Daran kann die Wahl pro Foda noch scheitern

Von Jakob Faber
Donnerstag, 26.10.2017 | 18:17 Uhr
Sturm-Coach Franco Foda zieht vor richtungsweisendem Spiel gegen Altach Zwischenresümee
© GEPA
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Franco Foda gilt momentan als haushoher Favorit für den Job als österreichischer Nationaltrainer. Diese Situation hat der Coach von Sturm Graz 2011 schon einmal erlebt.

Auch damals erklärten österreichische Medien den Deutschen zum Top-Kandidaten. Bei der entscheidenden Präsidiums-Sitzung des ÖFB brachten Leo Windtner und Willi Ruttensteiner aber jenen Mann durch, der das damalige Anforderungsprofil am besten erfüllte: Marcel Koller.

Ruttensteiner hat nun aber nichts mehr mitzureden. Die Landespräsidenten und Bundesliga-Vertreter wählten den Oberösterreicher aus dem Amt. Dieselbe Fraktion scheint sich nun auch für Foda stark zu machen. Denn laut Kronen Zeitung stehen neben dem Sturm-Coach zwar noch andere Kandidaten (Andreas Herzog, Thorsten Fink, Markus Weinzierl) zur Diskussion, doch Foda soll bei den Landespräsidenten die besten Karten haben.

Foda ist gut vernetzt

Zudem wäre es keine Überraschung, würde sich auch Bundesliga-Boss Hans Rinner für den 51-Jährigen einsetzen. Der ehemalige Sturm-Präsident ist ein langjähriger Wegbegleiter Fodas. In der Kleinen Zeitung kündigt das ÖFB-Präsidiums-Mitglied an: "Sollte Franco Foda die Nummer eins in der Trainerfrage sein, gehe ich davon aus, dass sich Sturm und der ÖFB bei den Ablösemodalitäten einigen werden."

Diese ÖFB-Präsidiums-Mitglieder entscheiden über den Teamchef:

Leo WindtnerÖFB-Präsident
Robert SedlacekWien
Wolfgang BartoschSteiermark
Johann GartnerNiederösterreich
Gerhard GötschhoferOberösterreich
Gerhard MilletichBurgenland
Horst LumpeerVorarlberg
Klaus MitterhoferKärnten
Herbert HübelSalzburg
Josef GeislerTirol
Hans RinnerBundesliga
Markus KraetschmerBundesliga
Erwin FuchsBundesliga


Ganz so weit sind die Verhandlungen aber doch noch nicht fortgeschritten. Zumindest, wenn man Austria-Vorstand Markus Kraetschmer Glauben schenken darf. Gegenüber dem ORF meint der Bundesliga-Vizepräsident, dass noch nicht einmal der Kreis an möglichen Anwärtern eingeengt wurde: "Es gibt noch keine Short List. Peter Schöttel hat den klaren Auftrag mitbekommen, Kandidaten festzulegen. Die nächsten Tage werden noch sehr arbeitsintensiv."

Ein hervorragender Konter-Trainer

Dabei muss der ÖFB-Sportdirektor auch herausarbeiten, wer überhaupt sportlich am besten zum Nationalteam passt. Marcel Koller hat der Mannschaft ein Konzept mit klaren Prinzipien verpasst. Der neue Coach sollte imstande sein, dieses weiterzuentwickeln.

Foda gilt als klarer Umschaltfußball-Trainer, der einer Mannschaft eine stabile Defensive verpasst, um im Angriff schnelle Konter zu fahren. Mit diesem Fußball ist er in der österreichischen Bundesliga momentan höchst erfolgreich, in dieser Saison wusste er zudem mit seiner Flexibilität zu überraschen. Vom früher in Stein gemeißelten 4-4-2-System rückte er ab, um mit einer Dreierketten-Formation für Furore zu sorgen.

Zwischenmenschlicher Umgang

Fraglich bleibt jedoch, ob Foda das Nationalteam auch spielerisch weiterentwickeln könnte. Gerade mit tief stehenden Gegnern hatten die ÖFB-Kicker in den letzten Monaten große Probleme, das Ballbesitz-Spiel könnte eine Frischekur vertragen. Für selbstbewussten Offensiv-Fußball, der den Gegner in dessen Hälfte einschnürt, ist Foda aber bisher nicht bekannt.

Auch im Umgang mit schwierigen Charakteren stellen langjährige Beobachter dem Sturm-Coach kein perfektes Zeugnis aus. Gerade ein Nationaltrainer muss jedoch mit menschlichem Feingefühl dafür sorgen, dass sich auch Exzentriker in die Gruppe, die nur alle paar Monate zusammentrifft, integrieren. Das stellte zuletzt im DAZN-Interview auch Marko Arnautovic fest: "Vor Marcel Koller war Chaos. Ich habe das selbst miterlebt. Es war nicht die Schuld der Trainer. Egal ob Brückner oder Constantini da war, es hat einfach nicht zusammengepasst - auch wegen der komplett verschiedenen Spieler, die in der Mannschaft waren."

Ob Foda der richtige Trainer ist, um das Nationalteam vorwärts zu bringen, entscheidet das ÖFB-Präsidium am Montag. Danach soll der neue Teamchef vorgestellt werden.

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