Fussball

Der opta-Bundesliga-Check: FC Admira Wacker Mödling

Von SPOX Österreich/opta
Emanuel Aiwu: Einer der Lichtblicke in der Südstadt
© GEPA

Am 22. Februar erwacht die Bundesliga aus dem Winterschlaf. Noch vier Runden werden im Grunddurchgang absolviert, bis sich die Liga in Meistergruppe und Qualifikationsgruppe teilt. Vorab werfen opta und SPOX einen detaillierten Blick auf alle Teilnehmer. Wer sind die Schlüsselspieler? Was verraten die Daten? Worauf müssen die Trainer achten? Den Anfang macht Schlusslicht Admira Wacker.

Der Trainer: Reiner Geyer

Reiner Geyer übernahm die Admira erst Ende Oktober 2018 von Ernst Baumeister. Seither absolvierte die Admira sechs Bundesliga-Spiele, davon gewannen die Niederösterreicher allerdings keines. Die tiefgreifendste Veränderung unter Geyer war der erhöhte Fokus auf die Defensive. In fünf von sechs Spielen setzte Geyer auf eine Fünferketten-Formation, nur beim 2-2 in Mattersburg wählte der Deutsche ein 4-2-3-1. Wirklich halfen die Maßnahmen vorerst nicht, die Admira kassierte unter Geyer 2.8 Gegentore pro Spiel, unter Baumeister waren es "nur" 1.8. In allen Spielen unter Geyer musste die Admira mindestens zwei Gegentore pro Spiel beklagen. Die meisten davon setzte es bei der 1-5-Niederlage gegen den LASK in Runde 14.

Das schwächere Defensivverhalten liegt zum Teil aber auch an der Abschlussstärke der Gegner. Laut dem "Expected-Goals-Against-Modell" hätte die Admira unter Geyer nur zwölf Gegentore kassieren sollen, insgesamt waren es aber 17. Offensiv überzeugte die Mannschaft unter Geyer mehr als unter Baumeister, in fünf der sechs Spielen trafen die Südstädter (1.3 Tore pro Spiel). Eine weitere Verbesserung unter Geyer ist das Zweikampfverhalten, mit 54% hat die Admira seit der Übernahme von Geyer die beste Zweikampfquote der Bundesliga.

Offensive

Beim Abstiegskandidaten spielt auch die schwache Offensivleistung eine tragende Rolle. Wenn vorne kein Tor erzielt wird, ist jedes Gegentor freilich doppelt bitter. Und wenn keine offensive Wucht entfaltet werden kann, wird der Druck auf die eigene Defensive größer. In der Südstadt fehlt ein ausgewiesener Goalgetter, mit Patrick Schmidt und Verteidiger Stephan Zwierschitz erzielten nur zwei Spieler mindestens drei Tore. Das ist der Tiefstwert in der Bundesliga. Zum Vergleich: Sogar der Konkurrent um die Rote Laterne, Altach, hat vier Spieler mit drei oder mehr Toren. Auch darum stellt die Admira mit nur 17 erzielten Toren in 18 Spielen die schwächste Offensive der Liga. Die Südstädter gaben nur 150 Schüsse ab - Tiefstwert der Liga. Davon kamen wiederum nur 61 auf das Tor des Gegners - ebenfalls Tiefstwert.

Anzahl Spieler mit 3 oder mehr Toren

CASHPOINT SCR Altach

4

FC Flyeralarm Admira

2

FC Red Bull Salzburg

6

FC Wacker Innsbruck

3

FK Austria Wien

3

LASK

3

RZ Pellets WAC

4

SK Puntigamer Sturm Graz

4

SK Rapid Wien

3

SKN St. Pölten

4

SV Mattersburg

3

TSV Prolactal Hartberg

4


Ein Grund, warum die Admira so wenige Tore erzielte und so wenige Torschützen hat, ist nicht die Chancenverwertung, sondern die Genauigkeit im Angriffsdrittel. Im vordersten Drittel hat die Admira eine Passgenauigkeit von 53%, das ist der Tiefstwert in der Bundesliga. Dadurch ist es auch schwierig, Großchancen herauszuspielen. 22 Großchancen spielten die Südstädter in den 18 Spielen dieser Saison heraus - ebenfalls der schwächste Wert.

Die Probleme der Admira in der Offensive starten in der Spieleröffnung. Die Gegner der Südstädter setzten meist auf ein intensiveres Pressing, um die Admira so unter Druck zu setzen. 272 Ballstafetten der Admira wurden von den Gegnern angepresst, nur bei Wacker Innsbruck waren es mehr (277). Die Südstädter verloren in dieser Saison 84 Mal den Ball, wenn der Gegner ins hohe Pressing ging. Nur Hartberg verlor in diesen Spieleröffnungssituationen häufiger den Ball (98 Mal).

Admira hat in Ballbesitz Probleme, den Ball schnell nach vorne zu bringen. Pro Ballstafette kommen die Admiraner im Schnitt nur um 11.1 Meter nach vorne, nur der LASK scheint in diesem Bereich genauso verhalten. Die Elf von Reiner Geyer hat im Schnitt einen Feldfortschritt im eigenen Ballbesitz von 1.65 Metern pro Sekunde. Nur Rapid ist dabei hinter der Admira (1.64), hat aber eine völlig andere Spielanlage und erobert Bälle in anderen Positionen.

Man könnte meinen, dass die Admira in der derzeitigen Situation eher auf länge Pässe setzen sollte. Allerdings ist die Genauigkeit in dieser Kategorie mit 39.4% ebenfalls im Keller. Das könnte daran liegen, dass die Admira in der Spitze über keinen klaren Zielspieler verfügt. Angreifer wie Starkl oder Schmidt sind eher kleine, bewegliche Spitzen, die im Umschaltspiel Stärken besitzen.

Das Umschaltspiel könnte im Frühjahr eine Waffe für die Admira werden. Die Ballgewinne sind da, Immerhin fingen die Südstädter 313 Pässe ab - Höchstwert in der Liga. Allerdings ist es essenziell, Bälle in aussichtsreicheren Situationen zu erobern.

Defensive

Reiner Geyer konnte die Defensive seiner Mannschaft noch nicht stabilisieren. Ganz im Gegenteil. Insgesamt zeigte sich die Admira im Defensivverhalten wie eine klassische Mannschaft aus dem Tabellenkeller. 199 Ballstafetten des Gegners wurden angepresst, nur von Hartberg und St. Pölten weniger (je 187). Im Schnitt konnten die Gegner der Admira 14 Pässe spielen, bis die Südstäter eine Defensivaktion ausführten, auch das spricht für einen eher reaktiven Stil im Spiel gegen den Ball. Nur St. Pölten (15) und Wacker Innsbruck (17) ließen mehr Pässe des Gegners zu.

Gegnerische Pässe pro Defensivaktion

FC Wacker Innsbruck

16.9

SKN St. Pölten

14.9

FC Flyeralarm Admira

14.4

TSV Prolactal Hartberg

14.0

CASHPOINT SCR Altach

12.7

RZ Pellets WAC

12.0

SK Puntigamer Sturm Graz

11.6

SK Rapid Wien

11.3

LASK

10.6

SV Mattersburg

10.6

FK Austria Wien

9.7

FC Red Bull Salzburg

8.2


Ein weiteres Indiz für das passive Defensivspiel der Admira ist die Anzahl an so genannten "Build Up Attacks" des Gegners. Das sind Ballstafetten mit zehn oder mehr Pässen, die mit einem Schuss oder einer Ballaktion im Strafraum enden. Die Admira ließ 22 solcher Angriffe zu, also im Schnitt mehr als einen pro Spiel. Der negative Höchstwert liegt bei 24 gegnerischen Angriffen dieser Art (Altach).

Die Admira hat aber durchaus auch Stärken im Defensivspiel. Die bereits erwähnten 313 abgefangenen Pässe sind Höchstwert in der Bundesliga, auch die 451 geklärten Bälle aus der Gefahrenzone sind Spitze. Zudem blockte die Admira 70 Schüsse des Gegners - ebenfalls Höchstwert. All das spricht natürlich für viel Druck in der Verteidigung, aber eben auch viel Einsatzbereitschaft in der Defensive. Das Ziel der Admira könnte sein, den Gegner weiter weg vom eigenen Tor zu halten, um so höhere Ballgewinne zu generieren. Das bringt den Vorteil, dass der Weg zum gegnerischen Tor in den Umschaltsituationen kürzer ist, aber auch das eigene Tor weniger in Gefahr kommt.

Schlüsselspieler

Mjorten Hjulmand

Mit Morten Hjulmand kam im Sommer ein junger Spieler von der 2. Mannschaft des FC Kopenhagen zur Admira. Der 19-jährige zentrale Mittelfeldspieler zählt in der Südstadt in vielen Kategorien zu den besten Akteuren. Hjulmand ist als Spielertyp schwer zu beschreiben, weil er in vielen Bereichen gut ist, aber keine Topwerte aufweist. Der Mittelfeldmann kam in 17 von 18 Spielen zum Einsatz, mit 776 Ballaktionen hatte er die drittmeisten - hinter Thoelke und Zwierschitz.

Hjulmand brachte in seinen 17 Einsätzen 78% der Pässe zum Mitspieler, von allen Mittelfeldspielern bei der Admira passt nur Routinier Daniel Toth genauer. Von allen Feldspielern spielte nur Innenverteidiger Bjarne Thoelke mehr Pässe als Hjulmand, der damit eine wichtige Rolle im System der Admira spielt. Der Däne konnte in dieser Saison zwei Großchancen vorbereiten, nur Abgang Sahanek (vier) und Zwierschitz (drei) mehr.

Hjulmand ist allerdings auch in der Defensivarbeit äußerst zuverlässig, was ihn so wertvoll für die Admira macht. Er eroberte 119 Bälle, das ist der Höchstwert unter den Admira-Feldspielern. Vor allem als Pressing-Spieler kann der Däne überzeugen, er gewann zwölf Bälle im Angriffsdrittel - Höchstwert bei der Admira.

Bjarne Thoelke

Der 26-jährige Innenverteidiger kam im Sommer von der 2. Mannschaft des Hamburger SV in die Südstadt und schaffte es auf Anhieb in die Stammelf der Admira (15 Einsätze). Thoelke erreichte sowohl in Ballbesitz, als auch in der Defensive ordentliche Werte. So hatte der Abwehrspieler 973 Ballaktionen und damit die meisten bei der Admira. Seine Passgenauigkeit ist mit 75% für einen Innenverteidiger ausbaufähig.

Thoelke gewann insgesamt 111 Zweikämpfe in dieser Saison, ebenfalls Höchstwert bei der Admira. Mit gewonnenen 66% der Zweikämpfe ist er zudem der zweikampfstärkste Defensivspieler der Südstädter. Aber auch in der Defensivarbeit ist Thoelke ein Spitzenmann und muss dabei den Ligavergleich nicht scheuen. 97 Bälle konnte der Deutsche klären, das ist Liga-Bestwert. Zudem fing Thoelke 56 Pässe des Gegners ab, ebenfalls Höchstwert bei der Admira.

 

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung