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Rapids Mateo Barac im Interview: "Mein Weg war wirklich nicht einfach"

Mateo Barac, dahinter Michael Liendl
© GEPA

Mateo Barac' Karriereaufstieg verlief ziemlich plötzlich ziemlich steil. Lange trudelte der 24-Jährige zwischen den Ligen zwei und drei in Kroatiens Unterhaus. Erst im Juli 2016 erhielt Barac nach einigen Stationen seine Chance bei NK Osijek in der Hrvatska Nogomentna Liga (1. HNL) und nutzte sie. Sechs Monate später debütierte Barac für die kroatische Nationalmannschaft und landete ein Jahr nach seinem Erstliga-Debüt beinahe bei Ajax Amsterdam.

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Auffälligkeiten beim Medizincheck verhinderten den Millionen-Transfer des 190-Zentimeter-Innenverteidigers schließlich. Barac kickte eine weitere Saison in Osijek und wechselte schließlich im Juli für kolportierte 1,3 Millionen Euro zum SK Rapid. Im Interview mit SPOX spricht Barac über eine unangenehme Erfahrung in Amsterdam, seinen Transfer nach Hütteldorf und Ziele mit Rapid.

SPOX: Herr Barac, wie sind Ihre ersten Impressionen nach zwei Monaten in Wien?

Mateo Barac: Die ersten Monate waren echt gut. Die Stadt und der Klub sind fantastisch. Mir ist schnell aufgefallen, dass in Wien viele Kroaten und Serben leben. Ich habe im 19. Bezirk die nette Einzimmerwohnung von Giorgi (Kvilitaia, Anm.) bezogen, eine sehr ruhige Gegend. Ich brauche zwar noch, bis ich mit meinem Deutsch zufrieden bin und mich an Rapids Spielphilosophie perfekt adaptiert habe, aber bis jetzt bin ich mit dem Prozess zufrieden. Auch wenn ich sagen muss, dass ich persönlich noch nicht am Plafond angekommen bin.

SPOX: Von Osijek nach Wien ist kein kleiner Schritt, oder?

Barac: Ich habe zuvor in Split und Zagreb gelebt, das hat sich schon eher nach Stadt angefühlt, aber Osijek hat gerade einmal 100.000 Einwohner. Wien ist wirklich nicht vergleichbar. Hektischer, viele Menschen, überall Autos und egal wo man hinwill - 20 Minuten sollte man immer einplanen.

SPOX: Haben Sie schon ein paar kroatische Restaurants besucht? In Wien gibt es einige.

Barac: Ich habe in der Ottakringerstraße ein paar Kroaten in ihren Kaffees besucht und die großen Sehenswürdigkeiten gesehen, aber ich bin ehrlich gesagt nicht so der Typ dafür. Ich bin lieber daheim und raste statt durch die Stadt zu laufen. Gerade jetzt mit der Doppelbelastung brauche ich Ruhe und Schlaf.

SPOX: Wie kam Ihr Wechsel zu Rapid zustande? Überraschend, oder hat sich das länger gezogen?

Barac: Ich habe meinem Berater in Osijek damals gesagt, dass er sich bitte nur melden soll, wenn er eine attraktive, konkrete Chance für mich hat. Es fällt mir schwer, mich auf das Spiel zu konzentrieren, wenn ich einen Transfer im Kopf habe. Die Sache mit Rapid ging dann recht schnell über die Bühne. Ich las ein paar Gerüchte, dann näherten sich beide Klubs bei der Ablösesumme an und dann ging alles recht schnell.

SPOX: Waren Sie jemals mit anderen Klubs aus Österreich in Kontakt?

Barac: Nein, nicht dass ich mich erinnern könnte. (lacht)

SPOX: Sie waren für ein paar Monate beim FC Wohlen in der Schweiz, haben dann aber keine Arbeitserlaubnis bekommen.

Barac: Ich war zwei Monate in Wohlen, der Vertrag war unterschrieben und ich wartete auf die Arbeitserlaubnis - die kam aber nie. Also ging ich zurück nach Kroatien und spielte in der zweiten Liga für Dragovoljac in Zagreb. Mein Karriereweg war wirklich nicht einfach. Ich spielte lange in der dritten Liga, dann in der zweiten Liga, dann wieder ein halbes Jahr in der dritten Liga und erst später bekam ich meine Chance in Osijek. Aber mich hat das stärker gemacht. Wie auch vor einem Jahr, als mein Transfer zu Ajax platzte.

SPOX: Der Transfer ging aus gesundheitlichen Gründen nicht über die Bühne. Was ist passiert?

Barac: Meine Aorta war erweitert, aber im Rahmen. Ich hatte zuvor keine medizinischen Bilder von meinem Herzen, darum konnte ich nicht beweisen, dass meine Aorta immer so aussieht.

SPOX: Ajax war nach der Tragödie um Abdelhak Nouri (Nouri erlitt während eines Testspiels einen Herzstillstand und erwachte erst 13 Monate später aus dem Koma) wohl vorsichtig.

Barac: Diese furchtbare Sache mit Nouri passierte rund einen Monat zuvor, mir tut's für ihn so unendlich leid. Ajax war durch diesen Vorfall sehr sensibilisiert. Er hatte zuvor nie Herzprobleme, die MRI-Bilder waren völlig unauffällig. So etwas kann uns allen passieren. Unser Körper ist kompliziert. Bei mir wollten sie nichts riskieren, weil sie nicht wussten, ob ich so geboren wurde, oder sich meine Aorta erst jetzt beginnt zu weiten. Ersteres ist der Fall, aber ich konnte es nicht beweisen. Für mich war das eine harte Zeit.

SPOX: Wie lange mussten Sie daran knabbern?

Barac: Man sagt sich zwar immer: ‚Nächstes Jahr bekomme ich wieder eine Chance', aber es ist sehr schwer, den Kopf frei zu bekommen. Als ich aus Amsterdam zurückkam, spielte ich eine ganz starke Partie für Osijek. Aber nach ein paar Wochen realisierte ich erst, was passierte, wo ich gerade sein könnte. Aber so ist das Leben. Wäre ich letztes Jahr zu Ajax gewechselt, könnte ich jetzt nicht hier sein. Was ich ziemlich verrückt finde: Ajax holte dann mit Max Wöber einen Rapid-Innenverteidiger an meiner Stelle. Verrückter Zufall. (lacht)

SPOX: Und jetzt sind Sie in Hütteldorf. Was hat für Rapid gesprochen?

Barac: Für mich ist Geld nicht wichtig. Ich hätte bei anderen Klubs mehr Geld verdienen können, in Russland zum Beispiel. Ich wollte bei einem Traditionsverein in Europa spielen, bei dem ich sehen kann, wo mein Limit ist. Wo das liegt, kann ich noch nicht sagen, aber ich glaube an mich. Die Entscheidung für Rapid war einfach - tolle Stadt, toller Klub, tolle Fans, Tradition und die Chance auf Spielpraxis. Trainer, Sportdirektor, Präsident - alle wollten mich unbedingt. Das weiß ich sehr zu schätzen.

SPOX: Rapid hat eine große kroatische Vergangenheit - von allen Legionären kommen die zweitmeisten aus Kroatien (14), nur aus Deutschland kamen mehr (20). Kennen Sie ein paar?

Barac: Ivan Mocinic natürlich, toller Spieler mit viel zu viel Pech - ich bin froh, dass er jetzt wieder trainieren kann. Hoffentlich ist bei ihm bald alles okay. Dazu kenne ich noch Matej Jelic aus der kroatischen Liga. Und natürlich die Legende Zlatko Kranjcar und Nikica Jelavic, der ein fantastischer Stürmer ist.

SPOX: Sie haben - gegen Chile - eine Partie für die kroatische A-Nationalmannschaft absolviert. Ist eine Rückkehr über Rapid realistisch?

Barac: Ja, das war bei einem Turnier in China. Ich denke ich kann es wieder in die Nationalmannschaft schaffen, aber dafür muss Rapid generell einen Lauf bekommen, im besten Fall sogar in der Europa League. Dann steigt das Prestige der ganzen Mannschaft. Die Chancen sind dann da, aber unser Land hat hervorragende Innenverteidiger bei Top-Klubs. Duje Caleta-Car hat nach einer überragenden Saison bei Salzburg den Sprung in den WM-Kader geschafft.

SPOX: Die Ansprüche sind bei Rapid denkbar hoch, in der Liga liegt man unter den Erwartungen. In der Europa League gelang der Einzug in die Gruppenphase. Wie sieht Ihre Zielsetzung aus?

Barac: In der Liga müssen wir versuchen, ganz nach oben zu kommen. Das ist das Minimum. Klar, Salzburg ist der Favorit auf den Meistertitel, aber wir müssen sie zumindest fordern. Wenn wir an uns glauben, können wir sicher irgendwann auch Erster werden. Dafür spielen wir Fußball. Warum schon vorher aufgeben? Und in der Europa League: Villarreal ist die beste Truppe in unserer Gruppe. Wir wollen uns Platz zwei schnappen, Spartak Moskau und Glasgow Rangers sind gute Teams, aber wir haben eine Chance.

Mateo Barac' Karrierestationen

Datum
12.07.2018NK OsijekRapid Wien
01.07.2016HNK SibenikNK Osijek
09.02.2015Hrv DragovoljacHNK Sibenik
31.08.2014FC WohlenHrv Dragovoljac
18.07.2014Junak SinjFC Wohlen
19.08.2013Hajduk U19Junak Sinj
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