Zürich: Bewegende Stellungnahme nach Dwamena-Drama

SID
Samstag, 26.08.2017 | 17:16 Uhr
Raphael Dwamena wechselt nicht nach England
© GEPA
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Ex-Austria-Lustenau-Kicker Raphael Dwamena hätte für viele, viele Millionen Euro vom FC Zürich zu Brighton & Hove Albion in die Premier League wechseln sollen. Doch der talentierte Stürmer aus Ghana (21) bestand den Medizincheck nicht.

Nun veröffentlichte der FC Zürich auf seiner Homepage eine bewegende Stellungnahme:

Das Leben spielt manchmal sonderbare Streiche. Da bietet ein englischer Verein 15 Millionen Franken für einen Stürmer, der talentiert ist, aber erst fünf Partien in der Super League gespielt hat. Ein Angebot, das einer Traumwelt entflogen ist, so denkt man, und der Club nicht ablehnen kann. Und tatsächlich, der Wechsel geht über die Bühne, alle sind sie zufrieden - bis vier Tage später, um 18.13 Uhr der abgebende Club ein Communiqué versendet. Es trägt den Titel: «Brighton & Hove Albion zieht Transferangebot zurück».

Bumm. Das sitzt. Beim Verein: dem FC Zürich. Beim Spieler: Raphael Dwamena, 21 Jahre alt, aus Ghana.

Es soll das Herz sein

Grund für den Rückzieher ist ein medizinisches Problem. Es ist ein Problem, von dem auch der FCZ wusste. Als Dwamena im Januar von Lustenau nach Zürich wechselte, hat die Schulthess-Klinik beim Medizincheck eine Abweichung von der Norm entdeckt. Wie englische Medien berichten, soll es sich um das Herz handeln. Jedenfalls kam der FCZ damals zum Schluss, dass die Abweichung weder gesundheitsgefährdend ist, noch die Leistungsfähigkeit beeinflusst. Der Club gibt sich überrascht und wird in den kommenden Tagen prüfen, ob sich die Sachlage in den vergangenen acht Monaten verändert hat.

Der Wechsel ist also geplatzt. Auf eine Weise, die überrascht, aber keineswegs von grösster Seltenheit ist. Ruud van Nistelrooy, Kevin Prince Boateng oder auch Scott Chipperfield haben ähnliche Erfahrungen machen müssen.

So viel zur Theorie. Bei Dwamena handelt es sich um einen Spieler, der seit Kindesalter in Ghana vor dem Fernseher gesessen und Premier League geschaut hat. Es war sein Traum, einmal in England zu spielen. Und siehe da, er ist plötzlich, was er träumt. Dwamena wäre gestern so oder so nach Zürich zurückgekehrt, hätte seine Sachen gepackt und wäre am Montag als Held nach Ghana geflogen zur Nationalmannschaft - mit dem Wissen, dass die Jungen Ghanas nun auch ihm beim Spielen zuschauen.

Er muss sich nun von dieser Vorstellung verabschieden, zumindest zwischenzeitlich. Das ist hart. Die grösste Frage ist darum, wie Raphael Dwamena diesen seltsamen Wink seines Sportlerlebens verkraftet. Im Communiqué schrieb der FCZ, dass der Club überzeugt sei, «dass er sich wieder vollumfänglich für den FC Zürich engagieren wird».

Das Naturell von Dwamena lässt einen dies glauben. Wer mit dem Mann mit dem scheuen Lachen spricht, hört immer wieder das Wort «Destiny», Schicksal. Der 21-Jährige hat sein Leben in die Hand Gottes gelegt, er sagt, das gebe ihm Halt, wie er es in seinem Leben noch nie gespürt habe. Das legt nahe, dass er den Verbleib in Zürich akzeptieren kann. Kommt dazu, dass der Ghanaer nie den Eindruck gemacht hatte, er müsse um jeden Preis nach Brighton wechseln. Seine Freundin habe ihm gar geraten, er solle noch ein bisschen in Zürich bleiben, die Stadt tue ihm gut.

Auch für den FCZ ist die Absage ein Dämpfer. 15 Millionen Franken sind viel Geld, es hätte das strukturelle Defizit für mehrere Jahre gedeckt.

Fantasien mit Dwamena

Aber: Der FCZ hat mit dem Transfer bewiesen, dass er für junge Fussballer ein Schaufenster für die ganz grossen Ligen sein kann - das ist auch jetzt noch der Fall. Und: Es bleibt der Mannschaft damit auch der talentierteste und eleganteste Stürmer erhalten. Einer, der wunderbare Tore schiessen und mit seiner Wucht durch gegnerische Abwehrreihen stürmen kann. Einer, der zu Fantasien anregt. Nicht nur in Sachen Transfersummen, mit Dwamena verbinden sich auch viele Ambitionen - noch ist der FCZ Tabellenerster.

Ob der zweifache Saisontorschütze gegen Luzern spielt, will Trainer Uli Forte in den kommenden Tagen nach einem Gespräch entscheiden.

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