ÖFB-Talent Valentin Grubeck erzählt, wie Fußballer wirklich leben

Karriere-Ängste, Prügelopfer, Shootingstar

Donnerstag, 12.11.2015 | 16:53 Uhr
"Ich habe ernsthaft überlegt, ob ich aufhören soll"
© GEPA
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Nachwuchshoffnung, Prügelopfer, Paradebeispiel. Valentin Grubeck hat viel erlebt. Nun spricht er bei SPOX über Karriere-Ängste und ein Wiedersehen im Gerichtssaal.

Wenn Valentin Grubeck von einer Achterbahn spricht, dann geht es nicht um Vergnügen. Einst zerlegte er als Nachwuchsstürmer des Linzer Athletik-Sport-Klub die U18-Jugendliga. Die Wiener Austria sicherte sich den talentierten Schärdinger. Drei Tore erzielte Grubeck anschließend in der UEFA Youth League. Aufmerksamkeit bekam er aber, weil Rapid-Fans ihn vor einem Derby ins Krankenhaus prügelten.

Um ihr Zukunftsversprechen zu fördern, schickten die Veilchen Grubeck in die Erste Liga zu Horn. Dort funktionierte der heute 20-Jährige überhaupt nicht, wie er erzählt. Die Austria zeigte ihm die Türe und trotz Stammplatz bei der U20-Weltmeisterschaft brachten fehlende Angebote Grubeck nahe ans Karriereende. Diese Zeiten scheinen vorbei: Grubecks Achterbahnwagon saust wieder nach oben. 1860 Münchens Chefscout saß bereits auf der Tribüne, munkelt man. Die Admira soll sein letztes Spiel gegen Lustenau beobachtet haben - Grubeck traf erneut.

Im SPOX-Interview spricht Valentin Grubeck über Illusionen, ein schräges Fußball-Casting und ein Wiedersehen im Gerichtssaal.

Valentin, Talent hat man dir immer schon nachgesagt. Warum konntest du lange keine Tore liefern?

Valentin Grubeck: Schwer zu sagen. Mit meinen Mitspielern bei Austria Salzburg habe ich mich auf Anhieb sehr gut verstanden. Hinzu kommt ein Trainer (Jörn Andersen, Anm.), bei dem ich viel Vertrauen spüre. Als mir dann gegen Innsbruck endlich mein erstes Zweitligator gelungen ist, hat sich vieles verändert. Ich habe Selbstvertrauen bekommen und der Trainer hat mir Kraft und Sicherheit vor dem Tor gegeben.

Du hast für den Vorletzten fünf Tore in den letzten zehn Partien erzielt - bist du jetzt quasi in der Form deines Lebens?

Auf jeden Fall, das zeigen die Zahlen. Die letzten zwei Jahre, aber insbesondere das letzte Jahr in Horn, war überhaupt nicht erfolgreich. Bei der Austria ist es in der Akademie und in der Youth League noch gut gelaufen, mit dem Achtelfinale gegen Benfica haben wir einen tollen Erfolg gefeiert, ich habe meine Tore erzielt. Aber dann hatte ich lange keine gute Zeit.

Du sprichst die Wiener Austria an. Wie groß war der Schock, als man dir im Sommer die Türe gezeigt hat?

Die Austria ist mit Salzburg und Rapid der größte Verein in Österreich. Meine Mitspieler waren alle wirklich gut - sich da ganz oben durchzusetzen, ist schwer. Ich habe es versucht und alles gegeben - aber für die Entscheidungsträger war es zu wenig. Schön ist es nicht, wenn man im Leben hört, dass es nicht reicht. Aber ich konnte den Schock gut verarbeiten, weil ich zu mir gesagt habe: 'Es gibt ja viele Vereine da draußen.'

So einfach war es dann aber nicht, oder?

Es war eine absolute Katastrophe. An einen Moment kann ich mich noch gut erinnern: Als ich von der U20-Weltmeisterschaft heimgekommen bin, saß ich bei meiner Mama auf der Terrasse. Wir haben miteinander diskutiert und ich habe ernsthaft überlegt, ob ich aufhören soll.

Bitte?

Wirklich. Ich bin von der WM nachhause gekommen und es war nichts da. Kein Angebot, keine Anfrage. Da habe ich mir die Sinnfrage gestellt. Wir haben eine erfolgreiche Weltmeisterschaft (Aus im Achtelfinale, Anm.) gespielt, ich war bei allen Gruppenspielen in der Startelf und habe ein Tor geschossen. Aber scheinbar hat das in Österreich die wichtigen Leute nicht interessiert. Ich kann ja verstehen, dass mein letztes Jahr in Horn schlecht war - aber ich konnte die Situation trotzdem insgesamt schwer nachvollziehen. Ich dachte: Mit dieser WM im Rücken habe ich sicher Aufsehen erregt.

Wie ging es dann weiter?

Dann hat sich Salzburg gemeldet. Eigentlich war es ja nicht wirklich ein Angebot, sondern eine Einladung zum Probetraining. Da habe ich sofort zugesagt. Als ich angekommen bin, war ich am ersten Tag mit 16 anderen Testspielern in einem Raum. Wir waren 17 Leute, die alle das gleiche wollten.

Das klingt nach einem schrägen Fußball-Casting.

Genau, wie ein Casting. Zum Schluss sind drei übrig geblieben und ich war Gott sei dank dabei.

Wäre der Gedanke, nicht mehr auf dem Fußballfeld zu stehen, für dich erträglich gewesen?

Nein. Überhaupt nicht! Aber in diesem Moment war die Situation so enttäuschend. Wie in einer Achterbahn, wenn du ganz unten bist.

Du erzählst da von einer Realität, die viele Fußballer betrifft, während die Öffentlichkeit vom stinkreichen Kicker mit seiner schicken Karre fabuliert.

Man hat diese Wunschvorstellung ja auch selbst als kleines Kind, wenn man die besten Spieler im Fernsehen und ihr Privatleben in Medien sieht. Aber in Wahrheit ist das Geschäft harte Arbeit. Es gehört mehr dazu, als sich zwei Stunden auf den Trainingsplatz zu stellen. Will man professionell sein, ist das Fußballer-Dasein ein 24-Stunden-Job. Man muss sich richtig ernähren, regenerieren, fit bleiben. Als ich mir zusätzlich einen Privattrainer genommen habe, hat sich das schnell ausgewirkt. Fußball ist eben nicht reine Talentfrage zwischen "man kann es" oder "man kann es nicht".

Und viele Faktoren entscheiden, die man nicht beeinflussen kann.

Vom Berater bis zu Verletzungen - in diesem Geschäft hat man vieles nicht in der Hand.

Ich habe gehört, dass du von einigen Vereinen, darunter einem Chefscout aus der 2. Bundesliga, beobachtet wirst. Ist das nicht irgendwie verrückt? Im Sommer dachtest du noch ans Karriereende.

Ich versuche mich damit wenig zu beschäftigen. Salzburg hat ein wunderbares Umfeld für mich geschaffen - endlich glaubt jemand an mich. Aber man sieht da wieder, dass Fußball ein Tagesgeschäft ist. Heute bist du vielleicht der Held, morgen interessiert sich kein Mensch für dich.

Machst du dir Sorgen um Austria Salzburg? Das Hoffen auf einen Investor, Spenden der Fans - wie nehmt ihr Spieler das auf?

Das ist für uns alle eine schwere Zeit. Wir machen uns natürlich Gedanken, aber die ganze Mannschaft versucht trotzdem den Kopf frei zu kriegen. Wir haben nur das sportliche in der Hand. Es ist für mich eine riesige Ehre für diesen Verein zu spielen, auch die Fans geben alles. Ich bin so froh, dass ich hier gelandet bin und so etwas mit erleben darf. Austria Salzburg ist in Österreich einfach einzigartig. Die Fans geben uns ein unglaubliches Gefühl.

Valentin, hat sich eigentlich jemals einer dieser Rapid-Fans, die dich damals niedergeschlagen haben, bei dir entschuldigt?

Der Haupttäter hat sich noch im Gerichtssaal persönlich bei mir entschuldigt.

Und hat er auch gesagt, warum er das getan hat?

Nein. Aber selbst wenn er es mir erklärt hätte, hätte ich ihn nicht verstanden.

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