Dominik Glawogger soll Floridsdorfer AC als Interims-Coach vor Abstieg retten

Das ist Österreichs jüngster Profi-Trainer

Freitag, 05.05.2017 | 11:52 Uhr
Glawogger lehnt Vergleiche mit Nagelsmann strikt ab
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Ob "Teddybären und Plüsch"-Stadion oder ein Wald in der EM-Arena - Österreichs Fußball schreibt immer wieder kuriose Geschichten. Diesmal sorgt der Floridsdorfer AC für Aufsehen. Der erst 27-jährige Geschäftsführer des Vereins soll das Schlusslicht der zweiten Liga als Interimscoach vor dem Abstieg bewahren. Auf den ersten Blick eine abwegige Idee, doch Dominik Glawogger ist diese Rettung zuzutrauen.

Bei vielen Außenstehenden sorgte diese Entscheidung für Belustigung. Statt einen erfahrenen Feuerwehrmann zu holen, setzt der Floridsdorfer AC im Saisonfinish der Ersten Liga auf einen unerfahrenen Jungspund, der gerade einmal die B-Lizenz als Trainer-Nachweis mitbringt. Geschäftsführer Dominik Glawogger soll das Schlusslicht als Interimscoach gemeinsam mit Amateure-Trainer Horst Gruber vor dem Abstieg retten.

"Viele Trainer haben sich gemeldet, aber wir waren bei keinem Kandidaten der Meinung, dass er an den richtigen Schrauben dreht", sagt Glawogger gegenüber SPOX. Also sprang der 27-jährige Geschäfstführer selbst in die Bresche. Selbstbewusst meint er: "Kein anderer kennt die Mannschaft besser als ich. Ich weiß von jedem Gegner in der Liga, wie er spielt. Dazu glaube ich, einen Führungsstil an den Tag zu legen, der junge Leute begeistern kann."

Er hat Erfahrung im Abstiegskampf

Zumindest das letzte Spiel gab dem Steirer Recht. Sein Team besiegte Abstiegskonkurrent Horn mit 2:0 und verkürzte den Abstand zum rettenden Ufer auf drei Punkte. Trotz seines jungen Alters kennt Glawogger die Situation als Cheftrainer im Abstiegskampf bereits. Vor einem Jahr machte er als Trainer des Toto Africans Sports Club dasselbe durch - richtig gelesen, Glawogger betreute für sechs Monate einen Erstligisten aus Tansania.

"Wir hatten zwei Runden vor Schluss vier Punkte Rückstand auf einen Nicht-Abstiegsplatz. Trotzdem haben wir es geschafft", erzählt Glawogger, dessen Tätigkeit über den Leiter eines hiesigen Charity-Projekts zustande kam. Die gesammelten Eindrücke will er nun beim FAC nutzen. "Natürlich habe ich als Trainer nicht 20 oder 30 Jahre Erfahrung, aber im Endeffekt ist die Situation gleich. Ich versuche einfach, eine gute Atmosphäre herzustellen, sodass die Spieler zusammenrücken und alle an einem Strang ziehen."

Auch in puncto Gegneranalye habe er während seines Afrika-Abenteuers viel gelernt. "Ich musste mir beibringen, die Videos so aufzubereiten, dass die Botschaft bei der Mannschaft ankommt. Taktisch will ich in den verbleibenden Spielen aber nicht allzu viel ausprobieren. Es geht eher darum, die Hebel beim Team anzusetzen."

Keine Nagelsmann-Vergleiche

Drei Spieler sind im aktuellen FAC-Kader älter als der Interimscoach. Die Situation erinnert ein wenig an Julian Nagelsmann (29) bei der TSG Hoffenheim. Den zwei Jahre älteren Erfolgscoach bewundert Glawogger, Vergleiche mit ihm lehnt er jedoch strikt ab. "Das ist absolut unzulässig. Er hat eine Ausbildung als Fußballlehrer und jahrelang bei einem Top-Verein im Nachwuchs gearbeitet. Davon bin ich weit weg."

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Die auch bei Nagelsmann oft vermutete Gefahr, von den Spielern aufgrund des geringen Alters nicht ernst genommen zu werden, sieht er nicht. "Bei einem Verein wie Wacker Innsbruck wäre das vielleicht anders, aber wir haben eine junge Truppe ohne große Stars", erklärt Glawogger. Der ehemalige Amateur-Fußballer, der in der steirischen Landesliga kickte, versucht, eine natürliche Autorität auszustrahlen. Die Spieler bezieht er in seine Entscheidungen mit ein, zudem würde sich nun bezahlt machen, dass er auch in seiner Funktion als Geschäftsführer immer die nötige Distanz zu den Profis gewahrt habe. "Hätte ich vorher mit ihnen nur herumgescherzt, würde das jetzt nicht funktionierten. Wir haben hier eine tolle Mannschaft", so Glawogger.

Mit souveränem Auftreten das Alter kaschieren

Seine These macht er an einem einfachen Beispiel fest. Zu Beginn seiner Zeit beim FAC wollten ihn viele Kicker mit dem sportlichen Handschlag begrüßen. Glawogger bestand jedoch stets darauf, den Spielern auf normale Weise die Hände zu schütteln - eine bewusste Entscheidung, um eine professionelle Beziehung zwischen Angestellten und Geschäftsführer zu gewährleisten.

"Es sind Kleinigkeiten im Auftreten, die den Unterschied ausmachen: Ausdrücke in der Sprache oder auch wie man sich anzieht", sagt der zielstrebige Manager, der auf diese Weise auch sein junges Alter zu kaschieren weiß. "Ich will keine Angriffsfläche bieten, sondern versuche immer eine gewisse Souveränität auszustrahlen. Man muss seine Nervosität überspielen, auch wenn man bei einem Sponsorentermin zum ersten Mal vor 300 Leuten eine Ansprache hält."

"Er hat das Herz am richtigen Fleck"

Letztlich entscheidet aber weder das Alter noch das Auftreten darüber, wie über einen Verantwortungsträger geurteilt wird. Es geht um die gezeigten Leistungen - das weiß auch Glawogger. Im Verein scheint er mit seiner smarten Art gut anzukommen.

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"Er hat das Herz am richtigen Fleck", meinte Torschütze Marco Sahanek nach dem 2:0 gegen Horn bei Sky. Glawogger steckt seine gesamte Energie in den Klub, versucht im Sinne einer Start-Up-Mentalität mit einem kleinen Team etwas aufzubauen und den FAC als Plattform für junge Spieler zu etablieren. Dabei hatte er bis vor einem Jahr noch gar nichts mit den Floridsdorfern am Hut.

Als Master in Internationalem Management hätte der damals 26-Jährige nach seinem Afrika-Abenteuer in einigen Firmen unterkommen können. Stattdessen wollte er sich den Traum vom Job im Fußballgeschäft erfüllen. "Ich habe im Februar erstmals mit dem FAC Kontakt aufgenommen, sechs Monate später haben sie sich bei mir gemeldet, ob ich noch Interesse habe", so Glawogger.

Warum der FAC ihn engagierte

Der Zweitligist suchte jemanden, der sich als Geschäftsführer der neugegründeten GmbH sowohl um sportliche als auch um wirtschaftliche Belange kümmert - und das zu einem möglichst günstigen Preis. Eine Aufgabe wie geschaffen für den fußballverrückten Idealisten, zumal er als Marketing-Mitarbeiter bei den Stuttgarter Kickers schon Erfahrungen in der Unternehmensführung eines Fußballvereins sammelte.

Der ehrgeizige FAC-Interimscoach ist in seinen jungen Jahren schon viel herumgekommen. Nun steht er im Abstiegskampf der Ersten Liga vor seiner bisher größten Herausforderung. Gut möglich, dass die Spötter recht behalten und sich Glawogger mit der Mammutaufgabe Klassenerhalt zu viel zugemutet hat. Seine Karriere steht jedoch erst am Anfang.

Steckbrief von Glawogger

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