Confed Cup 2017 – Zeitverschwendung oder wertvolles Turnier?

Von SPOX Österreich
Mittwoch, 14.06.2017 | 14:52 Uhr
Deutschland gilt als großer Favorit beim Confed Cup in Russland

Der Confed Cup 2017 sorgt - wie mittlerweile jeder Confed Cup - innerhalb der Fangemeinden für Kontroversen. Während die eine Gruppe der Auffassung ist, dass man sich die Teilnahme in Russland gleich schenken könne, weist die andere darauf hin, dass es sich hier um die perfekte Gelegenheit zum Austesten der eigenen Fähigkeiten handelt. Zu dieser Gruppe gehören auch Bundestrainer Jogi Löw und seine sehr junge Mannschaft. Wie sehen die deutschen Chancen aus?

Löw nutzt den Confed-Cup offensichtlich als Testphase für eine reformierte DFB-Elf. Denn viele Veteranen sind nicht dabei - eher handelt es sich um eine junge, hochmotivierte und perspektivenstarke Mannschaft. Dass Löw auch Risiken eingeht und sich nicht davor scheut, öffentliche Kritik dafür einzustecken, ist kein Geheimnis. Entgegen vieler prominenter Verantwortlicher wie Karl-Heinz Rummenigge scheint er das Turnier also nicht wertlos zu finden.

Problematisch wie bei jedem Experiment ist, dass von Löws Mannschaft alles oder nichts zu erwarten sein könnte. Der 3:2-Sieg über Australien zeigte zwar das große Potenzial der Mannschaft, das Variieren zwischen Dreier- und Fünferkette und das Einbinden der Offensivkräfte funktionierte zwar oft, aber wie zwei Gegentore vermuten lassen, nicht immer. Auch abseits der Treffer wackelte die deutsche Abwehr des Öfteren mal bedrohlich. Von Bernd Lenos zwei Aussetzern in brenzligen Situationen ganz zu schweigen. Gerade für Fans, die Sportwetten mögen, liefern solche Partien aber natürlich zusätzliche Spannung.

Trotz der Schwächen im deutschen Team gab es auch Glanzleistungen: Hier sei natürlich auch Leon Goretzka vom FC Schalke 04 erwähnt, der eine überragende Leistung brachte. Besonders seine Laufleistung und sein Engagement vorne wie hinten zeichnen den jungen Spieler aus. Doch auch Julian Draxler, selbst noch jung, aber schon Kapitän, lieferte eine starke Vorstellung und trat bereits als Leader auf.

Blick in die Kristallkugel

Eine Prognose über die deutsche Mannschaft in diesem Turnier abzugeben, wäre ein Blick in die Zauberkugel aus Kristall. Denn anders als Deutschland haben andere Teams ihre Stars nicht zuhause gelassen, sondern mitgebracht. Cristiano Ronaldo war gegen Mexiko zwar oft auf sich allein gestellt, seine Weltklasse wurde dennoch, fast nicht zu verhindern, mehrfach sichtbar.

Schon der nächste Gegner, Chile, könnte schon in der Gruppenphase eine ernsthafte Gefahr für Deutschland darstellen. Schon am 22. Juni könnte die mutmaßliche deutsche Favoritenrolle ins Wanken geraten - Chile siegte im Spiel gegen Kamerun mit 2:0. Probleme gegen die Chilenen könnten im Spiel zu der einen oder anderen Überraschung führen. Denn nicht nur haben die Chilenen Stars wie Vidal oder Sanchez im Kader - sie haben auch wesentlich mehr Erfahrung als das Frischlingsteam aus der Bundesrepublik. Nicht zu vergessen: Sie haben trotz der harschen Konkurrenz im amerikanischen Fußball die Copa Americana 2015 zu sich geholt. Gerade hier empfiehlt es sich also für Fußballfans, per Livewette spät im Spiel einzusteigen, um sich selbst noch mehr auf die Folter zu spannen.

Eine junge, talentierte, aber unerfahrene B-Elf mit einem experimentierfreudigen Trainer hat hier also eine große Aufgabe zu erfüllen. Darüber ist sich der Bundestrainer aber offensichtlich bewusst, wenn er auf das höhere Niveau der kampfstarken Chilenen hinweist. Und was ist mit Kamerun und Australien?

Kamerun - kein Underdog

Kameruns Mannschaft mag gegen die zu den Favoriten zählenden Chilenen verloren haben - abschreiben oder die Elf als ungefährlich einstufen sollte man dennoch nicht. Der Afrika Cup ist nicht gerade eine Amateurveranstaltung und spielstarke Teams wie die Elfenbeinküste waren auszuschalten - Kamerun hat es dennoch geschafft. Einer ihrer interessantesten und wichtigsten Spieler dürfte Vincent Aboubakar sein.

Der vom FC Porto an Besiktas Istanbul ausgeliehene Mittelstürmer zeigt, was kamerunischer Fußball kann - sein Marktwert liegt momentan um die zehn Millionen. Ein Problem der Kameruner war bisher trotz ihrer glasklaren Stärke immer ein gewisser Mangel an Disziplin - möglich ist es aber, dass der belgische Coach Hugo Broos dies ändern konnte. Ist der Disziplinmangel beseitigt, ist mit Kamerun unbedingt zu rechnen.

Australien - physisch und mental stark

Dass die Australier indes Deutschland mit nur einem Tor Unterschied verloren haben, bedeutet, dass mit ihnen in Zukunft noch zu rechnen ist. Schon im Vorfeld ließen die Anzeichen auf ein starkes australisches Team deuten. Seit 2006 gehört Australien dem asiatischen Fußballverband statt dem ozeanischen an - um durch eine größere Konkurrenzsituation die eigene Qualität zu fördern.

Da das Team nun als amtierender Asienmeister antritt, muss man davon ausgehen, dass diese Bemühungen erfolgreich waren. Bundesligakenner kennen ohnehin einige der Namen: Mitchell Langerak vom VFB Stuttgart ist schon etabliert, Matthew Lackie und Jamie Maclaren sind dagegen Namen für Hertha- und SV Darmstadt-Fans, da sie erst noch zu den jeweiligen Kadern stoßen. Das Interesse aus Deutschland zeigt die Qualität des Teams. Da Rugby in Australien zu den beliebtesten Sportarten gehört, haben die Spieler der Nationalmannschaft einige der Stärken scheinbar mitgenommen. Mentale und physische Stärke und Robustheit sowie der Wille, immer weiter zu machen, zeichnen das Team aus.

Fazit

Deutschlands Rolle im Confed Cup muss also noch gefunden werden. Von vielen Stimmen von vorne herein als Favorit betrachtet, bleibt abzuwarten, was das Team am Ende gegen die vielen starken vertretenen Mannschaften leisten kann.

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