Fussball

Kubilay Yilmaz im Interview: Rapid-Abschied? "Wichtigste Entscheidung meiner Karriere"

Kubilay Yilmaz spielt bei Spartak Trnava groß auf.
© imago

Kubilay Yilmaz hat sich eineinhalb Autostunden entfernt von seiner Heimatstadt Wien ins Rampenlicht gespielt. Bei Spartak Trnava gelang ihm in der Herbstsaison der Durchbruch, doch in Österreich kennen vorerst nur Fußballexperten seinen Namen. SPOX hat mit dem 22 Jahre alten Mittelstürmer gesprochen.

Im Interview erinnert sich Yilmaz an seine Zeit in der Rapid-Akademie, und warum er sich bis heute über einen Jugendtrainer der Hütteldorfer ärgert. Zudem skizziert er den holprigen Weg in die slowakische Liga, der wiederum nur aufgrund eines finanzschwachen tschechischen Klubs möglich wurde.

Dass er in den ÖFB-Jugend-Nationalteams bislang nicht zum Zug kam, überrascht ihn. Jetzt könnte Österreich der türkische Verband zuvorkommen.

SPOX: Herr Yilmaz, wie lebt es sich in Trnava?

Kubilay Yilmaz: Ich habe hier eine kleine Wohnung, ein Mal pro Woche pendle ich aber nach Wien. Die Stadt ist sehr lebenswert und hat viel Potenzial, was den Fußball betrifft. Der Verein hat Geschichte und gilt in der gesamten Slowakei als Traditionsverein. Wenn sich die Fans dazu entschließen, zusammenzuhalten und gemeinsam bei den Spielen unsere Mannschaft anzufeuern, ist viel möglich.

SPOX: Worin sind sich die Fans denn nicht einig?

Yilmaz: Einige haben Probleme mit der Vereinsführung. Sie streikten gegen unseren Besitzer, aus meiner Sicht gibt es dafür aber keinen Grund: Wir haben ein neues, attraktives und modernes Stadion. In der letzten Saison gelang uns ein historischer Meistertitel in der Liga. Es muss etwas vor meiner Zeit vorgefallen sein. Wegen der Fans hat sich unser Klubboss, Vladimir Poor, dazu entschieden, den Verein verkaufen zu wollen.

SPOX: Der Eigentümer ist also das Feindbild der Fans?

Yilmaz: Bei der Meisterfeier wurde er ausgepfiffen. Zu diesem Zeitpunkt hat er angekündigt, er würde nie wieder ins Stadion kommen.

SPOX: Er geht also auf Tauchstation?

Yilmaz: Derzeit nimmt ein Manager und guter Vertrauter von Poor dessen Verpflichtungen wahr. Finanziell ist alles bis zum kommenden Sommer geklärt, darauf hat er sein Wort gegeben. Bis zu diesem Zeitpunkt will er einen Käufer für den Verein gefunden haben. Und gegen uns Spieler hat er nichts, er mag uns eigentlich sehr. Bis zum Verkauf wird er sich aber nicht mehr öffentlich im Umfeld von Spartak zeigen.

SPOX: Wie sehr belastet diese Situation die Stimmung in der Kabine?

Yilmaz: Wir hatten einen Riesenkader, ein paar Spieler haben ihren Vertrag mit einer Abfindung auch schon aufgelöst. Ich mache mir keine Sorgen, dass ich mein Gehalt nicht mehr bekomme, eine gewisse Unsicherheit ist aber natürlich gegeben.

Kubilay Yilmaz: Verhandlungen mit österreichischen Vereinen

SPOX: Auch aus sportlicher Sicht besteht eine gewisse Unsicherheit: Mit Michal Scasny steht seit Jahresbeginn ein neuer Trainer an der Seitenlinie.

Yilmaz: Er macht mir nicht allzu großen Druck. Ich denke, er sieht mich als Einser-Stürmer, das bedeutet für mich aber automatisch Druck, ihm dieses Vertrauen mit Toren zurückzuzahlen - sollte ich bis zum Sommer bleiben.

SPOX: Steht denn ein Transfer im Raum?

Yilmaz: Die Zeichen stehen auf einen Verbleib, ich habe ja auch noch einen Vertrag bis zum Winter 2019. Meine Situation ist aber nicht ganz klar, das sage ich offen und ehrlich. Uns werden vom Verein keine Steine in den Weg gelegt, falls wir Verhandlungen mit anderen Klubs führen wollen. Ich tue das aktuell mit zwei interessierten Klubs aus Österreich.

SPOX: Um welche Vereine handelt es sich?

Yilmaz: Das möchte ich vorerst für mich behalten. Wie gesagt, es sieht danach aus, dass ich bis Sommer in Trnava bleibe. Mit dem slowakischen Pokal haben wir auch noch eine realistische Titelchance, dort stehen wir im Viertelfinale.

SPOX: Gibt es einen gewissen Wunsch-Verein, zu dem Sie gerne wechseln würden?

Yilmaz: Ich möchte nichts ausschließen und bin offen für alle Länder und Ligen. Klar ist aber, dass ich bislang mehr Erfolg im Ausland als in Österreich hatte.

SPOX: Dabei hilft Ihnen auch Ihr Sprachentalent. Sie können sich in fünf Sprachen artikulieren.

Yilmaz: Wenn man Tschechisch und Slowakisch - zwei sehr ähnliche Sprachen - einzeln zählt, dann sind es mit Deutsch, Englisch und Türkisch fünf. Wie im Fußball ist mir auch sprachlich in den letzten Monaten der Knopf aufgegangen, mittlerweile ist mein Slowakisch auf einem richtig guten Niveau, obwohl ich keine Sprachkurse absolvierte.

SPOX: Wie sind Sie zum Fußball gekommen?

Yilmaz: Ich komme aus einer fußballverrückten Familie. Alle männlichen Verwandten spielten und spielen Fußball: Von meinem Vater über meinen Onkel bis hin zu meinen Cousins, die heute noch kicken.

SPOX: Haben Sie Geschwister?

Yilmaz: Ich habe zwei Brüder, die sind natürlich auch Fußballer. Einer spielt in der Wiener Liga, mit dem anderen war ich damals gemeinsam in der Rapid-Akademie, er macht aber derzeit eine "kreative Pause". Er will einen anderen Weg gehen, aber ich schaue, dass ich ihn wieder auf Linie bekomme (lacht).

Yilmaz: "Rapid-Akademie international eine der besten Adressen"

SPOX: Gab es auch andere Sportarten, die Sie häufig betrieben haben, oder war Fußball immer die klare Nummer eins?

Yilmaz: In meiner Schulzeit spielte ich Basketball - auf Schülerliganiveau. Schwimmen gehe ich bis heute gerne, aber was ich immer wirklich gern gemacht habe, war es, Fußball zu spielen.

SPOX: Ihre Karriere begann bei Slovan HAC, ehe Sie in die Akademie von Rapid wechselten. Wie sieht das Leben in der Akademie aus?

Yilmaz: Zunächst änderte sich mein Schulweg: Ich wechselte von einer HTL in die Partnerschule, die mit Rapid eine Kooperation hat. Die Trainings sind natürlich viel professioneller, als das im Unterhaus der Fall ist. International gesehen ist die Rapid-Akademie mit Sicherheit eine der besten Adressen. Das Niveau ist sehr hoch.

SPOX: Mussten Sie vorspielen, um in die Akademie aufgenommen zu werden?

Yilmaz: Ich bestritt mit Slovan ein Freundschaftsspiel gegen die U18 von Rapid. In diesem Match habe ich aufgezeigt und konnte auch ein Tor erzielen. Eine Woche später kam der Anruf und die Einladung, der Akademie beizutreten. Dort hatte ich leider ein paar Probleme, mich zu adaptieren.

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