Premier-League-Stürmer Ashley Barnes im SPOX-Interview

"Natürlich will ich noch für Österreich spielen"

Freitag, 10.03.2017 | 11:35 Uhr
Ashley Barnes hat seinen Traum vom ÖFB-Team noch nicht aufgegeben
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Im Interview mit SPOX bekräftigt Burnley-Stürmer Ashley Barnes seinen Wunsch für den ÖFB zu kicken, schwärmt von 'Main Man' Marko Arnautovic und bietet sich Red Bull Salzburg an.

Der 24. Mai 2015 war für Ashley Barnes ein gebrauchter Tag. Burnley siegte zwar gegen Aston Villa auswärts mit 1:0, aber der bullige Mittelstürmer landete nach einem Kopfballduell mit Fabian Delph unglücklich und verletzte sich schwer am Knie. Auch der Sieg war ein schwacher Trost. Burnley musste den Gang in die zweite Liga antreten. Barnes, der damals in österreichischen Medien mit einer Einberufung ins Nationalteam in Verbindung gebracht wurde, verschwand temporär von der Bildfläche.

Mittlerweile ist alles vergessen. Denn der 27-Jährige ist zurück: Burnley gelang der sofortige Wiederaufstieg. Und Barnes ist nach einem langen Jahr Reha wieder Stammspieler. Und das in einem der Sensationsteams der Millionenliga: Mit vergleichsweise wenig Budget liegt Burnley auf Rang 12 der Tabelle und trotzte Liverpool, Manchester United, Chelsea und Leicester City Punkte ab. Barnes' Beitrag: Vier Tore, zwei Vorlagen und ganz viel Laufarbeit. Im Interview mit SPOX wiederholt Barnes seinen Wunsch für Österreich zu spielen, gibt eine Liebeserklärung an Marko Arnautovic ab und lobt Salzburg-Coach Oscar Garcia.

SPOX: 2015 war nicht Ihr Jahr. Erst eine schwere Knieverletzung, dann der Abstieg aus der Premier League. Am Ende ging aber alles gut aus, oder?

Ashley Barnes: Am letzten Spieltag sind wir nicht nur abgestiegen, ich habe mir auch das Kreuz- und Innenband gerissen. Damit war für mich die nächste Saison gelaufen. Zudem war ich mir unsicher, ob der Verein den direkten Wiederaufstieg schaffen würde. Bis auf ein paar Spielminuten im letzten Monat habe ich die Zweitligasaison verpasst. Aber die Jungs haben den Aufstieg zum Glück geschafft. Dann konnte ich mich etwas ausruhen und auf die Vorbereitung konzentrieren. Leider habe ich mich im Training am Oberschenkel verletzt und zwei weitere Monate gefehlt. Seither läuft es bei mir sehr gut. Es sieht ganz danach aus, als würden wir in der Premier League bleiben.

SPOX: Sie sind Stammspieler und ein wichtiger Baustein als Spitze in Burnleys 4-4-2. Spielen Sie den besten Fußball Ihrer Karriere?

Barnes: Ja, das würde ich so sagen. Bis auf die letzte Partie gegen Swansea, wo ich gesperrt war, habe ich immer gespielt. Der Trainer ist mit mir zufrieden.

SPOX: Burnley ist eine Erfolgsstory, über die in Österreich kaum jemand spricht. Dabei hat kaum ein Klub in der Premier League so wenig Geld in den Kader investiert.

Barnes: Fast alle Teams geben mehr Geld aus als Burnley. Höhere Gehälter, höhere Ablösesummen. Burnley hat zwar Geld, wirft es aber nicht wie viele andere Premier-League-Klubs beim Fenster raus. Und es scheint zu funktionieren.

SPOX: Der Verdienst von Trainer Sean Dyche, oder?

Barnes: Was er aus diesem Klub gemacht hat, seit er uns übernommen hat, ist massiv. Er kam 2012, als der Klub ein Mini-Budget hatte und baute den Verein sukzessive auf. Jetzt hat er Burnley in eine Position gebracht, in der er pro Transferfenster ein, zwei Spieler mit Qualität hinzufügen kann. Für unsere Verhältnisse haben wir im Winter beträchtlich eingekauft (Robbie Brady und Jeff Hendrick kamen für 27 Millionen Euro, Anm.). Er macht das einfach großartig. Das wäre früher schwer denkbar gewesen. Dafür verdient er viel Anerkennung.

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SPOX: Wie würden Sie Ihre Rolle im Team beschreiben?

Barnes: Ich bin der Typ, der vorne die Bälle hält, auf den Zehen der Gegner steht, ständig unterwegs ist, die gegnerische Abwehr anpresst, Drecksarbeit macht und damit anderen den Rücken freihält. Ich würde gerne noch mehr Tore schießen, aber das wird mit der Zeit noch kommen.

SPOX: Vor Ihrer Kreuzbandverletzung wurden Sie als potenzieller Stürmer für die österreichische Nationalmannschaft gehandelt. Haben Sie seither mit jemandem vom ÖFB gesprochen?

Barnes: Nein, ich habe nichts gehört und mit niemandem gesprochen. Sie sind der Erste, mit dem ich über dieses Thema seit langer Zeit spreche.

SPOX: Sie sagten damals, Sie wären stolz, wenn Sie für das Land Ihrer Großmutter spielen könnten. Trifft das noch zu?

Barnes: Natürlich will ich noch für euch spielen, keine Frage! Ich habe zwar erst ein Freundschaftsspiel für die österreichische U20 absolviert, und könnte theoretisch natürlich auch noch für England spielen, aber ich würde eine Einberufung auf keinen Fall ablehnen.

SPOX: Um für Österreich spielen zu können, müssten Sie aber noch die Staatsbürgerschaft beantragen, oder?

Barnes: Ja, die habe ich noch nicht.

SPOX: Wie ist eigentlich Ihr Bezug zu Österreich?

Barnes: Meine Oma ist aus Österreich, lebt mittlerweile aber in Bath (im Westen Englands, Anm.). Sie kam 1946, nach dem zweiten Weltkrieg, als Hausmädchen nach Reading. Später arbeitete sie in London und lernte meinen Opa kennen. Geboren wurde sie in Klagenfurt und dort hat sie immer noch einen Bruder und eine Schwester. Ich habe also noch Verwandte in Österreich. Wir haben zwar selten Kontakt, aber in unserer Kindheit sahen wir uns regelmäßig. Deutsch spreche ich leider nicht, aber ich würde mich bei einer Einberufung sofort dahinterklemmen.

SPOX: Die meisten von uns sprechen eh ganz gut Englisch.

Barnes: (lacht) Das ist unser Problem. Jeder spricht Englisch, das macht uns Engländer so faul. Keiner lernt eine neue Sprache.

SPOX: Haben Sie demnächst einen Wien-Besuch eingeplant?

Barnes: Ja, auf jeden Fall! Eine wundervolle Stadt, ich war auch schon dort. Vielleicht würde ich auch mal nach Salzburg fahren, wo mit Oscar Garcia mein alter Trainer von Brighton arbeitet. Ich denke, er macht bei Red Bull ganz gute Arbeit, oder?

SPOX: Salzburg wird wohl wieder Meister. Aber seit Oscar Garcia seine besten Spieler an RB Leipzig abgeben muss, wirkt er nicht so entspannt.

Barnes: Von diesen Transfers habe ich schon gehört. Hier in England gibt es ein paar Klubs, die Oscar gerne hätten. Er ist wirklich ein guter Trainer, ich habe gerne unter ihm gearbeitet.

SPOX: Vielleicht sollten Sie im Sommer nach Salzburg wechseln?

Barnes: (lacht) Warum nicht? Wäre gut!

SPOX: Würden Sie?

Barnes: Warum nicht? Den Trainer kenne ich ja! Er weiß, was ich für ein Typ bin.

SPOX: Naja, Sie sind Stammspieler in der Premier League.

Barnes: (lacht) Jaja, sie haben recht. Aber es spielen ja auch ein paar Österreicher in England. Warum nicht umgekehrt?

SPOX: Was halten Sie von den österreichischen Premier-League-Spielern?

Barnes: Marko Arnautovic ist euer 'Main Man'. Dann gibt es natürlich noch Kevin Wimmer bei Tottenham und Christian Fuchs bei Leicester. Und ein paar weitere in der Championship, oder? Aber Arnautovic ist wirklich ein unglaublicher Spieler, er ist so, so gut. Seine technischen Qualitäten sind fantastisch. Wenn er den Ball hat, kann er das Spiel entscheiden. Nicht viele Spieler können das.

SPOX: Ashley, wie ist Ihr Bauchgefühl? Denken Sie, es klappt noch mit der Einberufung?

Barnes: Was meinen Sie? Habe ich eine Chance, ins Team zu kommen?

SPOX: Ich denke schon. Österreichs Einserstürmer wird mit Saisonende 34 Jahre alt. Schalkes Guido Burgstaller hat sich auch eine Chance verdient. Die Schlange dahinter ist nicht so lang.

Barnes: Vielleicht klappt es ja! Wenn ich weiter gute Leistungen bringe, wüsste ich nicht, was einer Einberufung im Weg stehen sollte. Vielleicht wirft Marcel Koller ja jetzt einen genaueren Blick auf mich.

Ashley Barnes im Steckbrief

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