Fussball

Florian Grillitsch im Interview: „Das ist komplett nach hinten losgegangen“

Florian Grillitsch im Interview.

Florian Grillitsch wechselte vor sechs Jahren von der Fußballakademie in St. Pölten in die deutsche Bundesliga. Zunächst etablierte er sich bei Werder Bremen, ehe er in dieser Saison das erste Champions-League-Tor der Vereinsgeschichte von TSG Hoffenheim erzielte.

Im Interview mit SPOX spricht er über Gerüchte um einen Wechsel zu Tottenham und den verpatzten Start des ÖFB-Teams in die EM-Qualifikation. Außerdem wehrt er sich gegen Kritik von Ex-ÖFB-Trainer Andreas Heraf und erklärt, warum er sich die ORF-Übertragungen in Deutschland wünscht.

Herr Grillitsch, Sie haben sich bei Hoffenheim als absoluter Stammspieler etabliert. Welche Note würden Sie sich für die aktuelle Spielzeit geben?

Florian Grillitsch: Das ist richtig schwer zu sagen, denn es waren einige gute, aber auch schlechtere Phasen dabei. Ich denke aber, dass die guten überwiegen, vor allem meine Leistungen in der Champions League waren ansprechend. Mit den Spielen in der Bundesliga bin ich teilweise zufrieden, ich versuche mich sowieso laufend zu steigern und alles aus mir herauszuholen.

Was hätte für Sie persönlich noch besser laufen können?

Grillitsch: Wenn man als Mannschaft erfolgreich ist, dann profitieren auch die Einzelspieler davon. Ein Weiterkommen in der Champions League wäre großartig und durchaus möglich gewesen. Das ist schade, denn wir konnten unsere guten Leistungen nicht in Ergebnisse umwandeln. Jetzt stehen noch spannende Duelle vor uns. Die Tür in Richtung Europa ist noch offen.

Im Alter von 17 Jahren wechselten Sie nach Deutschland. In Österreich wird häufig diskutiert, wann Talente den Weg ins Ausland wagen sollen. Würden Sie alles genauso wieder machen?

Grillitsch: Auf jeden Fall. Jetzt fällt es mir leicht zu sagen: Aus heutiger Sicht habe ich alles richtig gemacht. Ich würde aber jedem jungen Spieler raten, die Chance auf einen Auslandstransfer zu nutzen. Ich persönlich mache bis heute gute Erfahrungen damit. Vom ersten Tag an lernte ich stetig dazu, persönlich und sportlich. Der Fußball in Deutschland ist eben noch einmal eine andere Hausnummer als in Österreich.

Wie schwierig war der Wechsel aus persönlicher Sicht?

Grillitsch: Diesen Schritt ins Ausland kann man nicht Hals über Kopf beschließen. Mein Traum war es schon immer, in der deutschen Bundesliga zu spielen. Werder Bremen bot mir einen guten Weg, es zum Bundesliga-Spieler zu schaffen. Das überzeugte mich. Nach vielen Gesprächen mit meinen Eltern wagte ich den Schritt. Am Anfang war es schwierig, ich übersiedelte mit 17 nach Bremen. Das Heimweh zu Beginn war groß, glücklicherweise fügte ich mich schnell ein. Meine Kollegen haben mich toll aufgenommen.

Vor zwei Jahren wechselten Sie zur TSG Hoffenheim. Was war ausschlaggebend für diesen Transfer?

Grillitsch: Es war eine bewusste Entscheidung hinsichtlich der bestmöglichen Entwicklung. Es gab viele Gespräche - auch mit anderen Vereinen - aber Hoffenheim gab mir die beste Perspektive. Nach einem persönlichen Treffen mit Julian (Nagelsmann, Hoffenheim-Trainer, Anm.) war ich überzeugt davon, hier meinen nächsten Schritt auf der Karriereleiter zu machen. Ich bin aber sicher noch nicht am Ende meiner Entwicklung angelangt.

Florian Grillitsch über seinen CL-Treffer & Tottenham-Gerüchte

Dieser Schritt machte sich im Besonderen zu Beginn der Saison bemerkbar, als Sie mit Hoffenheim ihr Debüt in der Champions League feierten. Bereits nach sechs Minuten erzielten Sie das erste CL-Tor der Vereinsgeschichte. Ist diese Szene noch präsent?

Grillitsch: Sicher! Ich habe es noch genau vor Augen, wie diese Aktion abgelaufen ist. Es war für die meisten von uns das erste Champions-League-Spiel. An diese Emotionen werde ich mich immer gerne erinnern. Leider hat es nicht für die K.o.-Phase gereicht, aber es war eine sehr gute Erfahrung.

Über Ihren Trainer Nagelsmann sagten Sie einst, dass er ein Fußball-Fanatiker sei. "Man muss den Kopf einschalten", wenn er Anweisungen gibt. Ist das auf Dauer anstrengend, wenn er Sie auch abseits des Platzes fordert?

Grillitsch: Anstrengend wäre das falsche Wort. Jeder von uns will weiterkommen im Fußball und irgendwann bei einem Top-Klub spielen. Julian ist für die Entwicklung sehr gut. Er gibt einem in jeder Ansprache viele Informationen mit und macht einen dadurch besser.

Nagelsmann wird Hoffenheim zu Saisonende verlassen. Wird dadurch auch ein Abschied Ihrerseits wahrscheinlicher?

Grillitsch: Ich mache meine Karriere nicht ausschließlich an Julian fest. Mit Alfred (Schreuder, neuer Chefcoach ab kommender Saison, Anm.) kommt ein kompetenter Mann, der bei uns auch schon Co-Trainer war. Ich habe einen Vertrag bei Hoffenheim, daher ist dieser Verein für mich auch ganz klar der erste Ansprechpartner. Aber im Fußball weiß man nie, man muss schauen, was passiert.

Anfang des Jahres gab es sogar Gerüchte über einen Wechsel zu Tottenham. Gab es da Gespräche?

Grillitsch: Es ist schön, dass meine Leistungen anerkannt werden. Ich habe aber weder mit Tottenham noch mit irgendeinem anderen Verein gesprochen. Sollte es ein spruchreifes Angebot geben, werde ich das gegebenenfalls mit meinem Berater, meinem Vater und natürlich der TSG besprechen.

Wie ist das Gefühl als Spieler, in wenigen Wochen einen neuen Cheftrainer zu bekommen?

Grillitsch: Wir befassen uns gar nicht so viel damit, weil wir in einer ganz wichtigen Saisonphase sind. Wie gesagt, wir kennen Alfred bereits, schon damals fiel er durch seine Detailverliebtheit auf. Wir freuen uns, dass er zurückkommt, und gönnen ihm bis dahin den Erfolg mit Ajax.

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