Ajax-Legionär Maximilian Wöber im Interview: "Ich rechtfertige die Summe"

Montag, 29.01.2018 | 09:17 Uhr
Maximilian Wöber führte SPOX durchs ein neues Wohnzimmer
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Im Sommer landete ÖFB-Teamspieler Maximilian Wöber den Lotto-Jackpot. Ajax Amsterdam transferierte Abwehrchef Davison Sanchez für astronomische 40 Millionen Euro zu Tottenham und identifizierte den damaligen Rapid-Verteidiger als idealen Nachfolger. Nach langen Verhandlungen und Überzeugungsarbeit von Ajax-Sportdirektor Marc Overmars war der Wechsel in trockenen Tüchern. Und Wöber betrat die große Fußballwelt.

SPOX traf den 19-Jährigen zum ausführlichen Interview auf dem Rasen der ehrwürdigen Amsterdam Arena.

SPOX: Sie haben am 1. März noch in der Ostliga gespielt. Wann wurde Ihnen erstmals bewusst, dass Sie von Ajax beobachtet werden?

Maximilian Wöber: Ich habe immer wieder von interessierten Klubs gehört, mich damit aber nicht sonderlich auseinandergesetzt. Erst als das erste Angebot auf dem Tisch lag, habe ich mir über meine Zukunft Gedanken gemacht.

SPOX: Dann kam ein Anruf von Ajax-Sportdirektor Marc Overmars.

Wöber: Ich war mit meinem Manager schon zuvor in Amsterdam, wir haben uns die Stadt und das Trainingszentrum angesehen und dann für mich entschieden, dass die Perspektive bei Rapid besser ist. Darum haben wir das erste Angebot abgelehnt. Ende August hat mich plötzlich Herr Overmars angerufen und erklärt, dass Ajax mich unbedingt haben will und sie alles dafür tun werden. Er meinte: ‚Du hast bis morgen in der Früh Zeit, um dich zu entscheiden.' Zu diesem Zeitpunkt waren meine Eltern auf Urlaub und ich zwei Wochen alleine daheim. Mama und Papa waren nicht wirklich erreichbar und ich hatte eine schlaflose Nacht. Ich musste alleine für mich die Entscheidung treffen. Wichtige Entscheidungen hatte ich bis dahin immer mit meinen Eltern abgesprochen.

SPOX: Warum hat Ajax Ihnen nur eine Nacht Zeit gegeben?

Wöber: Ich glaube, weil sie den Davison-Sanchez-Deal über die Bühne bringen und gleichzeitig einen Ersatz präsentieren wollten.

SPOX: Davison Sanchez, der im Sommer für 40 Millionen Euro zu Tottenham wechselte, hinterlässt riesige Fußstapfen. Erhöht das den Druck?

Wöber: Mir war klar, dass ich als Ersatz für Sanchez komme und sofort liefern muss. Sanchez ist ein unglaublicher Spieler, der nach nur einem Jahr bei Ajax für 40 Millionen weiter transferiert wurde und jetzt bei Tottenham auch in der Champions League eine ganz starke Saison spielt. Er ist sicher noch ein paar Schritte vor mir.

SPOX: Die kolportierten sieben Millionen Euro, die Ajax für Sie bezahlt hat, sind neben der Sanchez-Ablöse moderat, aber für österreichische Verhältnisse viel. Hat Sie diese Summe verunsichert?

Wöber: Für mich ist das ein unglaublicher Betrag und ich hätte mir niemals vorstellen können, dass jemand für mich so viel Geld bezahlt. Für einen jungen Spieler ist das schon ein wenig Extra-Druck. Das hat mich zum teuersten Spieler der Rapid-Geschichte und auch zum teuersten Ajax-Einkauf im letzten Sommer gemacht. Viele Leute in Amsterdam haben gemeint: Wenn wir einen Österreicher für sieben Millionen holen, dann muss der schon einiges drauf haben.' Aber ich glaube, dass ich die Summe rechtfertige.

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SPOX: Wie ist Ihr Standing als Österreicher?

Wöber: Holländer bezeichnen sich gerne als Fußball-Nation, die Österreicher sind hier eher fürs Skifahren bekannt. (lacht)

SPOX: War damals eine andere Liga auch ein Thema?

Wöber: Ja, aber für mich war klar: Wenn ich wechsle, dann zu Ajax. Hier passt die Perspektive, ich sehe meine Chancen zu spielen und kann irgendwann auch den nächsten Schritt machen.

SPOX: Rapid wird von Fans oft als Religion beschrieben. Da gibt es Gemeinsamkeiten zu Ajax.

Wöber: Ja, auf alle Fälle. Ich bin wieder bei einem Rekordmeister, wieder bei dem Verein mit den meisten und besten Fans. Das ist zwar schön, aber man muss auch liefern. Wenn wir 4:0 gewinnen, heißt es nach dem Spiel: ‚Eigentlich hätten wir 6:0 gewinnen können.' Ähnlich ist es bei Rapid. Die Fans wollen jedes Jahr Meister werden.

SPOX: Haben Sie vor Ihrem Wechsel eine Geschichtsstunde genommen?

Wöber: Ich habe mir jedenfalls den Wikipedia-Artikel durchgelesen. (lacht)

SPOX: Ajax investiert viel Geld in Scouting, die hohen Ausgaben werden durch Transfers refinanziert. Sollten sich österreichische Klubs daran orientieren?

Wöber: Schwer zu sagen. Ajax hat sich da eine Philosophie aufgebaut, die auf Eigenbauspieler setzt. Die Scouting-Abteilung ist zwar unglaublich, aber in Österreich schwer zu finanzieren. Das ist in der Form nur bei Red Bull Salzburg möglich. Ajax holt nicht selten ganz junge Spieler für vier Millionen Euro. Bei Rapid wäre das ein Rekordtransfer.

SPOX: Viele Negativerlebnisse hatten Sie nach zwölf Spielen noch nicht. Was bleibt in Erinnerung?

Wöber: Das größte Spiel war der 4:1-Auswärtssieg gegen Feyenoord. Unsere Fans haben uns vor der Abreise lautstark mit Bengalen verabschiedet und sind uns bis zur Autobahn gefolgt. Als wir wieder ankamen, waren 3.000 Fans vor Ort und haben jeden einzelnen Spieler besungen. Das werde ich nie vergessen.

SPOX: Ein Holland-Fan meinte zu mir, dass Sie auch schon Ihren persönlichen Fan-Gesang haben.

Wöber: Ja, erstmals beim PSV-Spiel. Ich habe Richtung Fans gestikuliert, damit sie uns mehr unterstützen. Sie haben mit einem eigenen Lied reagiert.

SPOX: Viele Ajax-Kicker werden sehr jung sehr gut, gehen aber auch früh. Sehen Sie Ajax als langfristiges Projekt?

Wöber: Wenn ein Verein kommt und 50 Millionen Euro für einen 20-Jährigen auf den Tisch legt, sagt kein Klub der Welt ‚Nein'. Jetzt haben Matthijs de Ligt, Frenkie de Jong und Donny van de Beek ihre Verträge verlängert. Damit wurde eine Basis geschaffen, die hoffentlich zwei Jahre erhalten bleibt. Aber wie jeder Fußballverein ist Ajax ein Unternehmen und muss aufs Geld schauen. Da sagt man zu 50 Millionen schwer ‚Nein'.

SPOX: Wo hat sich Max Wöber seit August 2016 verändert?

Wöber: Am Anfang habe ich mir schwer getan, ich selbst zu sein. Meine "Wiener" Persönlichkeit offen zu zeigen. Ich würde mich als sehr offen bezeichnen, ich bin für jeden Blödsinn zu haben. Wenn alles neu ist, man noch kein Standing hat und nicht weiß, wo man in der Mannschaft steht, ist es nicht leicht, selbstbewusst aufzutreten. Aber diesen Sprung habe ich jetzt geschafft. Und mein Englisch dabei verbessert. (lacht)

SPOX: Sie haben am Tag nach Ihrem Debüt für Rapid gegen Valencia auf die Frage, wo Sie sich in zwei Jahren sehen, geantwortet: "Kommt drauf an, wie oft ich spiele. Reden wir in zwei Jahren weiter." Jetzt sind zwei Jahre vergangen. Sind Ihre Träume in Erfüllung gegangen?

Wöber: Ich habe seither Höhen und Tiefen erlebt. Sicher nicht optimal war die letzte Rapid-Saison, wir blieben hinter den Erwartungen, haben einige Trainer-Wechsel erlebt. Für mich persönlich hätte es mit dem Ajax-Wechsel aber nicht besser laufen können. Für mich war es ein großer Schritt, Ajax ist ein Riesenklub. Wer weiß, was in den nächsten zwei Jahren passiert.

SPOX: Sie haben die zahlreichen Trainerwechsel angesprochen. Barisc, Büskens, Canadi, Djuricin - welcher Trainer hat Sie geprägt?

Wöber: Zu Beginn mit Sicherheit Trainer Barisic, der mir die Chance bei den Profis gegeben hat, mich zu einem fixen Bestandteil der Kampfmannschaft gemacht und mir gegen Valencia zum Debüt verholfen hat. Und auf jeden Fall Trainer Djuricin, der mir schon beim ersten Training gesagt hat: Egal was passiert, egal welche Fehler du machst, du wirst immer spielen. Das hat mir unglaubliches Selbstbewusstsein gegeben. Dadurch konnte ich so gute Leistungen liefern.

SPOX: Ich habe Ihre Opta-Daten von Ajax mit jenen von Rapid verglichen. Ihre Zweikampfquote ist ähnlich, nur die Passquote wurde besser. Die meisten Bälle spielen Sie zu De Ligt, gefolgt von Spielmacher Ziyech. Umgekehrt sucht Sie De Ligt ebenfalls oft. Wie teilt ihr euch den Spielaufbau ein?

Wöber: Sehr ausgeglichen. Matthijs und ich sind zwei Spieler, die ihre Stärken im Aufbauspiel haben. Wenn meine Seite zu ist, kann ich den Ball zu ihm ablegen, er geht in den Raum und spielt einen entscheidenden Pass. Von dem her funktioniert das zwischen uns super.

SPOX: Sie haben von allen jungen Spielern der Liga nach De Ligt die höchste Passgenauigkeit. Hat Ihnen dieses Attribut den Ajax-Transfer ermöglicht?

Wöber: Ajax hat einen modernen Innenverteidiger gesucht, der sich auch an der Offensive beteiligen kann. Von dem her passt mein Profil recht gut zum Verein.

SPOX: Die Intensität im Training ist bei Ajax im Vergleich zu Rapid enorm, oder?

Wöber: Auf jeden Fall, man muss im Kopf viel schneller sein und das wirkt sich auch auf den Körper aus. Die Übungen bei Ajax verlangen viele schnelle, kurze Bewegungen und das spürt man dann auch sofort. Man wird im Kopf und in den Beinen müde, die Eingewöhnung war am Anfang nicht einfach.

SPOX: Ist das Niveau einiger anderer Eredivisie-Mannschaften mit Österreich vergleichbar?

Wöber: Das technische Niveau ist schon höher. Es gibt auch keinen Verein, der sich wie bei uns in Österreich nur hinten reinstellt und 90 Minuten bunkert. Jede Mannschaft probiert mitzuspielen, niemand schießt den Ball nach vorne und schaut was passiert. Der Spielaufbau ist ganz anders.

SPOX: Wie ist es dann möglich, dass die niederländische Nationalmannschaft so schwächelt?

Wöber: Ein ähnliches Mysterium, wie die österreichische. Warum sind wir nach der EM so abgefallen? Das wird sich bei beiden Nationen wieder ändern. Die Holländer sind extrem enttäuscht und das ist auch nicht ihr Anspruch.

SPOX: Wo unterscheidet sich Ajax' Spielphilosophie mit jener von Rapid?

Wöber: Wir wollen den Ball fast nur im Mittelfeld halten und erst im letzten Drittel über außen spielen. Ansonsten ist die Taktik und das Pressing mit jenem von Rapid vergleichbar, maximal die Umsetzung ein wenig anders. Auch weil natürlich die Qualität höher ist.

SPOX: Könnten Rapids Topspieler wie Schaub, Schobesberger oder Schwab bei Ajax mithalten?

Wöber: Auf alle Fälle haben sie die Qualität dafür.

SPOX: Schobesberger zählt zu Ihren besten Freunden, mit wem verstehen Sie sich bei Ajax gut?

Wöber: Tormann Konstantinos Lamprou, der mich jeden Tag mit dem Auto mitnimmt. Auch mit Joël Veltman und Lasse Schöne verstehe ich mich irrsinnig gut. Und mit den ganzen Jungen natürlich auch.

SPOX: Also stimmt das Gerücht nicht, dass Sie jeden Tag mit dem Rad zum Training fahren?

Wöber: (lacht) Auf keinen Fall! Noch nie. Die Leute fahren hier zwar alle mit dem Rad, ich gehöre aber nicht dazu.

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