Fussball

Renny Smith: "Dordrecht ist für mich ein Zwischenschritt"

Renny Smith denkt bereits an den nächsten Karriereschritt
© imago

Im Fußball hat Renny Smith für seine schmalen 22 Jahre schon viel erlebt, das Ziel ist aber immer gleichgeblieben. In einer Top-Liga spielen. Vielleicht sogar Champions League. Und irgendwann für die österreichische Nationalmannschaft auflaufen. "Darauf freue ich mich besonders", sagt Smith ohne Blick in die Kristallkugel. Dabei ist es schon viereinhalb Jahre her, als der Engländer mit österreichischem Großvater für die österreichische U19-Nationalmannschaft auflief.

Seither wurde es still um Smith, der sich einst via E-Mail dem ÖFB anbot und nur etwas später gegen Dänemark debütierte. Hermann Stadler, auch heute noch U19-Teamchef, attestierte Smith "gute Technik, positiven Charakter und große Arbeitsmoral". Kein Überraschung. Smith genoss seine Ausbildung beim FC Chelsea und Arsenal, trainierte unter Arsene Wenger und mit Mesut Özil.

Doch die Karriere des zentralen Mittelfeldspielers geriet ins Stocken. In Vicenza erlitt Smith das Schicksal vieler Talente: Gigantische Kader, wenig Aufmerksamkeit des Trainers - ein Leihgeschäft nach Mantova (Serie C) folgte. Über den FC Südtirol nahm Smith die Abzweigung Richtung FC Dordrecht in die zweite niederländische Liga, wo er seit Sommer Stammspieler ist. "Das Fußballgeschäft ist beinhart, speziell in Italien. Fußball ist eine Leistungsgesellschaft ohne große Sympathien. Ich war auf mich alleine gestellt. Sofern du nicht Italiener bist, haben sie für junge Spieler nicht besonders viel übrig", blickt Smith im Gespräch mit SPOX auf seine Zeit in der Toskana zurück. "Aber das hat mir auch geholfen und mich abgehärtet."

Renny Smith: Unkonkrete Gespräche mit Wacker Innsbruck

Missen möchte er seine Stationen in Vicenza, Mantova und Südtirol aber nicht. "Ich habe nicht alles erreicht, was ich mir vorgenommen habe, aber Italien war sportlich und kulturell eine fantastische Erfahrung für mich", sagt Smith, dem Anfangs die Sprachbarriere zu schaffen machte ("nur wenige Italiener sprachen Englisch"), sich dann aber akklimatisierte. "Ich habe viel gelernt. Eine neue Sprache. Und einen Fußball, der für einen Engländer zwar langsam, aber sehr taktisch ist."

Südtirol-Trainer Paolo Zanetti wollte Smith nach einer starken Drittliga-Saison halten und auch unlängst zurückholen, der Londoner musste aber abwiegeln. "Nach meiner Saison bei Südtirol gab es ein paar Angebote aus Italien, aber ich sah in Holland den besten Entwicklungsschritt", sagt Smith. "Es gab nach einem Testspiel auch einmal Gespräche mit Wacker Innsbruck, aber das wurde nie konkret."

Renny Smith plant den nächsten Schritt

Im malerischen, aber kleinen Dordrecht steht Smith nun bis Sommer 2021 unter Vertrag. Solange wird er aber nicht bleiben - Smith plant in der niederländischen Provinz Zuid-Holland (Südholland) keinen Langzeitaufenthalt. "Dordrecht ist für mich ein Zwischenschritt. Diese Saison, vielleicht noch eine weitere, dann will ich den nächsten Schritt wagen. Eredivisie-Klubs scouten regelmäßig unsere Spiele, es gab auch schon lose Gerüchte", sagt Smith, der auch gerne in der österreichischen Bundesliga spielen würde. Vorher gilt es aber eine Rechnung zu begleichen - Dordrecht schwebt in Abstiegsgefahr, unter dem neuen Trainer Cláudio Braga soll es in der Rückrunde wieder bergauf gehen.

"Braga wirkt unheimlich intelligent, hat selbst nie Fußball gespielt aber viel Erfahrungen bei Jugendteams von PSV Eindhoven und in Portugal gesammelt", sagt Smith. Unter Braga liegt der Fokus nun auf Ballbesitz, situativem Pressing - deutlich moderner als Dordrecht den Fußball zuvor praktizierte. "Braga hat alles umgestellt. Wir trainieren jetzt zweimal pro Tag, haben nur mehr einen Tag frei. Und ich glaube, das war dringend notwendig", sagt Smith, der in Dordrecht nicht der einzige Brite ist. "Brandon Ormonde-Ottewill und ich haben zusammen bei Arsenal gespielt, wir sind gute Freunde. Mit Adam Phillips ist ein weiterer Engländer auf Probe bei uns. Und Co-Trainer Scott Calderwood ist Schotte. Unser Sportdirektor dürfte auf Briten stehen. Zumindest hat er Kontakte nach Norwich", sagt Smith und lacht.

Smith: "Rate englischen Talenten ins Ausland zu gehen"

Mehr und mehr junge Engländer riskierten in den letzten Monaten und Jahren ob mangelnder Perspektive den Sprung ins Ausland. Smith ist einer von ihnen, Dortmunds Jadon Sancho das Paradebeispiel und Callum Hudson-Odoi vom FC Chelsea wird folgen. "Ich würde englischen Talenten auf jeden Fall raten, ins Ausland zu gehen, wenn sie in England keine Spielpraxis bekommen. Für mich ist die Championship auch kein geeigneter Ort für einen jungen Kreativspieler. Die meisten Teams agieren mit hohen Bällen auf erfahrene, große Mittelstürmer. Hätte sich Jadon Sancho in der Championship so gut entwickelt? Ich glaube nicht", sagt Smith.

"Beispiele wie Hudson-Odoi und Sancho drängen englische Klubs jetzt dazu, jungen Spielern eine Chance zu geben. Das ist doch positiv. Die jetzige Generation englischer Fußballer ist ziemlich aufregend. Gerade die Jungs aus London. Wir haben damals auf den Straßen ständig fünf gegen fünf gespielt, das macht sich jetzt bezahlt", erklärt Smith.

Selbst träumt der Bursche aus dem Londoner Vorort Epsom zwar noch immer von einer Rückkehr in die Premier League, verkrampft sich dabei aber nicht: "Ich kann mir viele Ligen und Länder vorstellen, auch Österreich." So oder so ähnlich denkt auch Ashley Barnes, mit dem Smith bei Burnley kickte. Über die Information, Barnes könnte im Jahr 2019 für Österreich debütieren, muss Smith schmunzeln: "Es ist sehr unangenehm gegen ihn zu spielen, er trifft auch recht regelmäßig. Er wäre eine richtig gute Option für Österreich."

Renny Smiths Karriere-Stationen

SaisonVerein
18/19FC Dordrecht
17/18FC Südtirol
16/17FC Mantova
16/17Vicenza
15/16GAIS Göteborg
15/16Burnley
14/15FC Arsenal
12/13FC Chelsea
Werbung
Werbung
Werbung
Werbung