Fussball

Verfahren gegen den BVB – folgen noch mehr?

Von SPOX Österreich
Foto: Pixabay.com, © hpgruesen, CC0 1.0
© Foto: Pixabay.com, © hpgruesen, CC0 1.0

Der BVB sieht sich mit einem Verfahren konfrontiert, das die Bezirksregierung Düsseldorf gegen den Verein eingeleitet hat. Der Vorwurf: Verstoß gegen das Werbeverbot für illegale Glücksspielangebote. Zuvor hatte bereits der DFB heftige Kritik wegen seiner Werbung für den Wettanbieter Bwin einstecken müssen. Der Umgang der Bezirksregierung mit dem BVB dürfte Signalwirkung für andere Vereine und die ganze Liga haben. Da stellt sich die Frage: Werden noch weitere Vereine angeklagt?

Was genau ist das Werbeverbot für Glücksspiel?

Es gibt in Deutschland durchaus einige Arten von Glücksspiel, die legal sind. Welche das sind, ist im sogenannten Glücksspielstaatsvertrag geregelt. Somit ist es ohne Weiteres möglich, Sportwetten in Deutschland anzubieten, an diesen teilzunehmen und sie zu bewerben. Ebenso gilt aber ein striktes Verbot für bestimmte Arten von Glücksspiel. Hierzu zählen beispielsweise einige virtuelle Glücksspielangebote, wie sie in Online-Casinos zu finden sind. Da solche Angebote nach deutschem Recht illegal sind, darf auch nicht für sie geworben werden.

In diesem Punkt gehen allerdings die Meinungen der Bezirksregierung, von Borussia Dortmund und von Bwin auseinander. Während die Bezirksregierung meint, dass die Angebote von Bwin teilweise illegal sind, meint der Wettanbieter, dass die deutschen Regelungen europarechtswidrig wären. Und tatsächlich hat Bwin eine Lizenz von Gibraltar, die das Angebot von Glücksspielen in Online-Casinos in der EU erlaubt. Da aber die deutsche Rechtsprechung in diesem Punkt alles andere als eindeutig ist, kommt es zu diesen unterschiedlichen Sichtweisen.

Stephan Naumann von onlinecasinodeutschland.com sagt, dass sich der BVB selbst keiner Schuld bewusst sei. Zum einen erklärt die Vereinsführung, dass sich der Werbevertrag ausschließlich auf das Sportwetten-Angebot beziehe. Zum anderen betont Sascha Flige von Borussia Dortmund, dass dem Verein derzeit nichts von einem Verfahren wegen Verstoßes gegen das Werbeverbot für Glücksspiel bekannt sei.

Das wirft die Bezirksregierung Düsseldorf dem BVB vor

Die Bezirksregierung Düsseldorf hat sich die Webseite von Borussia Dortmund eingehend und über einen längeren Zeitraum hinweg angesehen. Das Ergebnis: Der Verein betreibe Werbung für den Wettanbieter Bwin, die über die reine Dachmarkenwerbung hinausgehe. Unter Dachmarkenwerbung versteht man Werbung, die lediglich ein Unternehmen bewirbt, jedoch nicht ein konkretes Produkt oder eine Dienstleistung dieses Unternehmens. Der BVB ist der Meinung, dieser Auflage gerecht zu werden. Immerhin bewerbe der Verein ausschließlich den Wettanbieter Bwin und mache keinerlei Werbung für dessen Online-Casinos und Glücksspielangebote.

Dieser Argumentation will die Bezirksregierung Düsseldorf nicht so recht folgen. Denn immerhin verlinke der BVB auf seiner Homepage die Webseite von Bwin. Auf dieser werden allerdings nicht nur die in Deutschland legalen Sportwetten beworben, sondern auch die Glücksspielangebote des Wettanbieters in dessen Online-Casinos. Hinzu komme, dass der BVB in seinem Stadion gezielt Bannerwerbung für Bwin mache. Die Aufsichtsbehörden streben daher an, dass der Verein maximal gezielte Werbung für die Sportwetten machen dürfe und ansonsten Sorge dafür zu tragen habe, dass darüber hinausgehende Werbung unterbleibt.

Auch der DFB hat bereits Ärger gehabt

Mit dieser Kritik seitens der Aufsichtsbehörden sieht sich Borussia Dortmund in guter Gesellschaft. Denn auch der DFB hatte bereits Ärger mit diesen Instanzen. Immerhin kam vor einiger Zeit ein überaus lukrativer Vertrag zwischen dem DFB und dem bekannten Wettanbieter zustande, was den zuständigen Behörden ein Dorn im Auge ist. Das ist insbesondere wegen des sehr weitreichenden Sponsorenvertrag zwischen Bwin und dem DFB der Fall. So ist die Werbung unter anderem beim DFB-Pokal, aber auch in der dritten Bundesliga und bei der Bundesliga der Frauen zu sehen. Die Vorsitzende des Glücksspiel-Kollegiums sieht daher eine berechtigte Gefahr, dass ein generelles Werbeverbot für Bwin ausgesprochen werden könnte.

Dieser Gefahr sieht sich nun auch der BVB ausgesetzt. Sollte das Verfahren der Bezirksregierung Düsseldorf zu einem solchen Werbeverbot führen, dürfte Borussia Dortmund keine Werbung mehr für Bwin machen, unabhängig davon, ob lediglich die Sportwetten oder die gesamte Dachmarke beworben würde. Außerdem drohen dem Verein empfindliche Geldbußen, sollte sich herausstellen, dass er tatsächlich gegen de Glücksspielstaatsvertrag verstoßen und illegale Glücksspiele in Online-Casinos beworben hat.

Wird es noch zu weiteren Verfahren kommen?

Die Wahrscheinlichkeit, dass noch weitere Verfahren gegen Fußballvereine wegen ihrer Kooperationen mit Bwin angestrebt werden, ist recht hoch. Denn der Wettspielanbieter ist einer der Hauptsponsoren im deutschen Fußball. Beispielsweise werben sämtliche 20 Drittliga-Vereine für Bwin und auch in der ersten und zweiten Bundesliga ist das Unternehmen stark vertreten. Doch nicht nur Bwin allein ist Kooperationen mit Fußballvereinen eingegangen. In der ersten, zweiten und dritten Bundesliga machen insgesamt 56 Vereine Werbung für einen Glücksspielanbieter.

Die entsprechenden Sponsorenverträge sind für die Fußballvereine sehr lukrativ. So hat zum Beispiel der Vertrag, den der DFB mit Bwin im Januar 2019 für die kommenden vier Jahre abgeschlossen hat, ein Volumen von insgesamt 50 Millionen Euro. Und auch der BVB verdient kräftig mit. Laut Medienberichten bekommt der Verein für die Werbung jährlich drei Millionen Euro von Bwin. Durch die Einleitung von Verfahren möchten die Aufsichtsbehörden sicherstellen, dass der Schutz vor Spielsucht nicht den wirtschaftlichen Interessen der Vereine geopfert wird. Deswegen ist davon auszugehen, dass bei einem erfolgreichen Verfahren gegen den BVB noch weitere folgen werden.

Fazit: Weitere Verfahren sind nicht auszuschließen

Es ist nicht auszuschließen, dass in Zukunft noch weitere Verfahren gegen Fußballvereine angestrebt werden, die Werbung für Glücksspielanbieter machen. Der Grund hierfür ist die unsichere Rechtslage in Deutschland. Es ist einfach nicht klar, welche Angebote genau beworben werden dürfen und welche illegal sind. So vergibt zum Beispiel Schleswig-Holstein Lizenzen für solche Anbieter beziehungsweise verlängert die bereits bestehenden Lizenzen. Dieser Praxis schließen sich die anderen Bundesländer bisher nicht an. Zudem darf das deutsche Recht dem Europarecht nicht widersprechen. Laut diesem ist es aber durchaus möglich, Werbung für Online-Casinos zu machen. Da die unterschiedlichen Sichtweisen beide auf nachvollziehbaren Argumenten beruhen, ist nicht eindeutig vorherzusagen, wie das von der Bezirksregierung Düsseldorf angestrebte Verfahren gegen den BVB ausgehen wird. Fest steht jedoch, dass der Ausgang des Verfahrens Auswirkungen auf andere Vereine und deren Werbepraxis haben wird.

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung