Reife Salzburger, inferiore Borussen

Von Christoph Kristandl
Freitag, 16.03.2018 | 06:13 Uhr
Xaver Schlager: Eines der abgebrühten Salzburger Talente

Die Red-Bull-Salzburg-Kicker ließen sich nach Spielende des 0:0 gegen Borussia Dortmund gebührend beklatschen und auch in der Kabine wurde ausgelassen gefeiert. Zurecht, denn nicht nur das Ergebnis aus zwei Spielen gegen den Favoriten aus Deutschland überzeugte, sondern vor allem die Art und Weise.

Abgebrüht ließen die Bullen den BVB nie richtig in die Partie kommen, auf die große Offensive der Schwarz-Gelben wartete man vergeblich. "Ich glaube schon, dass es im Spiel Phasen gab, in denen Dortmund mehr in unserer Hälfte war und gedrückt hat. Aber wir haben das als Mannschaft gut gelöst, alles zugelaufen, wenig zugelassen", analysierte Andreas Ulmer.

Sportchef Christoph Freund gab zwar zu, dass ihn das Spiel ziemlich geschlaucht habe und die Anspannung bei ihm erst in der 88. Minute nachließ, viel Grund dazu bot ihm sein Team aber eigentlich nicht.

Lob für souveräne Jungbullen, einsatzfreudige Routiniers

Nicht einmal die vielen kleinen Schiedsrichterentscheidungen, die oft gegen Salzburg ausfielen, brachten die Bullen aus dem Konzept. "Sie sind schon sehr reif, teilweise bemerkenswert, wie reif, wenn man bedenkt, dass es für viele das erste Mal ist, dass sie auf so einer Bühne spielen", lobte Freund. "Hut ab. Ich denke mir auf der Tribüne oft: Wahnsinn, in welch kurzen Zeit sich die Jungs auf dieses Niveau steigern. Chapeau."

Man durfte sich wirklich wundern, wie sattelfest Talente wie Xaver Schlager oder Amadou Haidara eine K.o.-Partie gegen Dortmund herunterspielten. "Aber gar nicht nur die Jungen. Wenn ich einen Andre Ramalho sehe, einen Andi Ulmer, Alex Walke, Valon Berisha, die rennen sich die Seele aus dem Leib. Die Mischung macht es aus. Und wir haben im Moment eine richtig gute Mischung", wollte Freund keinen seiner Kicker hervorheben.

"Es ist im Moment überwältigend, dass wir weitergekommen sind und wir haben niemand geringeren als Borussia Dortmund ausgeschaltet. Das ist, denke ich, für den gesamten österreichischen Fußball genial. Wir haben wirklich den 11. Platz abgesichert, ein Wahnsinn, das hätte uns niemand zugetraut, vor drei, vier Jahren", frohlockte der Sportchef.

Video: Xaver Schlager hatte die Salzburger Führung auf dem Fuß

Stögers Borussen lassen alles vermissen

Kaum gegenteiliger könnte die Stimmungslage auf der Gegenseite sein. Bezeichnend, dass sich alle in Schwarz-Gelb einig waren, dass man völlig gerechtfertigt gegen Salzburg ausgeschieden ist.

"Wir haben vor allem erste Halbzeit nahezu nichts von dem gezeigt, was wir uns vorgenommen haben", erklärte ein sichtlich angefressener Peter Stöger. "Es gibt im Fußball verschiedene Dinge, um zum Erfolg oder zu Torchancen zu kommen. Da gehört spielerische Qualität dazu. Da hätten wir gemeint, dass wir genug davon am Spielfeld haben in der ersten Halbzeit. Gesehen haben wir davon leider gar nichts", so Stöger, der zur Pause Marco Reus mit Adduktorenproblemen und den schwachen Mario Götze in der Kabine ließ.

Niederschmetternde Selbstdiagnosen der Borussen

Der WM-Siegtorschütze war es auch, der sich einen Extrarüffel von seinem Chef einfing. "Mit Mario waren wir überhaupt nicht einverstanden. Wenn überhaupt nicht das passiert, was man sich vorstellt und was man erwartet, muss man anderen Jungs die Chance geben", sagte Stöger.

In Halbzeit zwei habe sein Team mit einem etwas couragierteren Auftritt gezeigt, dass es zu Torchancen kommen kann. "Aber am Ende des Tages muss man sagen, dass die Salzburger aufgrund beider Spiele absolut verdient weiter sind. Dazu muss man gratulieren, ich muss meinen Landsleuten ein Kompliment aussprechen", so Stöger.

Gonzalo Castro attestierte seiner Mannschaft zwar, sich in die Zweikämpfe geworfen zu haben, musste aber auch eingestehen: "Das ist eine bittere Erkenntnis, wenn wir sagen müssen, dass Salzburg besser war über zwei Spiele."Eine noch offenere Selbstdiagnose lieferten Andre Schürrle und Roman Bürki. Während ersterer meinte, "Wir haben den Kampf in zwei Spielen nicht angenommen", fällte der BVB-Keeper ein Urteil, über das sich Peter Stöger und seine Mannen schleunigst Gedanken machen sollten: "Wir müssen lernen, dass man 100 Prozent Einsatz und Wille braucht."

Peter Stögers Trainer-Bilanz gegen Red Bull Salzburg

SaisonVereinSiegeUnentschiedenNiederlagen
2005/06Austria Wien101
2011/12Wiener Neustadt013
2012/13Austria Wien022
2017/18Borussia Dortmund011
GESAMT 147
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