Fussball

Der opta-Bundesliga-Check: FC Wacker Innsbruck

Von opta, SPOX Österreich
Dieng: Ein Schlüsselspieler bei Wacker
© GEPA

Am 22. Februar erwacht die Bundesliga aus dem Winterschlaf. Noch vier Runden werden im Grunddurchgang absolviert, bis sich die Liga in Meistergruppe und Qualifikationsgruppe teilt. Vorab werfen opta und SPOX einen detaillierten Blick auf alle Teilnehmer. Wer sind die Schlüsselspieler? Was verraten die Daten? Worauf müssen die Trainer achten? Heute im Opta-Check: Der FC Wacker Innsbruck.

Der Trainer: Karl Daxbacher

Karl Daxbacher ist mit 65 Jahren der älteste aktive Bundesliga-Trainer. Durch seinen mittlerweile dritten Aufstieg als Meister der zweithöchsten Spielklasse (Rekord) ist Wacker Innsbruck nach dem LASK, der Austria und St. Pölten der 4. Klub, den Daxbacher in der Bundesliga betreut.

In St. Pölten wurde Daxbacher in der Aufstiegssaison bereits nach zwölf Bundesliga-Spielen beurlaubt und wechselte anschließend zu Wacker Innsbruck. Auch in dieser Saison musste sich der Routinier mit seinem Team erst an die Liga gewöhnen, sieben Niederlagen in den ersten neun Spielen verhießen nichts Gutes. Doch von den letzten neun Duellen verloren die Tiroler nur mehr zwei, was auch einer Anpassung Daxbachers geschuldet war.

Während Daxbacher in den ersten neun Spielen siebenmal auf eine Viererkette setzte, änderte er dies vor dem 1-0-Sieg gegen den LASK nachhaltig. Seit diesem Sieg lief Wacker Innsbruck kontinuierlich mit einer Fünferkette auf. Auch die Spielanlage änderte sich mit dem 1-0-Sieg gegen den LASK deutlich. Wacker verzichtete vermehrt auf den eigenen Ballbesitz und stand defensiv deutlich stabiler. Vor allem die Qualität der Abschlüsse in der Offensive verbesserte sich erheblich.

Offensive

Daxbacher reagierte nach Runde neun auf die hohe Anzahl an Niederlagen und vollzog einen logischen Schritt: Innsbruck fokussierte sich mehr auf das Defensivverhalten. Wacker verteidigte deutlich tiefer und ließ den Gegner vermehrt kommen. Nach der Umstellung hatte Wacker mit 42% den geringsten Ballbesitzwert der Bundesliga.

Das ging auch zu Lasten der Offensivleistung, Wacker gab von Runde 10 bis 18 nur mehr 98 Schüsse ab, in den ersten 9 Runden waren es noch 134. Das war überraschenderweise der zweithöchste Wert hinter Red Bull Salzburg. Damit ist es auch wenig verwunderlich, dass Wacker Innsbruck in den ersten neun Runden immerhin elf Tore erzielte, in den weiteren neun Runden aber nur mehr sechs.

Nimmt man die Offensivleistung über die gesamten 18 Runden genauer unter die Lupe, wird klar, dass die Innsbrucker wenig Zeit in geduldiges Aufbauspiel investierten. Im Schnitt spielte Wacker 2.5 Pässe pro Ballstafette - nur St. Pölten spielte weniger. In Sekunden ausgerechnet dauerte eine Ballstafette bei Wacker Innsbruck nur 6.3 Sekunden - der drittniedrigste Wert. Der Fokus lag auf schnellem Ballvortrag, im Schnitt bewegten die Innsbrucker den Ball um 1.87 Meter nach vorne - ligaweit Rang vier.

Die Innsbrucker spielten zudem 34% der Pässe im Angriffsdrittel. Das beweist, wie schnell die Mannschaft von Karl Daxbacher versuchte ins Angriffsdrittel zu kommen. Anteilig schoben sich die Tiroler die wenigsten Pässe im Mitteldrittel zu. Dieser Spielbereich wurde schnell überspielt, um vor das gegnerische Tor zu kommen. Die Innsbrucker hatten auch nur 48 Ballstafetten mit zehn oder mehr Pässen - nur der SKN St. Pölten (42) weniger.

Die Probleme der Innsbrucker in der Offensive lagen vor allem im letzten Drittel. Wacker schaffte es im Herbst zu selten, klare Tormöglichkeiten in Zählbares zu verwandeln. Dafür gibt es allgemeine Indizien wie:

  • die niedrigste Schussgenauigkeit der Bundesliga (35%)
  • die wenigsten Tore von Schüssen innerhalb des Strafraums (13)
  • 17 Großchancen, die nicht auf das gegnerische Tor gingen - Höchstwert

Qualitativ gesehen ist die Differenz zwischen den erzielten Toren und den Expected Goals bei Wacker Innsbruck überraschend hoch. Die Daxbacher-Elf hätte in den 18 Spielen dieser Saison laut Expected-Goals-Statistik fast 7 Tore mehr schießen müssen, als tatsächlich gelangen. Dieser Wert war sonst nur bei Rapid noch höher.

Defensive

Für Karl Daxbacher ging es nach neun Runden vor allem darum, die Defensive zu stabilisieren. Die 19 Gegentore in den ersten neun Spielen führten zu sieben Niederlagen. Auf Kosten der Offensive wurde in den folgenden Runden die Defensive stabilisiert, keine unübliche Maßnahme. Das gelang Daxbacher durch die Umstellung auf die Fünferkette nachhaltig, nur zwei Niederlagen von Runde zehn bis 18 sind der Beweis dafür. In diesem Zeitraum kassierten die Innsbrucker nur sieben Gegentore - nur Sturm Graz kassierte weniger (sechs). Die Punkteausbeute ging auch dadurch von 0.7 auf 1.2 deutlich nach oben.

Wacker verteidigte im Laufe der Saison zunehmend passiver. Der Ballbesitz wurde größtenteils geopfert um kompakt zu verteidigen. Wacker verzichtete nicht vollkommen auf ein eigenes Pressing, hoch verteidigten die Innsbrucker aber selten. Nur 53 Mal eroberten die Tiroler den Ball 40 Meter oder näher zum gegnerischen Tor - nur St. Pölten gelang das seltener (43-mal). Solche hohen Ballgewinne wurden von Wacker auch selten ausgenutzt, nur acht Schüsse gab die Daxbacher-Elf aim Anschluss ab - Tiefstwert.

Abschlüsse nach hohem Ballgewinn

FC Flyeralarm Admira

12

TSV Prolactal Hartberg

12

CASHPOINT SCR Altach

12

SKN St. Pölten

10

SV Mattersburg

9

FC Wacker Innsbruck

8

Ein weiteres Indiz für das passive Abwehrverhalten der Innsbrucker sind die Pässe die zugelassen werden, bevor das Team eine Defensivaktion durchführt (PPDA). Die Tiroler ließen knapp 17 gegnerische Pässe zu, bevor ein Tackling, Zweikampf, etc. geführt wurde. Im Herbst bedeutete das den höchsten Wert in der Bundesliga. Wacker ließ die Gegner gewähren und 135 Ballstafetten mit zehn oder mehr Pässen spielen. Dieser Wert wurde nur vom SKN St. Pölten überboten (162).

Innsbruck gab den anderen Teams im Schnitt 8.4 Sekunden pro Ballstafette Zeit - das wurde ebenfalls nur von St. Pölten überboten. All das sind Indizien, dass die Innsbrucker unter Karl Daxbacher gegen den Ball abwartend agierten.

Pässe pro Defensivaktion

FC Wacker Innsbruck

16,9

SKN St. Pölten

14,9

FC Flyeralarm Admira

14,4

TSV Prolactal Hartberg

14

CASHPOINT SCR Altach

12,7

Diese Spielweise trug in der zweiten Hälfte des Herbstes Früchte. Wacker ließ nach der Umstellung zwar mehr Schüsse zu als davor (124 zu 138), allerdings kamen viel weniger Versuche auf das Tor von Christopher Knett (53 zu 37). Die Taktik, kompakt zu stehen und den Gegner tief in der eigenen Hälfte zu erwarten, ging für Wacker also auf.

Schlüsselspieler

Martin Harrer

Der 26-Jährige spielte einen tollen Herbst für Wacker. Mit vier Toren und zwei Assists ist er mit Zlatko Dedic der beste Scorer bei Wacker Innsbruck. Harrer ist speziell in der Chancenvorbereitung sehr wichtig für Daxbacher und seine Mannschaft, mit 39 Schussvorlagen hält er den Spitzenwert bei Wacker. Mit 703 Ballaktionen ist Harrer auch der aktivste Offensivspieler bei Wacker Innsbruck, nur der zu Salzburg gewechselte Albert Vallci (1.102) und Matthias Maak (920) hatten mehr Ballaktionen.

Harrer ist offensiv viel eingebunden, er war an 468 Ballstafetten aus dem Spiel heraus involviert, nur Vallci und Maak an mehr. Für einen Offensivspieler ist zudem wichtig, wie viel aus den Angriffen herausspringt. Harrer war an 60 Ballstafetten beteiligt, die mit einem Schuss endeten. Das ist Höchstwert bei Wacker Innsbruck und ein weiterer Beweis, dass Harrer für das Offensivspiel der Innsbrucker enorm wichtig ist.

Cheikhou Dieng

Spät aber doch fixierte Wacker Innsbruck die Rückkehr von Cheikhou Dieng nach Österreich. Dieng war 2016 schon unter Karl Daxbacher beim SKN St. Pölten tätig, wechselte nach dem Aufstieg allerdings in die Türkei. Nach seiner Rückkehr rief der 25-Jährige wieder seine Stärken ab. Aufgrund der geringeren Spielzeit liegt er in der Scorer-Wertung hinter Harrer und Dedic, ist aber mit drei Saisontoren Wackers drittbester Torschütze.

Die größte Stärke von Dieng ist sein Dribbling. 167-mal führte er den Ball am Fuß (Carries), nur Albert Vallci machte das (168) bei Wacker häufiger. Viermal und damit am häufigsten schloss Dieng diese "Carries" mit einem Abschluss ab. 15 Mal ließ Dieng Schlüsselpässe folgen - der nächsthöhere Wert bei Wacker lag bei sechs (Durmus). Dieng konnte dem Offensivspiel der Innsbrucker durch seine Stärke am Ball viele Impulse geben und ist deshalb ein wichtiger Faktor für Wacker und Trainer Karl Daxbacher.

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung