Fussball

Marko Arnautovic im Interview mit DAZN und SPOX: "Ich habe es allen bewiesen"

Von DAZN/SPOX
Marko Arnautovic im großen Interview.

Marko Arnautovic hat sich sowohl bei West Ham als auch in der österreichischen Nationalmannschaft zum Führungsspieler entwickelt. Im großen Interview mit DAZN und SPOX spricht der 29-Jährige über seinen Alltag in England, den zerschlagenen Transfer nach China und Bekanntschaften aus dem Supermarkt.

Außerdem erklärt er die umstrittene Geste mit der Kapitänsbinde im ÖFB-Team, und warum er vor Teamchef Franco Foda den Hut zieht.

Herr Arnautovic, wie sieht ihr Alltag in England aus?

Marko Arnautovic: Viele erwarten, dass mein Leben spektakulär ist. Das ist es ganz und gar nicht. Ich stehe früh auf und fahre in die Arbeit zum Training. Danach geht's nach Hause, wo das Familienleben wartet. Die Kinder sind meistens schon von der Schule zurück.

Ist Fußball denn Arbeit für Sie?

Arnautovic: Es macht Spaß, Fußball zu spielen, aber es ist immer noch Arbeit. Ich habe das Glück, das Zeug zum Profifußballer zu haben, das spornt mich im Alltag an. Es kann anstrengend sein - nicht unbedingt körperlich, sondern was den mentalen Aspekt betrifft. Es ist Kopfsache, Tag für Tag zum Training zu fahren und zu analysieren, wo man sich verbessern könnte.

Wie sieht Ihr Weg in die Arbeit aus?

Arnautovic: Der Weg ist ganz schön lang. Um 8 Uhr geht es los, die Fahrzeit beträgt rund 80 Minuten. Ich wohne auf der anderen Seite von London. Mit der Zeit wird das Pendeln sehr anstrengend.

Deshalb leisten Sie sich einen Fahrer, der Sie zum Training chauffiert.

Arnautovic: Die Position beim Fahren ist nicht die beste, deine Muskulatur ist ein wenig angespannt. Zwei Tage pro Woche fahre ich selbst, aber ich versuche so oft wie möglich, mir einen Fahrer zu nehmen. So kann ich Telefonate führen, Nachrichten schauen oder noch etwas entspannen.

Warum wohnen Sie nicht näher an Ihrem Arbeitsplatz?

Arnautovic: Wir finden die Gegend um Richmond und Wimbledon sehr schön. Da lässt es sich gut im Park spazieren oder etwas Essen gehen. Zudem hat sich hier eine kleine heimische Community gebildet. Es gibt etwa deutschsprachige Schulen und eine Kirche, die auf Deutsch Gottesdienste abhält, was meiner Frau sehr wichtig ist. Es leben auch einige Österreicher in unserem Viertel. Erst vor wenigen Tagen lernte ich eine Frau im Supermarkt kennen, die in der österreichischen Botschaft arbeitet.

Wie laufen solche Treffen ab? Kommen diese Personen auf Sie zu?

Arnautovic: Ja klar, ich erkenne sie ja nicht. (lacht) Es ist schön, wenn du deine Landsleute um dich hast und auch einmal Deutsch oder Wienerisch reden kannst. Es ist eine sehr ruhige Gegend, wir sind aber trotzdem nur eine halbe Stunde vom Stadtzentrum entfernt. Auch die Kinder fühlen sich wohl, das ist besonders wichtig.

Marko Arnautovic im Feature auf DAZN

Teil 1: "Die Fans sind sauer, weil sie mich lieben"

Teil 2: "Ich liebe Österreich und Serbien"

Teil 3: "Für mich ist der Trainer nie schuld"

Hol dir jetzt den Gratismonat bei DAZN und erlebe das komplette Feature und ausgewählte Spiele der Premier League live auf DAZN

Marko Arnautovic: "Ich wollte, dass Serbien Weltmeister wird"

Wie ist es, in einer Fußballerfamilie zu leben?

Arnautovic: Ganz normal wie bei jedem anderen auch. Wir haben keinen Vorteil gegenüber den anderen. Zwei Stunden tägliches Training klingt nach wenig Aufwand. Aber ich bin von 8 bis 15 Uhr unterwegs. Dann bringe ich die Kinder in den Schwimm- Ballett- oder Reitkurs. Erst nach dem Abendessen haben meine Frau und ich etwas Zeit für uns. Im Sommer ist es ein wenig anders. Wir haben einen Monat frei und können überall hin in den Urlaub fliegen. Das ist vielleicht einer der kleinen Vorteile, die wir Fußballer haben.

Wie schwierig ist es, die Profikarriere mit dem Leben als Familienvater zu vereinen?

Arnautovic: Die Wochenenden verbringen wir so gut wie nie mit der Familie. Eine Nacht vor jedem Spiel verbringen wir als Team im Hotel. Es ist stressig, aber wir haben uns für dieses Leben entschieden. Ich habe meine Qualitäten vom lieben Herrgott bekommen und kann mich nicht beklagen.

Vermissen Sie das Leben in Wien?

Arnautovic: Wien bedeutet mir sehr viel. Ich bin dort geboren, alle meine Freunde sowie meine Eltern und mein Bruder leben dort. Ich sehe sie nicht jeden Tag, nicht einmal jede Woche oder jeden Monat. In Wien bekomme ich sie hin und wieder zu sehen, deshalb freue ich mich sehr darüber.

Wie oft telefonieren Sie mit Ihrer Familie?

Arnautovic: Jeden Tag. Es wäre schlimm, wenn es nicht so wäre. Zumindest ein kurzer Check, ob alles in Ordnung ist, muss möglich sein.

Wie reagieren Sie auf Fans, die Sie in Ihrer Heimat erkennen?

Arnautovic: Es ist schön, immer wieder die Fans zu treffen. Wenn ich nach Wien komme, versuche ich mich aber aus dem Blickfeld zu halten. Ich gehe nicht viel aus, um im Rampenlicht zu stehen, sondern nütze die Zeit, um bei der Familie zu sein und Freunde zu treffen.

Sie bezeichnen Wien also als Ihre Heimat?

Arnautovic: Zuerst möchte ich betonen, dass eine Sache jeder respektieren muss - nicht soll, sondern muss: Mein Vater ist Serbe, meine Mutter Österreicherin. Ich liebe Österreich, aber ich liebe auch Serbien, weil ich in beiden Ländern Familie habe.

Wie verlief Ihre Kindheit?

Arnautovic: Wir sind in Österreich geboren und aufgewachsen. Von unserer Mutter haben wir alle österreichischen Traditionen mitbekommen, vom Vater die serbischen. Ich fühle für Serbien und für Österreich. Das wird immer so sein.

Wie äußern sich diese Gefühle?

Arnautovic: Bei der WM hielt ich etwa zu Serbien. Ich wollte, dass sie jedes Match gewinnen und am besten Weltmeister werden - auch wenn sie mit uns in der Quali-Gruppe waren.

Diese zwei Matches müssen sehr emotional gewesen sein.

Arnautovic: Ich habe immer gesagt, dass ich hundert Prozent geben werde - auch gegen Serbien. Bei meinem Tor verzichtete ich auf einen Jubel. Ich habe Respekt für die Serben, auch wenn sie das damals nicht verstehen wollten. Auch vor dem Bosnien-Match war das ein Thema, damals wurde ich sogar auf den Krieg angesprochen. Für mich gibt es aber keinen Krieg. Ich habe Freunde aus Bosnien, Kroatien, Serbien und der Türkei. Ich respektiere alle Menschen, egal welcher Herkunft.

Marko Arnautovic: Leistungsdaten bei West Ham, Stoke City

SaisonVereinSpieleToreAssists
2018/19West Ham United2483
2017/18West Ham United35118
2016/17Stoke City3576
2015/16Stoke City40126
2014/15Stoke City3528

In vielen Ländern Europas - auch in Österreich - vermisst man diesen Respekt heutzutage immer mehr.

Arnautovic: Das ist die Politik. Ich weiß nicht, ob man ihr vertrauen kann. Ich beschäftigte mich noch nie damit, traf mich noch nie mit einem Politiker und werde es in Zukunft auch nicht tun. Ob jetzt etwa ein Heinz-Christian Strache einen Kroaten, Serben oder Türken respektiert oder nicht, ist seine Sache. Ich kann nur für mich sprechen. Wenn mich jemand respektiert, gebe ich das auch zurück. So läuft das Leben und es sollte nicht anders sein.

Sie wollen in der Zukunft nicht mehr in Österreich leben. Nach Ihrer Fußballerkarriere werden Sie nach München ziehen. Liegt das am fehlenden Respekt in Österreich?

Arnautovic: Das hat nichts mit Österreich zu tun. Wir haben uns für München entschieden, weil wir von dort aus schnell in Wien sein können, aber auch nicht weit von den Eltern meiner Frau entfernt sind. Zudem sind die Flugverbindungen von München aus exzellent. Ich hätte nichts gegen ein Leben in Wien, aber ich spüre die Lust nicht so sehr, dort leben zu wollen.

Wie steht es um Ihre Lebenslust in London?

Arnautovic: Ich kenne abseits von meinem Arbeitsweg recht wenig. Ganz selten gehen wir in die Stadt, wir bleiben lieber am Stadtrand. Ich könnte hier aber auf lange Sicht nicht leben. In London ist es viel zu stressig, zudem gibt es nonstop Stau. Die Lebensqualität ist nicht so hoch, trotzdem freuen wir uns, hier leben zu können.

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung