Fussball

Martin Pusic vom SV Mattersburg im Interview: "Sie verbauten mir einen Top-Transfer"

Von Lukas Zahrer
Pusic fühlt sich von Midtjylland nicht gerecht behandelt.
© GEPA

Martin Pusic hat erstmals in seiner Karriere bei einem Verein in Österreichs Bundesliga unterschrieben. Beim SV Mattersburg gelang ihm ein Einstand nach Maß: In den ersten zwei Einsätzen gelangen ihm gleich zwei Treffer. Im Interview mit SPOX ärgert sich der langjährige Skandinavien-Legionär darüber, dass sein Traumziel FC Bayern in weite ferne gerückt ist, nachdem er vor drei Jahren ein begehrter Goalgetter war.

Außerdem spricht der 30-Jährige über sein viertägiges Engagement bei AC Horsens, warum er mit 40-Meter-Einwürfen wenig anfangen kann und was der strenggläubige Stürmer von den Fußballgöttern dieser Welt hält.

SPOX: Herr Pusic, in den vergangenen sieben Jahren spielten sie für zehn verschiedene Vereine. Wo hat es Ihnen am besten gefallen?

Martin Pusic: In Rotterdam war es vom Leben her am schönsten - das ist eine Top-Stadt. Mit Sparta spielten wir gegen den Abstieg, mit meinen Toren habe ich den Verein davor bewahrt. Dann bin ich wieder zurück zu Midtylland (nach einer halbjährigen Leihe, Anm.), da sich die Vereine nicht auf eine Ablösesumme einigen konnten.

SPOX: Und sportlich gesehen?

Pusic: Da war ganz klar in Dänemark meine erfolgreichste Zeit (Meister und Torschützenkönig bei Midtjylland, Anm.). Aber ich muss auch sagen, ich habe in jeder Liga meine Tore gemacht.

SPOX: Wie gefällt es Ihnen bislang in Mattersburg?

Pusic: Ganz super! Die Jungs sind sehr nett zu mir. Derzeit wohne ich auch noch im Burgenland, um mich einleben und auf den Fußball fokussieren zu können.

Mattersburg-Stürmer Martin Pusic: Langfristiges Engagement denkbar

SPOX: Was hat Sie letztlich dazu gebracht, nach sieben Jahren nach Österreich zurückzukehren?

Pusic: Es war an der Zeit, um wieder in der Nähe von meiner Familie und Freunden zu sein. Natürlich habe ich einen großen Bezug zu Kroatien, denn von dort stammen meine beiden Elternteile. Zuhause wird oft kroatisch gesprochen. Aber Österreich ist meine Heimat, ich wurde in Wien geboren. Die österreichische Bundesliga war zudem ein großer Anreiz: Ich war lange im Ausland, habe dort viel erlebt. Hier habe ich aber noch nie gespielt.

SPOX: Bei Mattersburg haben Sie einen Vertrag für ein Jahr unterschrieben - mit Option auf ein weiteres. Es ist lange her, dass Sie zuletzt zwei volle Saisons bei ein und demselben Verein bestritten haben - bei der Admira von 2008 bis 2010. Warum halten Sie es nie lange bei einem Verein aus?

Pusic: Wenn du viele Tore schießt, dann bist du heiß begehrt und bekommst einige Anfragen. Mein Ziel war es, in den besten Ligen zu spielen, deshalb wollte ich immer etwas Neues sehen. Im Fußball ist es leicht, neue Länder und deren Kulturen kennenzulernen. Das war für mich schon immer reizvoll.

SPOX: Sie wollen sich also bei Mattersburg für weitere Stationen empfehlen?

Pusic: Jetzt liegt mein voller Fokus auf Mattersburg. Ich werde versuchen, mit der Mannschaft einige Punkte zu sammeln. Ich denke nicht viel über meine Zukunft nach, denn jetzt will ich die Zeit hier genießen. Wenn es gut läuft, will ich auch nicht ausschließen, dass ich länger bleibe, als das mein derzeitiger Vertag vermuten lässt.

Martin Pusic: Vereine im Ausland

JahrVereinSpieleToreAssists
2011-2012Hull City301
2012Valerenga Oslo1732
2012-2013Fredrikstad1053
2013-2014SK Brann Bergen29133
2014-2015Esbjerg fB36186
2015-2017FC Midtjylland72253
2017Sparta Rotterdam1561
2017-2018FC Kopenhagen1001
2018Aarhus GF1560
2018AC Horsens100

Martin Pusic: "Sie haben mich zu einem China-Transfer gedrängt"

SPOX: Vor drei Jahren wurden sie mit Midtjylland Meister und Torschützenkönig in Dänemark. Sie träumten von der deutschen Bundesliga und davon, mit David Alaba beim FC Bayern zu spielen. Was ist dann passiert?

Pusic: Da waren viele Faktoren ausschlaggebend. Ein Spieler kann im Fußball leider nicht alles beeinflussen. Meine Leistung auf dem Platz obliegt mir, dann gibt es aber Funktionäre, die ihre Arbeit machen sollten. Das haben sie aber damals nicht gemacht in Dänemark.

SPOX: Was meinen Sie damit?

Pusic: Sie haben mir Transfers verbaut, und damit konnte ich in keine spielerisch wertvollere Liga wechseln. Es gab ein Angebot aus China, ein finanziell attraktives für mich - aber aus meiner Sicht ein noch viel attraktiveres für den Verein. Eine hohe Ablösesumme war im Spiel, ich war 27 Jahre alt, war also im besten Fußballalter. Bitte nicht falsch verstehen: Ich fühle mich auch heute topfit und gesund. Mein nächster Schritt war aber eigentlich der in eine Top-5-Liga.

SPOX: Diesen Schritt hat Ihnen Midtjylland verwehrt?

Pusic: Sie wollten unbedingt den Transfer nach China durchziehen. Sie haben mich dazu gedrängt, das wollte ich aber nicht. Daraufhin setzten sie mich auf die Bank. Dann ist es als Spieler sehr schwer, Zugriff auf solche Dinge zu bekommen. Man hat einen Vertrag, dem man verpflichtet ist.

SPOX: Kein Einzelfall, auch Ousmane Dembele oder Pierre-Emerick Aubameyang hatten andere Pläne als ihr Verein.

Pusic: Genau, diese Spieler sind nur in viel besseren Ligen tätig, und konnten sich daher aus Ihrer Situation befreien. Dänemark ist keine Fußballnation. Klar, die erste Liga ist nicht schlecht, und als Torschützenkönig erhofft man sich einfach einen größeren Schritt. Dieser Weg wurde mir verbaut, da kann man nicht mehr viel machen. Das ist eine Lebenserfahrung, mit der muss ich leben.

Martin Pusic über AC Horsens: "Sie setzen auf 40-Meter-Einwürfe"

SPOX: Abenteuerlich war auch ihre letzte Station, als Sie sich im vergangenen Juli AC Horsens angeschlossen und ein Spiel bestritten hatten, nur um vier Tage später um eine Vertragsauflösung zu bitten. Können Sie uns erklären, was dort passiert ist?

Pusic: Horsens war mein fünfter Verein in Dänemark. Ich wollte eigentlich nicht mehr in dem Land bleiben, deren Trainer rief mich aber bestimmt 20 Mal an. Er wollte mich unbedingt verpflichten, wir führten gute Gespräche. Ich ließ mich zur Vertragsunterzeichnung überreden, sah aber schnell, dass mir die Spielweise nicht zusagt.

SPOX: Was hat Ihnen nicht gefallen?

Pusic: Sie setzen auf 40-Meter-Einwürfe und fokussieren sich fast ausschließlich auf Standardsituationen. Mir ist die Wichtigkeit von Standards im heutigen Fußball bewusst und habe natürlich auch kein Problem damit, diese zu trainieren. Wenn das Spiel aber einzig auf diese Komponente fokussiert ist, macht mir der Fußball keinen Spaß. Ich wollte wieder zu einem Verein, wo man Fußball spielt und das Spielerische im Vordergrund steht.

SPOX: Wie ging es nach Ihrer Vertragsauflösung weiter?

Pusic: Ich habe abgewartet, es gab mehrere Angebote aus der ganzen Welt, unter anderem war die Türkei ein Thema. Aber ich war acht Jahre im Ausland, und wollte es jetzt ein bisschen ruhiger haben. Österreich ist ein äußerst lebenswertes Land und ich bin zurück im Umfeld meiner Familie.

Seite 1: Martin Pusic über seine vier Tage bei Horsens und Ärgernisse bei Midtjylland

Seite 2: Martin Pusic über den Glauben von David Alaba, Vorbild Ronaldinho und Fußballgötter

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