingehen

Wer die Entscheidung trifft, vom Sport leben zu wollen, geht unbestreitbar zumindest ein kleines Wagnis ein. Häufig beginnen Karrieren noch vor dem Beenden eines Studiums oder gar der Schule oder einer Ausbildung. Das Ganze nachzuholen ist oft mühsam und kostenintensiv.

Es geht aber auch anders, wie das Beispiel Philipp Pflieger zeigt. Der 30-jährige deutsche Läufer sagt: "Ich habe mein ganzes Sportlerleben lang dem Moment entgegengefiebert, mal bei Olympischen Spielen dabei zu sein. Bis dahin waren alle meine großen Lebensentscheidungen von dem olympischen Traum beeinflusst." Und trotzdem hat er sein Abitur gemacht und zumindest ein Bachelorstudium abgeschlossen. Dann ging er das Wagnis ein und riskierte es, nicht etwa eine Karriere im Politik- und Medienbereich, sondern eine solche als Sportprofi einzuschlagen. Gerade auch im sozialen Umfeld ist eine solche Entscheidung häufig kritisch beäugt. Gesellschaftlich akzeptiert sei Pfliegers Entscheidung erst, seitdem er bei Olympia in Rio dabei war.

Das Hobby "Sport" zum Beruf machen

Auch Pflieger hätte sein Hobby ohne die finanzielle Unterstützung von unterschiedlicher Seite nicht zum Beruf machen können. Da er weder zu einer Sportfördergruppe, noch zur Polizei gehen wollte, war er von Anfang an darauf angewiesen, selbst für die Finanzierung seines Sports zu sorgen. Unterstützung erhält er dagegen von seinem Verein, der LG Telis Finanz Regensburg, sowie anderen Partnern, wie Adidas und ultraSPORTS, mit denen er Werbeverträge eingegangen ist.

Dass für den Aufbau der Person als Marke und Gesicht auch Eigeninitiative gefragt ist, beweist Pflieger wie kein anderer: Er selbst hat sich bei der bekannten Werbe- und Marketingagentur Jung von Matt gemeldet, wurde zu einem Gespräch nach Hamburg eingeladen und konnte Arne Friedrichs für das Laufen und die eigene Person begeistern. Seitdem hat er einen Vertrag mit der Spezialabteilung Jung von Matt/STARS, die sich auch um prominente Sportler, wie Formel-1-Pilot Nico Hülkenberg oder Fußball-Weltmeister Benedikt Höwedes kümmert, und die Pflieger nun in seiner individuellen Vermarktung unterstützt: "Das Team begleitet mich beim Aufbau einer Persönlichkeitsmarke und dem Erreichen meiner sportlichen Ziele. Ich habe als Profisportler die Möglichkeit, die Öffentlichkeit für Themen rund ums Thema Laufen zu begeistern, zum Beispiel durch Experten-Interviews, Statements zu Trendthemen wie Fitness, Reisen, Essen und Trinken, durch Fernsehauftritte [...]."

Die Erfolge des jungen Läufers

Dass auch Leistung zählt und die sportlichen Erfolge die Chance erhöhen, dass Agenturen und Sponsoren aufmerksam werden oder sich überzeugen lassen, beweist Pfliegers Vita. Den ersten nationalen Erfolg konnte er im Jahr 2009 verzeichnen. Hier wurde er Deutscher U23-Meister über eine Strecke von 5000 m.

Es folgten ein Sieg über 10.000 m als Deutscher Meister im Jahr 2012, als Deutscher Meister im Halbmarathon im Jahr 2015, sowie als Deutscher Crosslaufmeister im Jahr 2017. Einige weitere kleinere, aber nicht unbedeutendere Erfolge, kamen seit 2009 hinzu.

Das Highlight Pfliegers Karriere aber war mit großem Abstand die Teilnahme an den olympischen Spielen in Rio 2016: "Rio und der olympische Marathon waren ein Wahnsinns-Erlebnis. Ich hätte an dem Tag keine Sekunde schneller laufen können. Ich war voll zufrieden, wusste danach aber erstmal gar nicht, ob ich auf diesem Niveau überhaupt weiterlaufe."

Dass diese Erfolge nur durch harte Arbeit und die richtigen Zutaten zu verzeichnen sind, transportiert Pflieger offen nach außen. Zurecht verbinde jeder das Laufen mit vier Dingen: mit Gesundheit, Fitness, Erfolg und mit Spaß.

Die vier Botschaften des Profiläufers

1. Gesundheit

Sportliche Aktivität und die Gesundheit von Körper und Geist bedingen sich gegenseitig. Wenn Pflieger von Gesundheit als eine der Zutaten für das erfolgreiche Leben als Läufer spricht, meint er damit genau das. Wo er vor einigen Jahren noch jeden Cent und seine Gesundheit geopfert hätte, um irgendwann einmal Olympia erleben zu können, denkt er heute anders und auch daran, was in einigen Jahren sein könnte.

Das bedeutet, dass Sport gerade für das Herz-Kreislauf-System, den Stoffwechsel und die Muskulatur und die Knochen zwar extrem wichtig ist, irgendwann aber auch der Punkt kommen muss, an dem es die Bremse zu ziehen gilt. Nicht ohne Grund betonte der wohl berühmteste Radrennprofi der Welt, Lance Armstrong, immer wieder, dass er seine Krebserkrankung im Nachhinein auch als drastisches Zeichen seines Körpers verstand, in seiner Karriere einen Gang zurückzuschalten.

2. Fitness

Egal um welche Sportart es sich handelt, meist ist bei deren erfolgreicher Ausübung nicht nur eine spezielle Muskelpartie, sondern der ganze Körper beteiligt. Ist der Bewegungsapparat im Allgemeinen gestärkt, gelingen auch detaillierte Abläufe einzelner Muskelgruppen sowie der Kraftaufwand mit Hilfe einer bestimmten Körperhälfte besser. Aus diesem Grund absolvieren alle Profisportler, neben ihrem Spezialtraining, auch ein allgemeines Kraft- und Bewegungstraining, besser gesagt: sie betreiben Fitness. Auch Läufer absolvieren regelmäßig ein stärkendes Fitnessprogramm. Dass jenes inzwischen auch in der breiten Gesellschaft sogar als wichtige und eigenständige "Sportart" akzeptiert wird, zeigt unter anderem der Zuwachs an Mitgliedern in Fitness-Anlagen: McFIT führte die Liste der Fitnessanbieter in Deutschland bereits 2013 mit knapp 1,2 Millionen Mitgliedern an. Inzwischen sind es noch einmal 200.000 Mitglieder mehr, die Tendenz ist immer noch steigend. Aber was genau macht das Training so reizvoll, bzw. was bezeichnet der Begriff Fitness eigentlich?

Der Sportwissenschaftler Dieter Jeschke definierte den Begriff im Jahr 1991 folgendermaßen: Fitness sei die "psychische und physische Leistungsfähigkeit des Menschen, die ihn in die Lage versetzt, die vielfältigen seelisch-geistigen und körperlichen Belastungen von Alltag, Beruf und Freizeit so zu bewältigen, dass nicht geistig und körperliche Ermüdung oder gar Erschöpfung eine weitere kreative Lebensgestaltung verhindern."

Auch wenn der Definition Jeschkes im Prinzip auch heute noch zugestimmt werden kann, ist dem modernen Fitnessbegriff doch eine wichtige Sache hinzuzufügen, nämlich der Aspekt der Optimierung des Körpers. Während Gesundheitstraining meist auf den Abbau von Übergewicht oder den Ausgleich mangelnder Bewegung abzielt, soll Fitnesstraining die physische und psychische Leistungsfähigkeit auf ein optimales Maß (und darüber hinaus) trimmen.

3. Erfolg

Allgemeine Gesundheit und Fitness wiederum sind notwendig, um auf Dauer Erfolge einstreichen zu können. Pflieger dient mit seinen bereits genannten Erfolgen dafür als bestes Beispiel. Doch sind neben den sportlichen Erfolgen dabei auch die privaten Erfolge gemeint. Auch wenn Pflieger bei den Olympischen Spielen keinen der vorderen Plätze belegte, erfüllte sich alleine mit der Teilnahme am Wettbewerb ein persönlicher Traum. Der Erfolg definiert sich also nach eigenem Ermessen und wird wiederum als Motivation genutzt, weiterzumachen und zu versuchen, den Sport als Beruf zu festigen.

Wichtig sind natürlich deshalb auch Erfolge bei der Suche nach Unterstützern. Bleiben diese über Monate oder gar Jahre hinweg aus, wird es letztlich schwer, vom Sport leben zu können.

4. Spaß

Als vierten und letzten Punkt ist der Spaß zu nennen - eine nicht unwichtige Komponente. Denn wenn man nicht wirklich mit Herz hinter der Sache steht und das Hobby nicht durchgehend mit Freude betreibt, wird man wohl oder übel Leistungseinbrüche erleben. Auf den Sport wirkt sich das oftmals besonders scherwiegend aus. Denn wer verbissen versucht, Leistung nur für Geld zu erbringen und dabei irgendwann vergisst, dass die ganze Sache als Hobby begann, wird schnell auch die für diesen unsicheren Beruf essentielle Kreativität im Umgang mit neuen Herausforderungen und Möglichkeiten verlieren.

Laufen als Erfüllung

Indem Pflieger das Hobby des Laufens zum Beruf gemacht hat, scheint er sich gleichsam auch damit selbst verwirklicht zu haben. Das Leben vom Sport auch in finanzieller Hinsicht ist dabei mitunter entscheidender, als die ganz großen Erfolge in bestimmten Wettkämpfen. Es geht vielmehr darum, den Sport, der freiwillig betrieben wird, als Ausgangspunkt zunutzen, imLeben Erfüllung zu finden. Diese findet sich letztlich nur, wenn Gesundheit, Fitness, finanzielle Erfolge und Spaß aufeinandertreffen.

Dass das Laufen auch in indirekter Hinsicht Menschen bei der Suche und dem Finden von Erfüllung und Selbstverwirklichung dienen kann, zeigt ein weiteres Beispiel. So läuft der, auch in Deutschland erfolgreiche, japanische Schriftsteller Haruki Murakami, um in seinem eigentlichen Beruf, dem Schreiben, dauerhaft erfolgreich zu sein. Der Sport und sein Beruf lassen sich nicht trennen. Und noch mehr - ohne das Laufen, so seine eigene Aussage, könnte er den Beruf des Schriftstellers wohl gar nicht so erfolgreich ausführen: "Das meiste über mich selbst und das Schreiben von Romanen habe ich durch mein tägliches Lauftraining gelernt, auf natürliche, physische, praktische Weise. [...] Wäre ich, als ich Schriftsteller wurde, nicht zugleich auch Langstreckenläufer geworden, hätten sich meine Werke sicherlich von meinen jetzigen unterschieden." (Haruki Murakami: Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede. Dumont, Köln 2008, S. 75).

Fazit: Talent und Leidenschaft führen zum Berufserfolg

Philipp Pflieger kann nicht nur allen Läufern, sondern im Grunde genommen jedem einzelnen Sportler, der davon träumt, sein Hobby zum Beruf zu machen, als Vorbild dienen. Denn der junge Deutsche vereint die dafür wichtigsten Eigenschaften. Zum einen hat er Talent und davon nicht zu wenig - wäre er nicht einer der besten nationalen Langstreckenläufer, hätte er noch größere Schwierigkeiten, vom Sport zu leben. Zum anderen weiß er mit den unumgänglichen, bestehenden Schwierigkeiten des Sports umzugehen. Indem er das Laufen mit Leidenschaft betreibt und seinen Traum zielgerichtet verfolgt, verkörpert er automatisch die wichtigsten Eigenschaften, die zum erfolgreichen Ausüben des Profisports nötig sind. Und Pflieger trägt diese als Botschaft auch nach außen, indem er sich selbst geschickt vermarktet und die Schwierigkeiten der Fördersysteme für Profisportler damit bewältigt.

Wer den Mut Pfliegers aufbringen kann und ähnlich ausgeprägte Fähigkeiten besitzt, zusätzlich gewillt ist, hart zu trainieren und sich als Eigenmarke zu verkaufen, kann also versuchen, das Laufen zum Beruf zu machen. Jeder andere sei gewarnt - es wird sicherlich kein einfacher und wohlbelohnter Kurzstreckenlauf.

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