Fussball

Fußball-Profis vor und nach der Karriere: Gar nicht so ball-zentrierte Wege

Von SPOX Österreich
Andrei Arshawin hat Modedesign studiert.
© GEPA

Dass Fußballer, Trainer und Vereinsspitzenleute auch nur Menschen sind, dürfte klar sein. Und als solche haben sie sowohl ein Vorleben ohne Fußball wie eines, dass anknüpft, wenn die Karriere vorbei ist. Und bei manchen läuft es auch durchaus neben der Karriere - und damit sind nicht nur Jürgen Klopps Werbe-Auftritte gemeint. Doch was taten und tun die Großen eigentlich?

1. Manuel Almunia

Der in Pamplona geborene Gunner-Torhüter Manuel Almunia hatte seine große Zeit in den 2000ern, als er vom Lehmann-Ersatz in die Startelf vorrückte - bis ein 2014 entdecktes Herzleiden ihn zwang, seine Profikarriere an den Nagel zu hängen. Sicherlich nicht die schönste Art für ein Karriereende. Allerdings hat Almunia dadurch nun Zeit, sich seinem Steckenpferd zu widmen, dass er schon zu Aktivzeiten betrieb. Almunia ist versierter Hobby-Militärhistoriker mit dem Schwerpunkt Zweiter Weltkrieg. Und immer wieder zog es ihn vor und nach Spielen im Ausland in Museen, auf ehemalige Schlachtfelder und ins Gespräch mit Zeitzeugen. Und damit macht er auch jetzt munter weiter.

2. Andrei Arshawin

Ein weiterer Ehemaliger des FC Arsenals ist Andrei Arshawin, der sich derzeit beim kasachischen Erstligisten FK Quairat Alamty seine Brötchen verdient. Wann die Karriere des 37-jährigen enden wird, steht noch in den Sternen. Dass er sich dann aber seiner Leidenschaft widmen wird, ist zumindest wahrscheinlich. Denn Arshawin, der zwischen 2002 und -12 zur russischen Nationalelf gehörte, hat vor seiner Profikarriere einen Universitätsabschluss in - Trommelwirbel - Modedesign absolviert. Tatsächlich kann er schon auf eigene Modelinien zurückblicken - und zwar für Frauen.

3. Lothar Matthäus

Dass die Libero-Legende und Weltmeister Lothar Matthäus nicht vom Fußball lassen kann, weiß jeder Fan, der den Rekordnationalspieler auf Sky und Co. in seiner Rolle als Experte beobachten kann. Doch es gab eine Zeit vor dem Fußball. Und so kam es, dass er erst mal etwas Bodenständiges lernte - Raumausstatter, um genau zu sein. Bevor er allerdings darin brillieren konnte, kam der Ball dazwischen - die bekannte Karriere des angehenden Weltstars begann, als er 1979 in die A-Jugend Nationalelf kam.

4. Fritz Keller

Bei den Eminenzen hinter einem Team, die weniger sportlich als managend tätig sind, ist klar, dass hier auch parallel andere Berufe mitspielen. Den zumindest von einem geschmacklichen Standpunkt aus "leckersten" Background dürfte dabei Fritz Keller haben, Präsident des FC Freiburg. Er ist nicht nur Winzer, der neben seinem Posten mit dem "Schwarzer Adler" ein Michelinstern-prämiertes Restaurant betreibt, feine Weine importiert, und ein gigantisches Wissen zu dem Thema beweist; Er entstammt auch einer regelrechten Gourmet-Dynastie: Der Vater kam im Krieg erstmalig mit feinen Weinen in Kontakt, startete danach den Import. Der Bruder ist Koch, der bei Legende Paul Bocuse gelernt hat. Und es dürfte ziemlich klar sein: Wenn Fritz irgendwann keine Lust mehr auf den Ball hat, dürfte er ohne Probleme hauptberuflich in seine Genießer-Welt zurückkehren können.

5. Günter Eichberg

Vier Jahre lang, von 1989 bis 1993, war Günter Eichberg derjenige, der als Präsident die Geschicke des FC Schalke lenkte. Und wie schon bei Fritz Keller hat seine "eigentliche" Berufung so gar nichts mit Fußball oder wenigstens Sport zu tun, dafür aber viel mit Medizin. Bevor Eichberg Schalke-Präsident wurde, bestand sein Tagwerk darin, Krankenhäuser zu erwerben und sie zu Fachkliniken umzubauen. Wer jemals wegen einem Venenleiden in der Hildener Klinik im Park behandelt wurde, hat eines seiner Werke bereits erlebt - Eichberg baute das Haus erst zu dem Fachzentrum um, das es heute ist. Da verwundert es nicht, dass er nach seiner Schalke-Karriere in den USA "weiterdokterte" - und dort ein Medikament für Diabetiker erfand.

6. Norbert Eder

Norbert Eder gehörte in den 1970ern und -80ern zu den härtesten - und fairsten - Abwehrspielern. Nicht nur beim FC Bayern, sondern vielleicht sogar auf dem ganzen Kontinent, wurde 1986 sogar Vizeweltmeister in Mexiko. Und obwohl er auch danach noch eine lange Trainerkarriere bei Rosenheim und Garmisch-Partenkirchen hinlegte, lebt er heute nicht, wie man das für einen solchen Spieler vermuten würde, im Luxus und lässt es sich am Strand gutgehen. Im Gegenteil, er ist ein ganz Bodenständiger. Zusammen mit seiner Frau betreibt er bei Rosenheim einen kleinen Blumenladen mit angeschlossenem Versand für Deko-Accessoires.

7. Roland Wohlfarth

Bei vielen Fans herrscht der Glaube, dass jemand, der sich zumindest für einige Jahre als Profi beweisen kann, es geschafft habe - zumindest sich nicht mehr allmorgendlich auf die Arbeit begeben muss. Doch leider sind die Fußballgeschichten nicht immer mit einem solchen Happy End verknüpft. Tatsächlich gibt es sogar viele, die genau das wieder tun müssen - trotz einer gar nicht mal so schlechten Karriere. Einer davon ist Roland Wohlfarth. 439 Spiele absolvierte er zwischen 1981 und 2000 - den weitaus größten Teil davon als Profi bei Duisburg und dem FC Bayern. Er war U-18, -19 und -21 Nationalspieler und auch in der regulären Nationalelf vertreten. Dennoch scheint Fußball im Leben des immer als sehr medienscheu beschriebenen Stürmers nur eine Episode gewesen zu sein. Denn gelernt hatte er zuvor das Handwerk des Estrichlegers - und er kehrte nach seiner Karriere nicht nur in diesen Beruf, sondern tatsächlich seinen Lehrbetrieb zurück.

8. Fabien Barthez

Was macht man als jemand, der eine absolut beeindruckende Fußballkarriere hinlegte. Als Torhüter, der mit Stolz sagen kann "ich bin Weltmeister", wenn die Karriere aus Altersgründen vorbei ist? Für viele war es das dann, zumindest mit der sportlichen Action. Beim Franzosen Fabien Barthez, 1998 als Torhüter beim WM-Finale dabei, sieht es anders aus. Er, der in seiner aktiven Zeit immer als Enfant Terrible im positiven Sinn galt, konnte sich vielleicht nicht damit abfinden, dass er sich nun zurücklegen sollte. Vielleicht hatte er, als er mit Mitte 30 die Handschuhe auszog, auch einfach noch nicht genug Action gehabt - obwohl das bei seinem für einen Keeper extrem aktiven Spielstil zu bezweifeln ist. Jedenfalls dauerte es keine zwei Jahre, bis er umsattelte. In den Rennsport. Er begann mit Rennen im französischen Porsche Carrera Cup. Ab 2014 fuhr er bei den legendären 24 Stunden von Le Mans mit - für Uneingeweihte: Eines der härtesten Straßenrennen der Motorsportgeschichte - seine Bestplatzierung war ein sehr respektabler zwölfter Rang. In 2017 machte sein Wagen allerdings schlapp.

9. Holger Stanislawski

"Stani" Stanislawski ist einer der Spieler, die man einfach nur mit einem Club verbindet, obwohl sie vielleicht noch viele andere Stationen durchliefen. Selbst wer seine Stationen als Trainer von Köln und

Hoffenheim in Petto hat, kennt Stani doch vor allem als schillernden Libero der Weltpokalsiegerbesieger - dem FC St. Pauli, für den er zwischen 1993 und 2004 260 Mal antrat. Was er vorher tat, passt zum Sport. Denn Stanislawski erlernte den Beruf des Masseurs. Was er nun tut, passt zumindest dann, wenn man bedenkt, dass es gerade in den 1970ern und -80ern für sehr viele Ex-Bundesligisten en Vogue war, kleine Tabak- und Lottolädchen zu betreiben. Denn zusammen mit seinem Hamburger Kollegen Alexander Laas betreibt Stanislawski das "H. Stanislawski & A. Laas Rewe Center" in Hamburg Winterhude - mit von der Partie: Ex HSV-Aufsichtsrat Bernd Enge.

10. Und sonst?

Da kein noch so umfangreicher Artikel genüg Platz böte, um wirklich alle interessanten Vor- oder Nachkarrieren zu erzählen, sollen nun noch ein paar besonders interessante Personen kurz erwähnt werden:

  • Jay-Jay Okocha, Ex-Nationalspieler von Nigeria, betreibt einen Nachtclub in Lagos
  • Faustino Asprilla, Kolumbianer und unter anderem bei Parma unter Vertrag, besitzt eine eigene Marke - für Kondome
  • Jürgen Klinsmann, Weltmeister und Bundestrainer, lernte dereinst beim eigenen Vater das Bäckerhandwerk
  • Clemens Tönnies, im Aufsichtsrat von Schalke, ist gelernter Fleischtechniker, besitzt ein riesiges Fleisch-Imperium und wird knapp drei Milliarden Euro schwer taxiert
  • Dieter Hecking, heute Trainer von Mönchengladbach, beendete für seine Profikarriere eine erfolgversprechende Laufbahn als Streifenpolizist - umgekehrt machte es Fabian Boll, ehemals Trainer von St. Pauli II, er wechselte von der Trainerbank zur Kripo.

Und dann war da noch Hans-Josef Kapellmann. Der ehemalige Aachener, Kölner, FC und 1860 Münchner hatte nach 338 Bundesligaspielen immer noch Hunger, ging an die Uni und wurde Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie.

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