Red Bull Salzburgs Trainer Oscar Garcia im SPOX-Interview

"Tausche mich immer wieder mit Mourinho aus"

Freitag, 28.04.2017 | 10:09 Uhr
Oscar arbeitet nun seit über einem Jahr bei Salzburg
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Bereits an diesem Wochenende kann Oscar Garcia Geschichte schreiben und als erster RB-Salzburg-Coach seinen Meistertitel verteidigen. Davor spricht der schweigsame Spanier im SPOX-Interview über seine Beziehung zu Jose Mourinho und Salzburgs Ähnlichkeiten mit dem FC Barcelona. Zudem verrät der 44-Jährige, dass er sich ein Jahr Auszeit vorstellen könnte.

SPOX: Sie sind ein Kind des FC Barcelona. Welche Ähnlichkeiten sehen Sie zwischen Ihrem Heimatverein und dem FC Red Bull Salzburg?

Oscar Garcia: Beide Vereine sind die besten Klubs ihres Landes und legen großen Wert auf den Nachwuchs. Da wie dort wird eine klare Spielphilosophie von den Jugendmannschaften bis zum Profi-Team verfolgt. Wenn die Talente hochgezogen werden, wissen sie ganz genau, was sie am Spielfeld tun müssen. Es ist sehr wichtig, eine klare Klubphilosophie zu haben.

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SPOX: Während der Fokus der Red-Bull-Philosophie am hohen Pressing liegt, konzentriert sich Barca vor allem auf das Spiel mit dem Ball. Muss Salzburg als dominierendes Team der Liga auch mehr Wert auf ein gutes Ballbesitzspiel legen?

Oscar: Auch bei Barcelona geht es nicht nur um Ballbesitz, sie wollen das Leder immer so schnell wie möglich zurückgewinnen. Die Spielphilosophien sind also gar nicht so unterschiedlich. Natürlich fokussiert sich Barca mehr auf das Spiel mit dem Ball, während es in Salzburg mehr um das Spiel gegen den Ball geht. Wichtig ist aber, beides zu kombinieren. Das ist kein Gegensatz, sondern ergänzt sich.

SPOX: Seit Ende November (0:1 gegen die Admira) haben Sie kein Spiel mehr verloren. Im Optimalfall können Sie bereits am Wochenende den Titel fixieren. Was hat sich seit dem Beginn der Saison verändert, als Ihre Mannschaft Probleme hatte?

Oscar: Es ist ganz normal, dass man Probleme hat, wenn so viele Spieler den Verein verlassen. Dazu hatten wir in dieser Zeit sehr viele Matches. Es hat einfach seine Zeit gebraucht, bis sich die Mannschaft gefunden hat.

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SPOX: Vor allem defensiv steht Ihr Team bombensicher. In den letzten zwölf Liga-Spielen haben Sie nur drei Gegentore kassiert. Was macht eure Abwehrarbeit so stark?

Oscar: Die Spieler kämpfen um jeden Ball, geben nie auf. Darüber hinaus ist es aber auch leichter zu verteidigen, wenn man den Ball gar nicht erst in Strafraumnähe kommen lässt. Es ist ganz logisch, dass man umso weniger Tore kassiert, je mehr ´Zeit man in der Hälfte des Gegners verbringt.

SPOX: Mit Xaver Schlager, Konrad Laimer und Valentino Lazaro stehen drei der hoffnungsvollsten Talene Österreichs in Ihren Reihen. Was macht die drei Spieler so besonders?

Oscar: Ich bin stolz über die Entwicklung von ihnen. Als ich hier her kam, spielte Konrad Laimer noch großteils bei Liefering, außerhalb Salzburgs kannte man Xaver Schlager gar nicht und Tino Lazaro absolvierte nie mehr als drei oder vier Partien hintereinander. Wir haben mit ihnen hart gearbeitet. Darum bin ich glücklich darüber, wenn sie als große Talente bezeichnete werden.

SPOX: Wie unterscheiden sich Schlager, Laimer und Lazaro?

Oscar: Xaver zeichnet eine enorme Ball- und Passsicherheit aus. Konni Laimer ist für seine hohe Intensität im Pressing bekannt. Er passt perfekt zur Spielphilosophie des Vereins. Und Tino Lazaro hat sowohl von der Technik als auch von der Physis her große Qualitäten und großes Potenzial. Auch wenn er noch ein bisschen mehr an sich glauben muss und manchmal für das Team effektiver spielen könnte.

SPOX: In den letzten Monaten haben viele wichtige Spieler Salzburg verlassen. Fürchten Sie sich schon vor dem nächsten Transferfenster?

Oscar: Nein, weil ich weiß, was mich erwartet. Es kann sehr frustrierend sein, wenn man nicht darüber im Klaren ist, was passieren wird. Aber mittlerweile habe ich einige Erfahrungen gesammelt. Unser Klub verfolgt die Philosophie, junge Spieler zu entwickeln und sie teuer weiterzuverkaufen. Wenn das im Sommer wieder passiert, es für mich nicht neu.

SPOX: Sie haben sich also daran gewöhnt?

Oscar: Es ist normal, einen Spieler wie Naby Keita nicht in der österreichischen Bundesliga halten zu können. Mittlerweile wollen ihn fast alle europäischen Top-Klubs. Dasselbe ist bei Upamecano passiert. Bei Soriano war es vielleicht anders, weil er sehr stolz darauf war, so lange hier spielen zu können. Er blieb für lange Zeit, aber gleichzeitig wissen wir natürlich, dass es auch in Zukunft schwer sein wird, die besten Spieler zu halten.

SPOX: In Ihrer Karriere haben Sie mit vielen großen Trainern zusammengearbeitet. Viel wurde bereits über Ihr inniges Verhältnis zu Johan Cruyff erzählt. Dabei haben Sie bei Barca auch mit Jose Mourinho gearbeitet. Was haben Sie von ihm gelernt?

Oscar: Er war viel mehr als nur ein Dolmetscher, eher ein Assistenztrainer oder manchmal sogar ein echter Coach. Seine Sprache und sein Wissen hat er sehr gut eingesetzt. Niemand hätte erwartet, dass er diese Karriere hinlegt. Er war wirklich clever. Nach einer Woche mit Louis van Gaal vermittelte er den Eindruck, als hätte er sein ganzes Leben in der Fußballschule von Ajax verbracht. Er wollte einfach immer lernen.

SPOX: Haben Sie noch Kontakt zu ihm?

Oscar: Ja. Wir tauschen uns immer wieder über E-Mails aus. Ich freue mich für ihn, dass er es so weit geschafft hat.

SPOX: Mourinho agiert in der Öffentlichkeitsarbeit stets sehr lautstark und lenkt den Fokus auf sich. Sie sind das Gegenteil davon, immer sehr höflich und distanziert. Werden Sie in der Kabine eigentlich auch manchmal laut?

Oscar: Diese Frage sollten vielleicht die Spieler beantworten. Prinzipiell versuche ich aber immer derselbe Mensch zu sein. Manchmal ist es auch für mich schwierig, ruhig zu bleiben. Mourinho spielt mit den Medien. Wenn er ein Interview oder eine Pressekonferenz gibt, weiß er ganz genau, was er damit erreichen will.

SPOX: Der legendäre Benfica-Trainer Bela Guttmann verfolgte die Philosophie, nie länger als zwei Jahre beim demselben Klub zu arbeiten. Sie haben zuletzt in einem Interview mit 90minuten.at angedeutet, dass sie es ebenfalls für problematisch halten, wenn ein Trainer mehr als drei Jahre beim selben Verein bleibt. Wie begründen Sie diese Meinung?

Oscar: Bei einem Klub mit nicht so vielen Transfers ist es schwierig, mehr als drei Jahre zu arbeiten. Die Spieler hören immer dieselben Sachen, die Methoden des Trainers nützen sich ab. Wenn der Kader über drei Jahre zu 90 Prozent gleich bleibt, wird es problematisch. Dann sollte man entweder den Trainer oder die halbe Mannschaft auswechseln. Man braucht dafür nur an Pep Guardiola beim FC Barcelona oder bei Bayern München denken. Auch Luis Enrique hört nun bei Barca auf, Carlo Ancelotti blieb nur zwei Jahre bei Real. Heutzutage wechseln Trainer öfters ihren Verein. In Salzburg ist die Situation jedoch etwas anders.

SPOX: Wie unterscheidet sich Salzburg diesbezüglich von anderen Klubs?

Oscar: Hier kann sich der Kader innerhalb von sechs Monaten total verändern. Das ist für den Trainer immer wieder eine neue Herausforderung.

SPOX: Nächstes Jahr würden Sie in Ihr drittes Jahr als Salzburg-Coach gehen. Vorhin haben Sie erzählt, die Philosophie des Klubs sei es, junge Spieler zu entwickeln und weiterzuverkaufen. Sehen Sie als Trainer Salzburg eigentlich auch als Sprungbrett zu einem größeren Klub?

Oscar: Wenn ich so denken würde, wäre das ein großer Fehler. Mein Fokus liegt darauf, Meister zu werden und den Cuptitel zu gewinnen. Ich habe hier einen laufenden Vertrag und das zählt. Aber ich weiß nicht, was in Zukunft passieren wird. Über so etwas möchte ich auch gar nicht nachdenken. Das ist Zeitverschwendung. Ich weiß nicht einmal, was nächste Woche passieren wird, also warum sollte ich mir Gedanken über die nächsten Monate machen? Vielleicht bin ich nächstes Jahr, wenn mein Vertrag ausläuft, auch müde und möchte ein Jahr aussetzen.

SPOX: Sie könnten sich also vorstellen, ähnlich wie Guardiola ein Sabbatjahr zu nehmen?

Oscar: Ja, warum nicht?

SPOX: Sie haben mit der Aussage aufhorchen lassen, auf der Liste der Kandidaten des FC Barcelona zu stehen. Gleichzeitig betonen Sie jedoch, dass sie keinerlei Kontakt zu ihrem ehemaligen Klub haben. Würde sie der Trainerjob dort reizen?

Oscar: Auch darüber denke ich nicht nach, weil es da nichts zu überlegen gibt. Ich bin auf der Liste des FC Barcelona genauso wie ich möglicherweise auf der Liste anderer Vereine stehe. Der einzige Unterschied ist, dass ich bei Barca darüber Bescheid weiß, bei den anderen Klubs aber nicht.

Der Kader von RB Salzburg

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