Fussball

"Ich hatte ein Angebot aus Leipzig"

Dimitri Oberlin im Gespräch mit SPOX
© GEPA

Im Gespräch mit SPOX gibt Altachs Dimitri Oberlin einen Meistertipp ab, spricht über ein Angebot von RB Leipzig und beschreibt seine Beziehung zu Trainer Damir Canadi.

Mit welcher Selbstverständlichkeit Dimitri Oberlin am vergangenen Samstag in Minute 47 die beiden Rapid-Verteidiger Christoph Schösswendter und Christopher Dibon einpackte, ließ auch zahlreiche Rapid-Fans im Allianz Stadion staunen. Tempo, Improvisation, Athletik, Technik - schließlich fehlte ein halber Meter auf ein weiteres Traumtor für Oberlin. Dass er dabei Mitspieler Nicolas Moumi Ngamaleu übersah? Geschenkt. "Ich war in dem Moment total auf den Ball fokussiert. Und mein Mitspieler hat nicht laut genug geschrien, das hat er selbst zugegeben", sagt Oberlin im Gespräch mit SPOX und lacht. "Die Situation hätte ich trotzdem nicht alleine fertigspielen dürfen. Ich bin halt ein Spieler, der am Ball immer etwas probieren will, ich liebe das Eins gegen Eins."

Im Sommer wechselte der 19-Jährige leihweise von Red Bull Salzburg zum SCR Altach. Für ein Jahr - vertraglich festgeschrieben. Was dann folgte, überraschte selbst den talentierten Stürmer. Siebenmal versenkte Oberlin die Plastikhaut bereits im gegnerischen Kasten. Platz zwei in der Torschützenliste, vor Jonatan Soriano. Eine Konstellation, aus der sich eine wunderbare Analogie basteln lässt. Denn die Salzburger Truppe um Soriano liegt auch in der Bundesliga-Tabelle hinter der Überraschungstruppe aus Vorarlberg. "Ich war ja selbst verwundert, dass ich so gut in die Saison gestartet bin", sagt Oberlin, den Altach-Sportdirektor Georg Zellhofer in der Neuen Zürcher Zeitung als "vorsichtig und sensibel" beschreibt.

Zweifel vor dem Wechsel

"Als Altachs Angebot reingekommen ist, habe ich mir schon gedacht: Wieder zu wechseln ist nicht einfach. Hier kenne ich keinen Menschen, hier bin ich alleine", erinnert sich Oberlin, der im Sommer 2015 für kolportierte zwei Millionen Euro vom FC Zürich nach Salzburg wechselte. "Aber der Trainer hat mich schließlich überzeugt. Ich bekomme Spielzeit und das hat mich schnell glücklich gemacht." Oberlin, der in Kameruns Yaoundé geboren wurde, aber mit neun Jahren in die Schweiz zog, wird nicht müde, das Altacher Umfeld zu loben. Es tut ihm gut. Zellhofer und Trainer Damir Canadi hegen und pflegen ihr Talent - und profitieren nun davon. "Mir ist auch klar, dass ein schwieriger Moment kommen kann. Wer weiß, vielleicht treffe ich vier Spiele lang nicht. Der Trainer wird mir trotzdem vertrauen. Das ist einfach schön", sagt Oberlin.

Dabei war sein Wechsel nach Altach im Sommer nicht in Stein gemeißelt. Mehrere österreichische Bundesliga-Klubs bemühten sich im eine Leihe - auch ein Verein aus der zweiten deutschen Bundesliga war in der Verlosung. Doch Zellhofer und Canadi bemühten sich energisch um ihren Wunschspieler und erhielten den Zuschlag. Kein Thema war hingegen ein Wechsel zu RB Leipzig. "Ich hatte ein Angebot aus Leipzig. Aber da hätte ich mit der ersten Mannschaft trainiert und in der zweiten Mannschaft gespielt. Für mich war es aber wichtig, in einer Profiliga zu spielen", erklärt Oberlin seine Absage an Sachsen. Und im nächsten Sommer? "Für nächsten Sommer habe ich kein Angebot. Mein Ziel ist es eigentlich, Stammspieler in Salzburg zu werden." Sollte Oberlin seine Torquote aufrecht erhalten, könnte RB-Mastermind Ralf Rangnick, der Altach als "FC Oberlin" bezeichnet, andere Ideen bekommen. "Dann ist alles möglich. Ich freue mich auf jedes Angebot", ist Oberlin nicht abgeneigt.

"Salzburg wird auf Platz eins sein"

Doch ganz wohl fühlt sich der Schweizer Nachwuchsteamspieler beim Blick in die Zukunft nicht. Denn mit dem zweitplatzierten SCR Altach gibt es noch ein Ziel zu erreichen - und das ist ganz klar ausformuliert: Europa. Top Vier. "Egal was gerade passiert, am Ende der Saison wird Salzburg auf Platz eins sein. Bald kommt die Winterpause und entscheidend ist der zweite Teil der Saison. Für uns ist Europa möglich, der Weg stimmt", lässt sich Oberlin nicht zu Meisterträumen verleiten. Viel mehr verwundert ihn, dass sich die meisten Liga-Gegner noch immer nicht mit Canadis unkonventionellem 5-3-2/3-5-2-System arrangieren können.

"Wir überraschen die Gegner mit unserer Spielphilosophie noch immer. Darauf konnte sich fast niemand einstellen", so Oberlin, der in Canadi einen Schlüssel für seinen Erfolgslauf sieht. "Herr Canadi ist ein sehr guter Trainer, der immer neben mir ist. Egal, ob es gut oder nicht so gut läuft, er korrigiert und lobt mich. Mir ist es wichtig, dass er so viel mit mir redet. Ich habe immer die Möglichkeit, zu ihm zu gehen." Der oft als autoritär beschriebene Canadi wählt für seinen Jungstürmer einen väterlichen Zugang: "Für mich ist das toll. Echte Zusammenarbeit - kein Boss, der nur sagt: 'Mach dies, mach das'."

Bei aller Freude über seine Form, die Spielzeit und Altachs Renaissance beschäftigt Oberlin ein Thema dennoch: Die schwere Verletzung seines besten Freundes Breel Embolo. Schalkes 22-Millionen-Euro-Neuzugang wurde am Wochenende von Augsburgs Konstantinos Stafylidis übel gefoult. Bei Embolo wurde neben einem gebrochenen Wadenbein auch ein Riss der Syndesmose und des Innenbandes diagnostiziert. Sechs Monate Pause. "Einfach schade", sagt Oberlin und stöhnt. "Er hatte zu Saisonbeginn Probleme, hat dann aber gezeigt, was er kann. Und plötzlich kommt so etwas. Aber er wird sich regenerieren und schnell auf sein Topniveau kommen." Ein Schicksal, vor dem Oberlin bis jetzt verschont blieb. Zum Glück. Denn Talente wie Oberlin lassen sich in der österreichischen Bundesliga wohl nur an einer Hand abzählen.

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung