Fussball

Die absurde Parade der Fast-Transfers

Von SPOX Österreich
Viele Transfers scheiterten nur knapp

Was tatsächlich hinter den Kulissen abläuft, erfahren wir oft nur Jahre später. Wir liefern euch die kuriose Liste der Fast-Transfers. Wie Sturm Graz Ronaldinho verpasste, ein Präsident Marko Arnautovic nachtrauert, ein Vulkanausbruch einen Top-Transfer verhindert und 250.000 Euro für Diego Maradona zu viel sind.

Marko Arnautovic zu Sampdoria Genua

Im Winter 2016 wollte Sampdoria Genua Marko Arnautovic unbedingt von Stoke City loseisen. Doch der Deal sollte nicht klappen. Für Sampdoria-Präsident Massimo Ferrero eine mittelschwere Katastrophe: "Dass ich es nicht geschafft habe, Arnautovic zu verpflichten, bedaure ich am meisten. Er ist ein Stürmer, den ich immer schon wollte. Aber ich war einfach zu spät dran. Ich habe es versucht und bin gescheitert, es ist eine Schande."

Ronaldinho und Adriano zu Sturm Graz

Wie im Sturm Echo, der Vereinszeitschrift des SK Sturm, zu lesen ist, verzichteten die Grazer auf die Verpflichtung der beiden späteren brasilianischen Superstars Ronaldinho und Adriano. Tesourinha, der erste Brasilianer bei Sturm und spätere Jugendtrainer bei Porto Alegre, bot dem Verein die Talente an. Zwischen 1997 und 1998, in der Zeit unter Trainerlegende Ivan Osim, kam ein ganz besonderes Video-Band. "So einen Kicker hat Sturm noch nie gehabt", soll Ex-Sturm-Kicker Höfler damals gesagt haben. Doch Sturm-Manager Schilcher wollte davon nichts wissen, wimmelte ebenso ab, wie Hannes Kartnig und Osim, der sich für Transfers nicht verantwortlich fühlte.

Dabei verpassten die Verantwortlichen was, ging es doch um Ronaldinho im Alter zwischen 17 und 18 Jahren. Bitter: Sturm hätte nur für die Flugkosten, Verpflegung, Unterbringung und ein Taschengeld aufkommen müssen. Ronaldinho wäre ein halbes Jahr geblieben, dann wäre eine Ablösesumme über 1,2 Mio. € an Gremio Porto Alegre fällig geworden. 6 Monate später kam von Tesourinha erneut ein Band. Selbe Bedingungen, ein halbes Jahr auf Probe und eine Kaufoption über 580.000 €. Wieder zeigte die Vereinsführung kein Interesse und lehnte unwissentlich Adriano ab. Später sollte er für Inter 79 Serie-A-Tore erzielen und den Spitznamen "Imperator" erhalten. Sturm holte 2 Jahre später Charles Amoah für 3,9 Mio. €.

Keylor Navas zu Manchester United

Es war der Aufreger des Sommer-Transferfensters 2015. Lange schien der Transfer von Torhüter David de Gea von Manchester United zu Real Madrid auf Schiene zu sein. Im Gegenzug wäre Costa-Rica-Goalie Keylor Navas von den Madrilenen zu ManUnited gewechselt. Am Ende blieb jeder dort, wo er ist. Der Deal scheiterte in letzter Minute. Gegenseitige Schuldzuweisungen der beiden Großklubs waren die Folge. Für den 28-Jährigen gestalteten sich die Stunden am Deadline-Day als Drama. "Mein Agent hat mir gesagt, dass ich mein Telefon im Auge behalten soll. Wir waren bereits am Flughafen, in einem Warteraum", so der Torhüter. "Ich denke, wenn Gott gewollt hätte, dass ich Real Madrid verlasse, wäre es so wohl das Beste gewesen. Aber er wollte es nicht und ich bin noch hier."

Kevin Kampl zu Rapid Wien

2012 empfahlen Rapid-Scouts den Grün-Weißen einen gewissen Kevin Kampl - damals bei VfL Osnabrück. Für 250.000 € wäre er zu haben gewesen. Doch Kampls fehlende Effizienz soll die Rapid-Verantwortlichen abgeschreckt haben. Ein zu großes Risiko für die Hütteldorfer, die gerade mit einem deftigen Minus von über drei Millionen Euro zu kämpfen hatten.

Robert Gucher zu Aston Villa

Serie-A-Export Robert Gucher wäre mit 16 Jahren er fast bei Aston Villa gelandet. Der Steirer hatte bereits für 3 Jahre unterschrieben, die Flugtickets gekauft und die Koffer gepackt. 2 Tage vor dem Abflug musste er aber aus der Zeitung erfahren, dass der Deal geplatzt sei. "Der GAK war damals in einer sehr schwierigen finanziellen Lage und wollte mit mir als jungem Spieler, der noch nichts erreicht hat, den Klub sanieren und hat Unsummen verlangt. Dann hat Aston Villa gesagt, das können wir nicht machen", erklärte Gucher jüngst.

Yaya Toure zu Arsenal

Heute ist Yaya Toure Star bei Manchester City und versucht mit Pep Guardiola klar zu kommen. Dabei hätte alles ganz anders kommen können. Denn schon 2003 wurde Toure von Wenger entdeckt - und dieser handelte mit dem Jugendverein des Mittelfeldmotors einen 2-Millionen-Euro-Deal aus. Ein Schnäppchen! Doch Toure bekam in England keine Arbeitserlaubnis und der Deal scheiterte. Die restliche Karriere des Klassemanns ist Geschichte.

Zinedine Zidane zu Newcastle

Diese Story wird für Newcastle eine ewige Blamage bleiben. 1996 hatte der englische Traditionsklub die einmalige Chance, Zinedine Zidane von Bordeaux zu verpflichten. Doch die geforderten 2 Millionen Euro waren Newcastle zu viel. Ziemlich blöd - denn etwas später wechselte Zidane für 3,5 Millionen Euro zu Juventus Turin und wurde zur absoluten Legende. Shit happens!

Jakub Blaszczykowski zu Wacker

Innsbrucks ehemaliger Spielmacher Jerzy Brezeczek hätte eine echte Perle nach Tirol locken wollen. Er ist der Onkel jenen Kickers, den alle Kuba rufen. Mit 17 Jahren hätte das Offensiv-Juwel an den Inn wechseln können. "Leider hat sich Jakub zwei Tage vorher verletzt, deswegen kam der Deal nicht zustande", erklärt Brzeczek im Gespräch mit SPOX.

Gareth Bale zum HSV

2013 wechselte Gareth Bale für 91 Millionen Euro von Tottenham zu Real. Hätte der HSV vor 6 Jahren tiefer in die Tasche gegriffen, wäre Bales Karriere jedoch anders verlaufen. Martin Jol war bis 2007 Trainer von Tottenham und betreute in der Saison 2008/09 den HSV. In einem Interview verriet er, dass der damals 19-jährige Bale dem HSV 2008 angeboten wurde. "Ich war überzeugt von seinem Potenzial. Aber das traf bei den Spurs nicht auf alle zu, was sie dazu gebracht hat, ihn mir anzubieten, als ich zum HSV ging", erzählte der Coach.

Allerdings scheiterte der Coup an den Ablöseforderungen der Engländer. "Wir hätten viel Geld ausgeben müssen, um ihn zu bekommen, rund fünf Millionen Pfund, was wir uns zu diesem Zeitpunkt nicht leisten konnten." Für andere Spieler war das Geld durchaus da. Denn für Kicker wie Neves (9 Millionen), Jansen (8 Millionen), Petric (8 Millionen) oder Silva (6 Millionen) zauderten die Hamburger in jenem Sommer nicht lange.

Shinji Kagawa zu Red Bull Salzburg

Er wurde den Salzburger Sportdirektoren Heinz Hochhauser und Thomas Linke angeboten. Nach kurzer Überlegung wurde von einer Verpflichtung Abstand genommen. Kagawa wechselte nach Dortmund und entwickelte sich dort zu einer der spielbestimmenden Figuren.

Ronaldo zum VfB Stuttgart

Was viele nicht wussten: Ralf Rangnick entdeckte den "Old School"-Ronaldo. Rangnick war 1994 Jugendkoordinator beim VfB Stuttgart und schon damals mit einem speziellen Faible für Scouting ausgestattet. Und einen talentierten Stürmer hatte er besonders ins Auge gefasst: Ronaldo Luís Nazário de Lima, kurz "Ronaldo".

Rangnick traf sich mit dem wuchtigen Brasilianer in Rio de Janeiro und überreichte ihm ein VfB-Trikot. Tragisch für Stuttgart: Der potenzielle Welttransfer scheiterte an den Ablöseforderungen von Cruzeiro Belo Horizonte. Rund vier Millionen Euro verlangten die Brasilianer - zu viel für die Schwaben. Ronaldo später dazu: "Stuttgart war damals der erste Klub, der sich für mich interessiert hat."

Diego Maradona zu Sheffield United

Eine unglaubliche Story: 1978 reiste der damalige Sheffield-Manager Harry Haslam für einen Scoutingtrip nach Argentinien. Und dort stolperte er über den 17-Jährigen Diego Maradona. Von ihm war Haslam so begeistert, dass er den Vorstand umgehend die Bitte mitteilte, 250.000 Euro für diese Investition bereit zu stellen. Der Vorstand weigerte sich und holte stattdessen für 200.000 Euro Maradonas Landsmann Alex Sabella. Auch Sabella schlug ein, aber ein Maradona-Wechsel nach England hätte wohl die Fußballgeschichte umgeschrieben.

Sergio Agüero zu Manchester United

Seit Sergio Agüero im Jahr 2011 von Atletico zu Manchester City wechselte, bereitet er dem Stadtrivalen regelmäßig graue Haare. Dabei hätte er eigentlich in Rot spielen sollen! Alex Ferguson verriet unlängst, dass er an einem Deal bastelte. Doch die Ablösesumme über 40 Millionen Euro war United dann doch zu heavy. Im Nachhinein ein Investment, das sich gelohnt hätte. Der Argentinier erzielte für Manchester City bereits 152 Tore - und das in 227 Spielen.

Jimmy Floyd Hasselbaink zur Vienna

Der 30. Juli 1995 hat sich ins Gedächtnis von Ex-Vienna-Trainer Rudi Eggenberger gebrannt. An jenem Tag verzichtete die Vienna auf die Verpflichtung von Jimmy Floyd Hasselbaink. Der Niederländer hatte die Blau-Gelben in einem Testspiel in Himberg von seinen Qualitäten zu überzeugen versucht, dies gelang ihm allerdings nur bei der sportlichen Leitung. Das Vereinsmanagement aber winkte angesichts der Schulden der Vienna und des Kaufpreises von 40.000 Euro (!) ab.

Thomas Müller zu Manchester United

Sie wollten nicht abreißen: Die Gerüchte, wonach Manchester United 100 Millionen Euro für Thomas Müller auf den Tisch legen will. Dabei wäre alles viel einfacher gegangen. Denn laut Alex Ferguson wollte United Müller verpflichten, als er 10 Jahre alt war. Damals kickte er bei einem deutschen Klein-Klub. Doch der FC Bayern war um einen Tick schneller.

Toni Polster zu Real Madrid

1991 wäre es beinahe zum Wechsel von Polster von Sevilla zu Real Madrid gekommen. "Fast täglich wurde ich angerufen, auch mit meinem Berater Skender Fani gab es Gespräche, aber plötzlich kühlte das Interesse ab", so Polster. Warum? "Ich hatte aber das große Pech, dass bei jedem Verein nur zwei Ausländer spielen durften. Real hatte Hugo Sanchez, Atletico den Brasilianer Baltazar. Wenn die Regelungen damals so gewesen wären wie heute, wäre ich sicherlich bei Bayern, Real oder Atletico gelandet", so Polster bei SPOX.

Edin Dzeko zur Wiener Austria

Um ein Haar wäre dieser Transfer 2007 über die Bühne gegangen. Damals spielte der Bosnier noch in Tschechien bei Teplice. 1,2 Millionen Euro forderte der tschechische Klub Ablöse. Zu viel für Thomas Parits. Ein halbes Jahr später wechselte Dzeko nach Wolfsburg, das ihn im Winter 2011 um 35 Millionen Euro verscherbelten. Parits: "Klar, dass ich mir in den letzten Jahren ein paar Mal die Haare gerauft habe."

Kevin de Bruyne zum BVB

Nachdem Götze Borussia Dortmund verließ, um bei Bayern anzuheuern, machte sich der BVB auf die Suche nach einem Nachfolger. Und ein Spieler stach dabei sofort ins Auge: Kevin de Bruyne. Schnell wurde man sich mit dem Spieler einig. "Götze ging zum FC Bayern. Klopp sagte zu mir: 'Kevin, du bist meine erste Option für ihn.' Er zeigte mir auf, wie er spielen lassen wollte, welche Rolle ich einnehmen sollte", so der Belgier.

Doch es sollte nicht sein. Warum? Weil Jose Mourinho den Deal platzen ließ. "Das hätte damals gut gepasst", so BVB-Manager Hans-Joachim Watzke. "Aber die Rahmenbedingungen haben nicht gestimmt. Chelsea war damals nicht bereit, ihn zu uns gehen zu lassen, weil sie sauer waren, dass Robert Lewandowski nicht zu Chelsea gegangen ist."

Robert Lewandowski zu den Blackburn Rovers

Ja, das hätte tatsächlich passieren können. Denn 2010 war der Name Robert Lewandowksi nicht ganz so groß. Blackburn sah das Potenzial des Polen und dieser war bereits drauf und dran, für Gespräche nach England zu fliegen. Doch begann der Vulkan Eyjafjallajökull in Island zu grummeln und stieß eine dicke Aschewolke aus - und der Flug wurde verzögert. Die Dinge entwickelten sich in der Zwischenzeit etwas anders und der BVB wurde aktiv - und holte Lewandowski.

Ivan Perisic zu Red Bull Salzburg

Bei ihm gilt das gleiche wie für Kagawa. Auch er wurde Hochhauser/Linke angeboten, wurde abgelehnt. Er spielt aktuell bei Inter Mailand und fasst dort immer besser Fuß.

Stefan Effenberg zur Austria

"Effe wird neuer Cheffe bei der Austria!", titelte die Kronen Zeitung 2002. Es sind die fetten Magna-Jahre am Verteilerkreis und Onkel Franks shoppingsüchtiger Sportdirektor Peter Svetits hat tatsächlich den damals 34 Jahre alten Tiger im Einkaufswagerl. Der damalige Trainer Walter Schachner legte sein Veto ein. Der Transfer scheiterte. Der Anfang vom Ende von Schachner bei der Austria.

Andrij Schewtschenko zu Werder Bremen

1997 wurde den Werderanern ein gewisser Andrij Schewtschenko angeboten. Doch Werder lehnte ab - etwas später wurde "Shewa" Europas Fußballer des Jahres und Champions-League-Sieger - mit dem AC Milan.

Pavel Nedved zu MSV Duisburg

Ziemlich, ziemlich dumm gelaufen. 1996 stand der MSV Duisburg kurz vor einer Verpflichtung von Pavel Nedved. Die Unterschrift sollte nach der EM folgen - nur blöd, dass Nedved so fantastisch auftrumpfte, dass Lazio intervenierte.

Michele Platini zu 1. FC Saarbrücken

Absolut peinlich: Beim Probetraining in den 70er-Jahren befand Saarbrücken-Coach Slobodan Cendic Michele Platini für nicht gut genug - etwas später wurde er zu einem der größten Fußballer seiner Zeit.

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