Andreas Herzog kritisiert im Interview Paul Scharners Aussagen zum ÖFB-Team

Alaba? "Das hat Koller elegant gelöst"

Von SPOX Österreich
Freitag, 12.05.2017 | 10:23 Uhr
Herzog arbeitete zuletzt als Co-Trainer von Klinsmann
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Andreas Herzog hat sich in seiner langjährigen Karriere sowohl in Deutschland als auch in Österreich einen ausgezeichneten Ruf erworben. Im Bwin-Interview kritisiert Österreichs Rekordnationalspieler die Aussagen von Paul Scharner zum ÖFB-Team und äußert sich zur Rolle von David Alaba. Dazu verrät die Werder-Bremen-Legende, warum er dem US-Vizepräsidenten nackt begegnete.

Frage: Werder Bremen spielt derzeit einen sehr schönen Fußball und hat eine beeindruckende Serie hingelegt. Welchen Anteil haben die drei Österreicher am Erfolg?

Andreas Herzog: Einen sehr großen Anteil. Junuzovic ist einer der wichtigsten Spieler in der Mannschaft. Florian Grillitsch hat sich mehr oder weniger zum Stammspieler hochgearbeitet und auch Florian Kainz ist nach seinen Anlaufschwierigkeiten auf einem sehr guten Weg. Wenn er noch ein bisschen zulegt und nur annähernd so gut wie bei Rapid spielt, hat er sicher bald einen Stammplatz.

Hier spricht Herzog über seine Avancen für den Rapid-Trainerjob

Frage: Die Statistiken sprechen für ihn.

Herzog: Jetzt ist auch die Mannschaft erfolgreich. Er ist sicher nicht zu Werder gegangen, um dort Joker zu sein. In Österreich war er einer der Besten, und dann willst du auch bei Werder und in der deutschen Bundesliga einen Stammplatz.

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Frage: Was hat Trainer Alexander Nouri am System geändert, dass es plötzlich wie geschmiert läuft?

Herzog: Wichtig war die Stabilisierung der Defensive. Für offensiven Fußball war Bremen immer bekannt, aber wenn du im Schnitt drei Tore pro Spiel bekommst, stehst du zwangsläufig am unteren Ende der Tabelle. Serge Gnabry war ein exzellenter Kauf, Max Kruse ist jetzt im Frühjahr förmlich explodiert und Fin Bartels bildet mit Kruse ein kongeniales Duo. Das alles ist zum Großteil der Verdienst von Trainer Alex Nouri und das ist sensationell.

Frage: Kann jetzt bei Werder Bremen mit den jungen Spielern rund um Gnabry, Kainz etc. wieder etwas wachsen, um irgendwann an die erfolgreichen Zeiten anzuschließen?

Herzog: Der Schlüssel dafür wird die Europa League-Qualifikation sein. Dann wäre der Verein wieder attraktiver und sie hätten Zusatzeinnahmen. Um jemanden wie Max Kruse, der schon bei Gladbach und Wolfsburg war, und Zlatko Junuzovic, der verlängert hat, kann man sicher ein Team entwickeln. Serge Gnabry kann man sicher nicht halten, solche jungen Talente hat Werder immer schon verkaufen müssen und das wird auch in Zukunft so sein.

Frage: Setzt Florian Grillitsch den richtigen Schritt mit dem Wechsel nach Hoffenheim im Sommer?

Herzog: Wenn Hoffenheim in die Champions League kommt, dann spielt er Champions League, dann ist es der richtige Schritt. Ich denke, dass er mit Julian Nagelsmann einen hochinteressanten Trainer hat. In Hoffenheim muss er jedoch wieder bei Null anfangen, nachdem er sich in Bremen bereits einen Namen gemacht hat. Ich gehe aber davon aus, dass er es auch dort schaffen wird.

Frage: Ein Blick zurück: War Mario Basler wirklich so ein wilder Hund auf und neben dem Platz?

Herzog: Er hat sich einfach nichts gepfiffen (lacht). Mario war ein genialer Spieler und ein genialer Spieler benötigt gewisse Freiheiten. Natürlich hat er diese Freiheiten manchmal zu stark ausgenutzt, aber immer wenn es knapp war, und Rehhagel ihm die Leviten gelesen hat, hat er wieder die zwei entscheidenden Tore gemacht. Das zeigt, was für ein großartiger und wichtiger Spieler er war.

Frage: Gibt es ähnliche Typen wie Basler auch heutzutage?

Herzog: Das ist heute nicht mehr möglich. Heute sagt jeder in Interviews exakt dasselbe. Im Grunde genommen braucht man ja gar niemanden mehr interviewen. Wenn du sagst, was du denkst, zahlst du gleich eine Geldstrafe oder wirst auf den diversen Social Media-Kanälen angegriffen. Fußball war früher ein Sport, heute ist es ein Business, in dem es um extrem viel Geld geht. Da kann man als Spieler heutzutage nicht mehr so viele Freiheiten und Spaß haben, wie wir es damals gewohnt waren.

Frage: Um viel Geld geht es auch bei den Ablösesummen. Ist ein junger Spieler, wie Kylian Mbappé, 130 Millionen Euro wert?

Herzog: Das ist ja ein Wahnsinn. Er ist ein exzellenter junger Spieler, genauso wie Dembélé vom BVB oder Dybala von Juventus Turin. Das ist die neue Generation der Superstars. Aber, wenn man sieht, welche Summen für diese jungen unerfahrenen Spieler verlangt werden, dann müssten Messi und Ronaldo jeweils 500 Millionen kosten. Und das ist absurd, so kann es auch nicht weitergehen. Jetzt steigen noch die Chinesen und die Amerikaner ein. Ich hoffe, dass diese Blase zum Wohle des Fußballs irgendwann platzt, damit er wieder im Vordergrund steht.

Frage: Welcher Trainer hat Sie am meisten geprägt?

Herzog: Abgesehen von meinem Vater war Ernst Dokupil sehr wichtig, der mich bei der Vienna trainiert hat, nachdem ich es bei Rapid nicht in die erste Mannschaft geschafft habe. Er ist damals zu mir gekommen und hat gemeint, dass er mich schon als Kind spielen gesehen hat und dass ich jetzt rausgehen und genauso locker wie damals spielen soll. Das habe ich dann gemacht und nach drei Spielen mit drei wichtigen Toren war ich Nationalspieler. Außerdem natürlich Otto Rehhagel und Pepi Hickersberger, der am Anfang meiner Karriere Nationaltrainer war.

Frage: Was hat Otto Rehhagel als Trainer ausgemacht?

Herzog: Die Spieler waren seine Jungs, er hat sich immer vor die Mannschaft gestellt. Wie er mit uns Spielern umgegangen ist, war einzigartig.

Frage: Sie hatten auch ein Intermezzo bei den Bayern 1995/96. Wie sehen Sie die Situation bei den Bayern? Der Kader ist überaltert, gegen Real ist man ausgeschieden, gegen den BVB im Pokal ebenso, am Ende steht "nur" der Meistertitel. Ist das bei den Bayern zu wenig?

Herzog: Man hatte sicher die Hoffnung auf mehr Erfolg. Fakt ist aber, dass man gegen Real daheim zwar verloren, aber auswärts nach 90 Minuten in Unterzahl gewonnen hat. Eigentlich war Arturo Vidal mit dem verschossenen Elfmeter und der unnötigen roten Karte der Mann, der die Bayern ins Aus katapultiert hat. Wären diese beiden Situationen nicht passiert, hätte Bayern Real eliminiert. Als Trainer kommst du in München gleich unter Druck, wenn du nicht alles gewinnst, man vergisst aber sehr leicht, dass die Bayern vorher alle Gegner abgeschossen haben: Den HSV, den BVB usw.

Frage: Ist Carlo Ancelotti der richtige Trainer für den dringend notwendigen Umbruch im Sommer?

Herzog: Er ist einer der erfolgreichsten Trainer aller Zeiten. Umbrüche hat er sehr erfolgreich bei allen Stationen vollzogen. Ribery und Robben adäquat zu ersetzen ist natürlich sehr schwer.

Frage: Wen sollten die Bayern im Sommer holen?

Herzog: Dembélé vom BVB, auch wenn die Dortmunder dann wieder sauer sind. Dembélé ist aber in Deutschland auf dem Flügel gerade das Nonplusultra. Mbappé wäre ideal, die Bayern werden aber keine 130 Millionen zahlen. Wen sie unbedingt holen müssten, ist Alexis Sanchez.

Frage: Warum bekommt Joshua Kimmich, als eines der größten deutschen Talente, bei den Bayern keine Chance?

Herzog: Das muss man Carlo Ancelotti fragen. In München wäre man aber gut beraten, wenn man Kimmich in der nächsten Saison wieder ins Team einbaut.

Frage: Gilt das auch für Renato Sanches?

Herzog: Naja, er ist zwar mit 18 Jahren Europameister geworden, ich habe ihn aber schon im Sommer als nicht so reif gesehen. Zwar hatte er unglaubliche Momente, aber genauso viele unnötige Ballverluste und unüberlegte Aktionen. Wenn du als Verein einen so jungen Spieler für 35 Millionen holst, es auf seiner Position aber bessere Spieler gibt und er deswegen überhaupt nicht zum Einsatz kommt, verliert er offensichtlich vollkommen das Selbstvertrauen. Da ist jetzt eine komplett zerfahrene Situation entstanden, in der es vielleicht das Beste ist, wenn er irgendwo hingeht, wo er wieder spielt.

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