"Donis ist Donis, ich bin Baris"

Donnerstag, 09.03.2017 | 16:16 Uhr
Am letzten Samstag erzielte Baris Atik sein erstes Profitor
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Bei SPOX spricht Hoffenheim-Leihgabe Baris Atik über sein erstes Profitor, die deutsche Nachwuchsarbeit, "Wahnsinns-Trainer" Julian Nagelsmann und seine Zukunft.

"Donis ist Donis, ich bin Baris", sagt Hoffenheim-Leihgabe Baris Atik im Gespräch mit SPOX bestimmt. Seine Worte klingen einstudiert und verwundern nicht. Zahlreiche Lokaljournalisten verglichen den 22-Jährigen bereits mit Donis Avdijaj, der eineinhalb Jahre in Graz den Ausnahmekönner gab. Vergleiche, die sportlich wohl nachvollziehbar sind. Atik ist quirlig, technisch besser als 90 Prozent aller Bundesliga-Spieler und bis Saisonende ausgeliehen.

Bereits gegen den SKN St. Pölten war Atik Sturms bester Mann am Platz. Dass er schließlich nach 74 Minuten ausgewechselt wurde, ärgerte viele. Für nicht wenige Sturm-Fans sanken die Chancen auf drei Punkte danach drastisch. Schließlich verlor Sturm mit 2:1. Gegen Altach gab Sturm ein anderes Bild ab. Der 3:0-Sieg war nicht nur der erste Dreier im Frühjahr, sondern auch die erste gute Leistung seit Wochen.

Atiks erster Profitreffer

Atik hatte Anteil daran. Seinen starken Auftritt krönte der Offensivspieler mit dem Treffer zum 2:0. "Das war nicht nur für mich, sondern auch für die Mannschaft und den Verein ein Befreiungsschlag. Das hat uns allen gut getan. Ich wurde ziemlich emotional", erinnert sich Atik ein paar Tage später. Mit seinen Dribblings ärgerte der Deutsche die Altacher Defensive. Bis Louis Ngwat-Mahop auf seinen Knöchel stieg. Eine Verzweiflungstat. "Welcher Gegenspieler mag es schon, wenn er von einem kleinen, technisch begabten Spieler vernascht wird? Das gefällt keinem Fußballer. Darum ist es wohl dazu gekommen, aber das sind Emotionen, die zum Fußball dazugehören. Ich habe das längst abgehakt", ist Atik nicht nachtragend.

Für die TSG Hoffenheim absolvierte der Sohn türkischer Eltern in der laufenden Bundesliga-Saison drei Kurzeinsätze. 68 Minuten Profierfahrung reichen, um in der österreichischen Bundesliga Eindruck zu hinterlassen. Es fällt auf: Atik ist jetzt schon besser, als viele gestandene Profis in Österreich. Das spricht für Atik. Und weniger für die österreichische Liga. Ist die Ausbildung in Deutschland so gut?

"Ich würde einmal sagen: Ja, natürlich. Die Jugendarbeit bei den deutschen Mannschaften ist deutlich besser als jene in vielen anderen Ländern", sagt Atik auf eine rhetorische Frage. "Ich weiß zwar nicht, wie hier in Österreich gearbeitet wird - aber wenn man auf die deutschen Nachwuchsnationalmannschaften blickt, sieht man extrem viel Qualität. In der deutschen Bundesliga gibt es viele, viele junge Spieler mit enormem Potenzial."

Spielpraxis für Hoffenheim

In Österreich will Atik jetzt bis Ende Mai, dann endet die Saison, Spielpraxis sammeln. Die österreichische Liga ist laut Atik "definitiv gut". Eine Liga, die ihm gefällt. Ideal, um Minuten zu horten. Und das bei einem Verein, den Atik "geil" findet, ein Verein mit "geilen Fans". Sie erstaunten den geborenen Frankenthaler am meisten: "In Mattersburg und St. Pölten haben wir vor 3.000 Zuschauern gespielt. Und dann läuft man in Graz ins Stadion ein und plötzlich herrscht eine wahnsinnige Stimmung - das hat schon Bundesliga-Niveau, was die Fans betrifft. Das lässt sich problemlos mit Hoffenheim vergleichen."

Dass Atik, der Franco Foda als Hauptgrund für seine Leihe nach Graz nennt, eine weitere Saison bei Sturm bleibt, ist trotzdem unwahrscheinlich. "Wenn meine Leistungen hier stimmen und ich mich für die deutsche Bundesliga empfehlen kann, dann würde sich wohl jeder Fußballer für eine sehr, sehr gute Topliga entscheiden", sagt Atik und hofft auf Verständnis. Immerhin erwartet ihn in Hoffenheim sein Mentor Julian Nagelsmann. Mit 29 Jahren zählt dieser zu den größten Trainertalenten im Weltfußball.

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Fragt man Atik, was Nagelsmann ausmacht, ist ehrliche Begeisterung zu hören. "Eigentlich alles", schwärmt Atik. "Er macht alles richtig, was man richtig machen kann. Er ist ein Wahnsinns-Trainer. Ich rate jedem Fußballer, der die Chance hat, mal unter ihm zu spielen. Mit 29 Jahren als Trainer so viel Potenzial zu haben, ist der reinste Wahnsinn", sagt Atik, der bereits in den Jugendauswahlen unter Nagelsmann arbeitete. "Es macht so unglaublich viel Spaß unter ihm zu trainieren." Aber nicht, weil Nagelsmann ein legerer Trainer ist. "Ne, ne, ein sehr autoritärer Typ! Jeder Spieler respektiert ihn. Jeder weiß genau, dass er der Chef ist." Dank Nagelsmann darf Hoffenheim erstmals auf die Champions League hoffen. Nach Europa will Sturm auch. Mit Atik könnte es klappen.

Baris Atik im Steckbrief

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