Fussball

Verkehrte Welt in der Bundesliga: Welche Teams jetzt den Turbo einlegen müssen

Von SPOX Österreich
© Pixabay.com © Thisabled

BVB-Geschäftsführer Watzke sprach es erst jüngst aus: "Ich habe den Eindruck, dass die Liga stärker - und etwas geschlossener - ist als im vergangenen Jahr. Und dass die einzelnen Klubs in der Mehrzahl besser geworden sind." Eine weltmännische, höfliche Analyse eines Mannes, der derzeit gut lachen hat - der BVB ist stabiler Tabellenführer. Die meisten Fans würden die derzeitige Lage wohl wesentlich hemdsärmeliger als "Endlich mal wieder Action! Wurd ja auch Zeit!" ausdrücken.

Beides ist natürlich korrekt. Die bundesdeutsche Topliga kann nach sieben Spieltagen auf wesentlich mehr Unvorhergesehenes und Abkehr von der Routine als in vergangenen Jahren zurückblicken - und das nicht nur, weil man mal nicht den FC Bayern auf Platz eins sieht. Ferner freut es auch die Riege der Wettanbieter wie sportwettentest.net. Auch sie dürfen endlich mal wieder ihre Analysetools so richtig warmlaufen lassen. In dieser Bundesligasaison gelten die Erfahrungswerte für Quoten aus den vergangenen Jahren nicht mehr. Hätte man vor einem Jahr erwartet, dass Mönchengladbach in der Lage wäre, die Bayern zuhause mit 3:0 zu vertrimmen? Eher nicht, das letzte Spiel am 14. April endete mit einem überdeutlichen 5:1 für München. Doch welche Teams müssen sich denn jetzt anstrengen, weil ihre bisherigen Leistungen nicht den Erwartungen entsprachen?

1. FC Bayern

Andere Teams würden sich über Rang sechs in der Bundesligatabelle freuen, für Fans, Spieler und Funktionäre des FC Bayern ist das hingegen nicht nur eine ungewohnte Position, sondern eine Katastrophe. Vier Siege, zwei Niederlagen, ein Unentschieden, dazu noch ein Torverhältnis, das zwar positiv ist, aber nur mit +4. Und weil die Anzahl der versenkten Schüsse gerade mal gut die Hälfte der der Dortmunder (12:23) beträgt, herrscht in München derzeit Untergangsstimmung. Ganz besonders nach der blamablen Niederlage gegen die Gladbacher - zuhause und das auch noch während des Oktoberfestes. Das Internet übt sich schon im Erstellen hämischer Memes à la "Jupp Heynckes Frau schneidet heimlich Telefonkabel durch" und für viele Kommentatoren wackelt der Stuhl von Niko Kovač bereits heftigst - auch wenn Uli Hoeneß ihm den Rücken stärkt. Gerade für den Rekordmeister ist diese Situation enorm ungewohnt, weshalb er auch zurecht als erster in dieser "Baustellenliste" genannt wird.

2. Fortuna Düsseldorf

Was haben alle Daumendrücker der Fortuna gejubelt, als es im Frühjahr hieß "endlich wieder erste Bundesliga". Und selbst nüchtern eingestellte Kommentatoren mussten den Düsseldorfern attestieren, 2017/18 eine fulminante Saison hingelegt zu haben - und das nicht nur, weil der Aufstieg bereits am 32. Spieltag klargemacht wurde. Doch in der ersten Liga weht ein rauer Wind. Das musste die Fortuna schon früh feststellen. 2:1 gegen Hoffenheim am ersten Spieltag, damit ist die Siegesliste auch schon genannt. Bereits das nächste Spiel in Stuttgart endete 0:0 und seitdem nur Niederlagen. Fünf geschossene Tore, elf kassierte. Da ist das -6 Verhältnis ebenso verdient wie der 17. Platz in der Tabelle. Da tröstet es Fans und Funktionäre auch wenig, dass die Düsseldorfer Ultras vor dem Spiel gegen Schalke eine wirklich beeindruckende Choreo ablieferten - das ist einfach zu wenig, wenn es auf dem Platz hapert.

3. VfB Stuttgart

Lange Zeit machten die Buchmacher Hannovers Andre Breitenreiter als denjenigen aus, der als erstes in der Saison seinen Platz räumen müsse. Tatsächlich erwischte es Tayfun Korkut. Er wurde bereits durch Markus Weinzierl ersetzt. Absolut zurecht, sagen viele. Denn was der VfB in diesen sieben Spieltagen ablieferte, entsprach ganz und gar nicht dessen, was man eigentlich von einem Vorjahres-Siebten mit ausgeglichenem Torverhältnis erwarten würde: Ein mageres 2:1 am vierten Tag gegen Werder, zwei Unentschieden und dann zuletzt das schmerzhafte 3:1 gegen Hannover. Zwar ein Tor mehr geschossen als Düsseldorf, dafür auch zwei mehr kassiert. Auch hier lässt sich nichts mehr schönreden, das ist absolut schwach. Doch die Hoffnung stirbt zuletzt: Die Führung des Vereins ist überzeugt, dass auch im jetzigen Team wesentlich mehr als ein Abstiegsplatz drinsteckt.

4. Schalke 04

Der Schalker Aufzug fährt mal wieder nach unten: Zehnter Platz am Ende der 2016/17er Saison, Zweitplatzierter der Saison 17/18 und jetzt wieder eine ziemliche Sauregurkenzeit, welche den "Kumpel- und Malocherclub" auf den 15. Tabellenplatz beförderte. Das schmerzt nicht nur die Fans, sondern sorgte ähnlich zu den Bayern für einen Berg von Internet-Gelächter, das sich vornehmlich auf die 04 und Schalkes Anzahl an Siegen in den ersten Spieltagen bezog: Nicht nur "04-mal", sondern fünfmal ging die Truppe um Domenico Tedesco geschlagen vom Platz. Erst am siebten Spieltag gelang der Truppe ein 1:0 gegen Mainz, das darauf folgende 0:2 gegen Düsseldorf ließ dann zumindest Morgenluft wittern. Doch wie es auf Schalke weitergeht, wo die Statistik nur fünf Tore bei neun Gegentoren attestiert, bleibt abzuwarten, auch wenn sie zumindest aus der unmittelbaren Todeszone im Tabellenkeller entronnen scheinen.

5. Hannover 96

Was dieser Tage in Hannover los ist, das verstehen auch so manche Vollkorn-Niedersachsen nur eingeschränkt. Zwei Unentschieden an den ersten beiden Spieltagen, dann eine viergliedrige Niederlagenkette und zuletzt ein 3:1 gegen die Stuttgarter - zuhause wohlgemerkt. Doch das ist nur die sportliche Seite der Probleme, die dazu führten, dass die Hannoveraner auf dem Relegationsplatz sitzen und mit ihren acht Toren bei 14 Gegentoren kein so richtig griffiges Konzept zu haben scheinen. Daneben kriselt es aber auch vereinsintern an anderer Stelle: Der Club änderte erst im September seine Satzung, wodurch künftig unter anderem alle Ausgaben über 150.000 Euro vom Aufsichtsrat abgenickt werden müssen - weil dort aber nur die Investoren Stimmrecht haben, hat Hannover nun Ärger mit der DFL, die damit droht, die Lizenz zu entziehen, weil ein Verstoß gegen die 50+1-Regel vorliegt. Das ist deshalb so, weil die Satzungen von den Vereinen fordern, dass der Mutterverein mindestens 50% der Stimmanteile haben muss.

Fazit

Die noch junge Saison mag für so manchen Fan eine echte Bauchschmerzveranstaltung sein. Allerdings lässt sich nicht wegleugnen, dass gerade an der Spitze in diesem Jahr genau die Spannung vorhanden ist, deren Mangel nicht nur von ausgesprochenen Bayern-Gegnern seit Jahren so vehement beklagt wurde. Und wenn die Bundesliga dort etwas wirklich nötig hat, ist es just diese Spannung.

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