Fussball

Der Transferkrimi um Ousmane Dembele

Toptalent Ousmane Dembele wäre beinahe in Salzburg gelandet

Borussia Dortmunds Ousmane Dembele zählt zu den größten Talenten des Weltfußballs. Doch beinahe wäre der 19-Jährige bei Red Bull Salzburg gelandet. Der Krimi hinter dem Fast-Transfer.

Gérard Houllier wusste es schon länger. Nur wenige Fußball-Koryphäen kennen den französischen Spielermarkt so gut wie der ehemalige Global Sports Director der Red Bull GmbH. Houllier, mittlerweile Berater des Konzerns, trainierte Lyon, Paris Saint-Germain, RC Lens, die französische Nationalmannschaft und diverse Nachwuchsauswahlen der Équipe Tricolore und pflegt beste Kontakte zu Größen wie Arsene Wenger und Michel Platini. Er sollte für Red Bull die größten Talente der Les Bleus an Land ziehen. Und agierte dabei aggressiver, als so manchem Sportdirektor in Frankreich recht war.

Bei den Transfers von Sadio Mané, Naby Keïta und Dayot Upamecano, die alle aus Frankreich kamen, hatte der 69-Jährige maßgeblich seine Finger im Spiel. Seinen wohl größten Transfer verpasste er jedoch. Obwohl er es wie so oft schon länger wusste. Schon früh im Jahr 2015 wurde Houllier auf einen hochbegabten Flügelspieler mit viel Potenzial aufmerksam: Ousmane Dembele. Doch Dembele, damals kurz vor seinem 18. Geburtstag, durfte sein Talent nur in der U18 von Stade Rennes entfalten.

Red Bull versuchte alles

Houllier machte sich die Verpflichtung des flinken Offensivspielers zur Mission. Immerhin sah er in ihm ein wenig Sadio Mane. Und so bot er im Juni im Namen von Red Bull Salzburg kolportierte 600.000 Euro für Dembele. Stade Rennes lehnte ab. Ein Monat später legten die Salzburger nach: 2,2 Millionen Euro für Dembele. Rund 400.000 Euro mehr, als Manchester City bereit war zu bezahlen. Berichtete zumindest die L'Equipe damals.

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In diesem Zeitraum besuchte Dembele auch den State-of-the-Art-Trainingskomplex der Bullen in Salzburg-Taxham. Und Dembele zeigte sich angetan. Einer war aber nicht glücklich: Stade Rennes-Präsident René Ruello. "Wo ist der Sinn, Millionen für die Ausbildung junger Spieler auszugeben, wenn dann solche Typen kommen und unsere Ausbildungszentren plündern?", wütete Ruello im französischen Medium So Foot. "Mich schockiert, wie Houllier diesen Klub (Red Bull Salzburg, Anm.) manövriert. Houllier schrieb mir, dass er den Spieler kaufen werde. Aber ich sagte 'Nein'. Wir werden um ihn kämpfen. Er hat noch zwei Jahre Vertrag, das muss er respektieren."

Dembele wollte nach Salzburg

In den folgenden Wochen und Monaten bespielte Ruello weiter die lokalen Medien der Bretagne, um Houlliers ungeliebte Vorgehensweise aufzuzeigen. Dembele entschied sich derweilen längst für einen Wechsel nach Salzburg. In einer Story unter dem Titel "La grande offensive de Salzbourg" berichtete die L'Equipe vom bevorstehenden Wechsel. Landsmann Upamecano leistete Überzeugungsarbeit. Auch Sadio Mane, der damals bereits in Southampton kickte, sprach Dembele telefonisch seine Empfehlung für Red Bull aus. Bei den Salzburgern sollte Dembele sofort in der Profimannschaft kicken und bestenfalls eine ähnliche Entwicklung nehmen, wie der heutige Liverpool-Schlüsselspieler.

"Ich möchte zu einem Klub, der mir zu 100 Prozent vertraut", monierte der mittlerweile 18-Jährige Dembele ob der fehlenden Spielzeit bei den Profis in der L'Equipe. "Ich werde meine Meinung nicht ändern. Die Bundesliga ist vielleicht eine kleine Liga in Europa, aber hier kann ich bei den Profis spielen. Und nicht bei der U21 eines großen Klubs." Doch Dembele machte die Rechnung ohne seinen Verein. In einer Aussendung schob Stade Rennes einem Wechsel den Riegel vor. "Wir werden weiter mit ihm arbeiten. Er wird seinen Vertrag bis 2017 erfüllen." Erste Proteste Dembeles fruchteten nicht. Rennes blieb hart.

Bockigkeit machte sich bezahlt

Und das sollte sich für beide Parteien lohnen. Dembele fügte sich dem Wunsch seines Klubs und unterschrieb Anfang Oktober 2015 einen neuen Dreijahresvertrag bei Stade Rennes. Etwa drei Wochen später feierte er gegen SCO Angers sein Ligue-1-Debüt. Ungeahnte Kräfte wurden freigesetzt: In seinen ersten 26 Ligaspielen erzielte er zwölf Tore und bereitete fünf weitere vor. Von Bayern München bis Real Madrid - im Sommer 2016 bemühte sich die Crème de la Crème des europäischen Fußballs um Dembele.

Dieser entschied sich für Perspektive und Spielzeit und wechselte für kolportierte 15 Millionen Euro zu Borussia Dortmund. Im Ruhrpott geht der Aufstieg des heute 19-Jährigen nahtlos weiter. 22 Scorerpunkte in Liga und Champions League schraubten seinen Marktwert weiter nach oben. Klubs wie der FC Barcelona sollen bereits um Dembeles Entourage schnuppern. Was Red Bull bleibt: Man wusste wenigstens schon vorher, dass er zu den talentiertesten Spielern des Weltfußballs zählt.

Ousmane Dembele im Steckbrief

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