Fussball

FK Austria Wien zieht Bilanz: "Wir brauchen internationales Geschäft"

Von APA
Austria Wien bilanzierte deutlich positiv.
© GEPA

Die Wiener Austria hat im vergangenen Geschäftsjahr ihren zweithöchsten Umsatz der Nach-Stronach-Ära erzielt. Die Erlöse beliefen sich 2017/18 auf 36,059 Millionen Euro. Der Gewinn betrug - gestützt vor allem von Transfererlösen - 661.000 Euro. Das geht aus dem erstmals in dieser umfassenden Form aufbereiteten Geschäftsbericht hervor, den der Bundesligist am Donnerstag präsentiert hat.

Höhere Einnahmen hatte die Austria in den vergangenen zehn Jahren nach der Lösung des Betriebsführungsvertrages mit dem Magna-Konzern von Frank Stronach nur in der Saison 2013/14 mit dem Einzug in die Gruppenphase der Champions League verzeichnet, nämlich 37,383 Millionen.

"Wir haben eine Wachstumsstrategie", betonte Austrias AG-Vorstand Markus Kraetschmer. "Das klare Ziel ist, mit Transfers, Europacup-Teilnahmen und dem neuen Stadion diese 36 Millionen in den nächsten Jahren zu steigern."

Austria: Larry Kayode, Jens Stryger Larsen brachten Erlöse

Mit dem Jahresgewinn wuchs das Eigenkapital des Clubs auf 2,022 Mio. Euro. Ohne Transfererlöse wäre das nicht möglich gewesen. Die Austria gab die Einnahmen für Abgänge wie Larry Kayode (Manchester City), Petar Filipovic (Konyaspor) und Jens Stryger Larsen (Udinese) für 2017/18 mit 6,877 Mio. Euro an. Dem stehen Ausgaben für Transfers und Leihen von 1,501 Mio. gegenüber. "Wir sind ein Club, der sich über Transfererlöse refinanzieren muss", sagte Kraetschmer. Daraus habe man auch nie einen Hehl gemacht.

Mit der generalüberholten Generali-Arena erwartet sich die Austria allerdings einen weiteren Schub. Im Geschäftsbericht ist von einem zusätzlichen Deckungsbeitrag von hochgerechnet 2,833 Mio. Euro jährlich die Rede. Dieser soll für die laufende Tilgung des auf 25 Jahre aufgenommenen Kredits für den Stadionumbau verwendet werden.

2017/18 spielte die Austria allerdings in der Gruppenphase der Europa League. Durch das Verpassen des internationalen Geschäfts fehle dem Club in der laufenden Saison der daraus resultierende zusätzliche Deckungsbeitrag von 1,5 bis 2 Mio. Euro, rechnete Kraetschmer vor. "Wir wollen nachhaltig wirtschaften. Ein Club wie Austria Wien braucht das internationale Geschäft", meinte der AG-Vorstand.

Markus Kraetschmer sieht Austria in Top-3

Beim Budget sei die Austria national ein "Top-3-Club", bestätigte Kraetschmer. Einzig Serienmeister Salzburg und der Lokalrivale Rapid, der im November einen Jahresumsatz von 41,7 Mio. Euro präsentiert hat, liegen vor den Violetten. Die Bundesliga-Tabelle spricht eine andere Sprache. Dort liegt die Austria nach 16 Runden auf Rang fünf - aber immerhin noch vor ebenfalls ambitionierten Rivalen wie Sturm Graz (6.) oder Rapid (8.).

Der sportliche Erfolg habe laut Kraetschmer große Auswirkungen auf den wirtschaftlichen. "Wir müssen sportlich wieder auf das Level kommen, wo wir uns selbst sehen", forderte Austrias Wirtschaftschef. Potenzial für Wachstum sehe er neben der Stadionauslastung auch noch im Sponsoring sowie in der Internationalisierung.

Dazu ist weiterhin nicht ausgeschlossen, dass die Austria zur Finanzierung einen Minderheitsanteil von maximal 24,9 Prozent an der AG - einem Teil des Gesamtkonzernes - abgibt. "Ja, wir sind grundsätzlich dazu bereit, aber wir suchen nicht aktiv", sagte Kraetschmer über mögliche Investoren. "Derzeit ist kein konkretes Angebot am Tisch."

Gazprom bleibe weiterhin Unterstützer des Nachwuchses, betonte Kraetschmer. Mit der Export-Tochter des russischen Energieriesen war im Sommer ein diesbezüglicher Fünfjahresvertrag abgeschlossen worden. Ins Reich der Fantasie verwies Kraetschmer einen Bericht der "Sportzeitung" von dieser Woche, wonach Gazprom ab Sommer auch das Profiteam unterstützen soll - angeblich mit rund 25 Millionen Euro. "Das ist unter das klassische Thema Ente einzuordnen", erklärte Kraetschmer. Klarer Schwerpunkt der Kooperation sei der Nachwuchs. "Daran hat sich nichts geändert."

Austria zu TV-Gelder: Verhandeln um "Weihnachtsfrieden"

Ändern könnte sich dafür etwas bei der Verteilung der TV-Gelder in der Bundesliga - zumindest wenn es nach einigen kleineren Clubs geht, die sich benachteiligt fühlen. Schlusslicht FC Admira brachte für eine außerordentliche Klubkonferenz vor der Jahreshauptversammlung am (heutigen) Freitag einen Antrag ein, dass ab 2019/20 neben einem Sockelbetrag nur noch der sportliche Erfolg bei der Verteilung berücksichtigt werde. Bisher werden die Gelder zudem noch nach einem Schlüssel für Stadionzuschauer und eingesetzte Österreicher (Österreicher-Topf) vergeben.

Kraetschmer äußerte ein gewisses Verständnis für das Ansinnen. Die Ist-Zahlen würden gegenüber den simulierten Zahlen bei der Beschlussfassung "doch eine deutliche Abweichung" ergeben. Für eine Änderung des erst für diese Saison beschlossenen Verteilungsschlüssels bedarf es einer Zwei-Drittel-Mehrheit. Kraetschmer ging "ergebnisoffen" in die Gespräche und hoffte auf den bestmöglichen Kompromiss. "Damit es, wenn möglich, doch einen Weihnachtsfrieden gibt, und wir nicht im Streit auseinandergehen."

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