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Ansichtssache - Die Kolumne von Michael Gigerl: Die Fallhöhe als Warnung

Von Michael Gigerl, Kommentator & PULS 4 Chefredakteur Sport
Michael Gigerl
© PULS 4

Gut zwei Monate sind seit dem fulminanten 3:2-Auswärtserfolg der Salzburger in Leipzig vergangen - meine Erinnerung daran fühlt sich aber immer noch sehr frisch und lebendig an. Ich durfte dieses erste Spiel der heurigen Europa League Gruppenphase damals kommentieren und weiß noch genau, was da im Vorfeld nicht alles diskutiert wurde.

Da war alles dabei - von in erster Linie großer Vorfreude über vorsichtige Skepsis bis hin zu vereinzelter Ablehnung. Für mich war ehrlich gesagt von Anfang an klar, dass das eine "Vollgas-Veranstaltung" werden würde und so kam es dann auch. Zumindest von Salzburger Seite. Der österreichische Serienmeister war an diesem Abend stark wie ein mächtiger Bulle, die Stallkollegen aus Leipzig hingegen agierten über weite Strecken konfus wie ein aufgescheuchtes Hendl. Heute wird das anders sein...

Salzburg schwimmt zwar weiterhin auf der Erfolgswelle, ist in dieser Saison immer noch makellos unterwegs. Keines der bisherigen 26 Spiele hat man verloren, im Gegenteil, 22 davon hat man sogar gewonnen. In der Europa League sogar alle vier Partien dieser Gruppenphase und zu Hause hat man bewerbsübergreifend überhaupt seit über zwei Jahren kein Spiel mehr verloren. Na bumm...

Leipzig hingegen hatte einen schwierigen Start in diese Saison, hat sich aber just seit diesem 2:3 im Hinspiel konsolidiert und kontinuierlich gesteigert. Das 0:1 vom Wochenende in Wolfsburg würde ich da nicht überbewerten. Das Spiel heute ist für Leipzig aber ein absolutes Schlüsselspiel, da geht´s um richtig was...

Kurz zur Ausgangssituation: Salzburg braucht aus den verbleibenden zwei Spielen dieser Gruppenphase noch einen Punkt, um den Aufstieg aus eigener Kraft klar zu machen. Am besten also gleich heute. Leipzig hingegen liegt in der Tabelle punktgleich mit Celtic Glasgow, sprich mit einer erneuten Niederlage gegen den "kleinen Bruder" könnte es schon richtig düster in Sachen Sechzehntelfinale aussehen. Also auch ganz abgesehen von den garantiert vorhanden Revanchegelüsten muss Leipzig heute liefern...

Kuriose Salzburger Ausgangslage

Aber nochmals zurück zu Salzburg: Es ist schon kurios, dass man mit vier Siegen aus ebenso vielen Spielen immer noch nicht durch ist. Rechnerisch fehlt wie gesagt noch ein Pünktchen, gefühlt ist das Thema Aufstieg aber für viele - spätestens seit dem 5:2 am vergangenen Spieltag in Trondheim - erledigt. Und genau da wird´s gefährlich!! Die Formel "ein Punkt aus zwei Spielen" klingt nämlich easy, kann sich aber in der Praxis als durchaus tricky erweisen. Ohne da jetzt schwarz malen zu wollen, folgendes Szenario: Verliert Salzburg heute gegen Leipzig, kommt es am letzten Spieltag zu einem echten Finale im Celtic Park in Glasgow (Anm.: Vorausgesetzt die Schotten schlagen heute das immer noch punktlose Trondheim). Ich meine, dass man - auch als Salzburg - durchaus gegen Leipzig und vor allem auswärts in Glasgow verlieren kann. Anders formuliert: es braucht kein Fußballwunder, dass Salzburg im worst case doch noch den vermeintlich sicher geglaubten Aufstieg verpasst. Und das nach bisher vier souveränen Siegen!! Was ich damit sagen will: Die Fallhöhe, die sich da aus Salzburger Sicht aufgebaut hat, ist nicht nur enorm - sie ist fast schon aberwitzig!

Aber wissen Sie warum ich mir trotzdem null Sorgen um den Aufstieg "unserer" Bullen mache? Das liegt daran, dass ich zu tiefst davon überzeugt bin, dass Salzburg sich dieser Situation voll bewusst ist und insofern alles unternehmen wird, damit heute schon allen Schauderszenarien ein Ende bereitet wird. Und so ganz nebenbei will man natürlich auch noch den Erfolg aus dem Hinspiel bestätigen und zumindest als Punktesieger aus diesem brisanten Konzernduell gegen den vermeintlich großen Bruder hervorgehen. Ich freue mich wahnsinnig auf dieses Spiel, ab 18:15 Uhr live auf PULS 4.

Sie erreichen den Autor unter: michael.gigerl@puls4.com

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